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Horst Lichter: "Vielleicht kommt der Bart ab"

  • Steven Sowa
Von Steven Sowa

Aktualisiert am 15.01.2022Lesedauer: 6 Min.
Horst Lichter: Der Fernsehmoderator wird am 15. Januar 60 Jahre alt.
Horst Lichter: Der Fernsehmoderator wird am 15. Januar 60 Jahre alt. (Quelle: Eventpress MP/imago-images-bilder)
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Horst Lichter gilt als rheinlĂ€ndische Frohnatur. Doch der Koch hat auch nachdenkliche Seiten. Im t-online-Interview spricht er ĂŒber Bartpflege, SchicksalsschlĂ€ge und GeburtstagsplĂ€ne.

Neben seiner markanten Oberlippen-Frisur ist es wohl vor allem die vergnĂŒgliche Art, mit der Horst Lichter bei vielen Fernsehzuschauern in Erinnerung bleibt. Der Koch und "Bares fĂŒr Rares"-Moderator unterhĂ€lt seit Jahren ein Millionenpublikum. 2016 veröffentlichte er dann eine Autobiografie mit dem Titel "Keine Zeit fĂŒr Arschlöcher!", die sechs Jahre spĂ€ter vom ZDF als gleichnamige Verfilmung ausgestrahlt wurde.


Jahrgang 1962: Diese Stars wurden im selben Jahr geboren

SĂ€nger Max Raabe: 12. Dezember 1962
Tote-Hosen-Star Campino: 22. Juni 1962
+10

Darin wird vor allem deutlich: Der nach außen hin so quietschfidele Typ hat jede Menge erlebt. Neben eigenen gesundheitlichen Problemen sind es vor allem private SchicksalsschlĂ€ge, die ihm zu schaffen machten. Angesichts seines 60. Geburtstags, den er am 15. Januar feiert, hat er im t-online-Interview ĂŒber die Hochs und Tiefs gesprochen.

t-online: Sie werden 60 Jahre alt, Herr Lichter. Denken Sie oft darĂŒber nach, wie Sie sich mal von der TV-BĂŒhne verabschieden wollen?

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Horst Lichter: Ach, ich denke nicht oft drĂŒber nach, aber da die Presse immer mal wieder fragt: "Herr Lichter, wann wollen sie aufhören ... " und ich immer wieder antworte: "Wenn ich keine Freude mehr habe", denke ich natĂŒrlich drĂŒber nach.

Dann schießen Sie mal los: Wie stellen Sie sich Ihren perfekten Abgang vor?

Ja, am liebsten mit einem schönen Fest. Und dann, wenn alle sagen: "Schade." Nicht erst dann, wenn alle sagen: "Gott sei Dank geht der Alte." Also den Zeitpunkt werde ich, glaube ich, sehr bedacht suchen mĂŒssen.

Wie wird Ihr Leben im Ruhestand aussehen? HĂ€ufige Trödelmarktbesuche, viel gutes Essen – weniger Bartpflege?

Vielleicht mache ich tatsĂ€chlich die Lehre, von der ich immer getrĂ€umt habe, und werde Möbelschreiner. Das wollte ich immer schon machen und ich finde es wunderbar, aus Holz etwas Wunderschönes und Neues entstehen zu lassen. Vielleicht baue ich dann die Tische, an denen die Menschen sitzen und ĂŒber mich spĂ€ter mal reden. Und was die Bartpflege betrifft: Vielleicht kommt er ja mal ab, man weiß es nie.

Im Ernst: Sie haben sehr viel erlebt, SchicksalsschlĂ€ge erleiden mĂŒssen, eine beachtliche Karriere hingelegt. Welches Erlebnis wĂŒrden Sie als Wendepunkt bezeichnen?

Der ganz große Wendepunkt war tatsĂ€chlich nach meinem zweiten Herzinfarkt. Mit 28 Jahren beschloss ich damals im Rehazentrum, ein anderes Leben zu leben, als das, was ich zuvor gefĂŒhrt habe. NĂ€mlich das zu tun, was ich möchte, ohne möglichst andere zu verletzen. So habe ich als Erstes meinen Laden aufgebaut, die Oldiethek. Das war der erste große Wendepunkt.

Sie sprechen von einem "ersten" Wendepunkt. Gab es etwa noch einen?

In der Tat. Der zweite große Wendepunkt war, als ich beschlossen habe, wieder aufzuhören mit meiner Oldiethek, mit diesem wunderbaren Lebensabschnitt, und mich ausschließlich um Fernsehen, Theater, BĂŒhne und Ähnliches zu kĂŒmmern, weil mich das so erfĂŒllt hat.

Sie haben im Jahr 2014 Ihre Mutter verloren. Sie wurde 75 Jahre alt.

Das war der dritte, ganz, ganz heftig prĂ€gende Wendepunkt in meinem Leben: die Verabschiedung von meiner Mutter. Als ich gemerkt habe, da geht jemand, von dem man gedacht hat, der wird uralt und dann zu wissen, ich werde nun keine Eltern mehr haben. Ich bin dann der Älteste in der Familie ...

Was hat das fĂŒr Sie verĂ€ndert?

Ich habe dann ĂŒberlegt, wie werden die Kinder nachher ĂŒber mich denken, wie werden die Enkelkinder ĂŒber mich denken. Ich musste mir bewusst werden, dass das Leben damit jeden Tag ein kleines StĂŒckchen dem Ende nĂ€her kommen kann, aber davor habe ich keine Angst mehr.

Vor dem Tod?

Ja.

Sie erzĂ€hlen das mit großer Gelassenheit. Wie stark ist bei Ihnen die Sehnsucht nach Ruhe und Abgeschiedenheit ausgeprĂ€gt?

Ruhe und Abgeschiedenheit liebe ich tatsÀchlich, auch wenn es mir gar nicht so nachgesagt wird. Aber ich kann wunderbar irgendwo Tage, Wochen, auch Monate alleine sein.

Horst Lichter und seine Frau Nada Lichter: Die beiden sind seit 2009 verheiratet.
Horst Lichter und seine Frau Nada Lichter: Die beiden sind seit 2009 verheiratet. (Quelle: IMAGO / Mary Evans)

Wer ist dabei der Ruhepol an Ihrer Seite?

Der Ruhepol ist natĂŒrlich meine Frau, die mich immer wieder runterholt, die sagt: "Mach nicht so viel, leg dich mal hin, guck mal Fernsehen, fahre zur Kur." Sie ist mein Anker.

In einem Interview mit t-online erzĂ€hlten Sie uns im vergangenen Jahr, ein Satz ĂŒber die Ehe habe Sie einst sehr beeindruckt. Ein seit 60 Jahren verheirateter Mann sagte Ihnen: "Herr Lichter, wir kommen aus einer Generation, in der noch repariert und nicht neu gekauft wurde." Wie oft mussten Sie schon fĂŒr Ihre Ehe in die Werkstatt?

Das möchte ich jetzt im gleichen Kontext anders beantworten. Wir mussten noch nie in so eine Reparatur, wir hatten noch keinen Totalschaden, Lagerschaden. Aber was wir machen, ist: regelmĂ€ĂŸig Inspektionen, nie volle Drehzahl, ab und zu auch einfach mal im Standgas laufen lassen. Und dann kann man auch wieder Gas geben.

Sie sind in dritter Ehe verheiratet: Mussten Sie sich die Reparaturfertigkeiten ĂŒber die Jahre erst zulegen?

Ja, das ist nun mal so. Das ist wie bei Fahrzeugen: Als junger Mensch kriegte man ein schnelles Motorrad. Was machte man? Man gibt alles: Vollgas, Vollgas, Vollgas. Dann ist es kaputt und man schimpft ĂŒber die Marke, ĂŒber das Motorrad und Ähnliches. Mit dem Alter lernt man erst, dass die Wartung, die Pflege sehr, sehr wichtig ist. Und das muss man mit den Jahren lernen.


Trauen Sie jĂŒngeren Generationen zu, diesen langen Atem zu haben und in ihrer Ehe auch mal zurĂŒckzustecken, um etwas Wertvolles zu erhalten? Oder denken Sie, dass diese Art der Beharrlichkeit zurĂŒckgegangen ist und heute mehr Ehen zu Bruch gehen?

Ja, das ist nicht so einfach zu beantworten. Es ist auf der einen Seite ein Segen, dass sich heute Menschen trennen können, ohne dass das Ansehen danach in der Öffentlichkeit leidet, wie frĂŒher. Zwei Generationen vor mir war die Frau geĂ€chtet, der Mann hĂ€tte weitermachen können. Eine Ungerechtigkeit und kein emanzipiertes Denken.

In der Hinsicht sind wir heute weiter?

Heutzutage kann die Frau wirklich gehen, wenn es nicht mehr funktioniert.

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Aber?

Heutzutage gehen mir tatsĂ€chlich alle zu frĂŒh. Erst ist alles sensationell, dann macht man noch zwei-, dreimal am Tag Liebe, und irgendwann, wenn das erst mal vier Wochen nicht ist, sagen alle: "Oh, da geht gar nichts mehr, ich muss dann mal weg."

Was mĂŒsste Ihrer Ansicht nach anders laufen?

Man sollte schon mehr kÀmpfen!

Sie haben selbst Kinder: Was haben Sie denen mitgegeben im Hinblick auf das FĂŒhren gesunder Beziehungen?

Ich sage meinem Sohn und meinen Töchtern immer nur eins: Das Wichtigste sollte ihre Familie sein, also der Partner und Kinder. Wenn irgendjemand die Familie von außen angreift, egal wer: Verteidige erst mal deine Familie, kĂŒmmere dich da als Erstes drum. Das ist wichtig. Ansonsten gib immer das, was du selbst gerne hĂ€ttest: Höflichkeit, Freundlichkeit, Respekt.

Erkennen Sie bei Ihren Kindern typische Eigenschaften, die Sie sich zuschreiben wĂŒrden?

Oh, das ist schwer. Ich sage immer, alles Gute kommt von mir und das Schlechte von der Frau. Nein, Spaß bei Seite. Mein Sohn ist mir schon in vielen Dingen sehr Ă€hnlich, keine Frage. Meine Tochter hat auch viele Dinge von mir, aber die spezifisch zu beschreiben, das fĂŒhrte zu weit und ist auch zu privat. Ich kann nur eins sagen: Ich liebe alle meine Kinder und sie lieben mich. Das hoffe ich zumindest, so sagen sie es mir. Und das ist doch das Wichtigste.

Welche Anekdoten werden nĂ€chste Woche bei Ihrem Geburtstag wahrscheinlich wieder ĂŒber Sie zum Besten gegeben?

Da gibt es so unendlich viele. Wie ich mit dem Laden angefangen habe, wie ich das erste Mal in meinem Leben vor der Kamera stand, wie ich die Filmpreise bekam, was ich mit Lafer alles erlebt habe. Das ist eine schöne Idee fĂŒr ein Buch. Ja, ein schönes witziges Buch, Anekdoten von Herrn Lichter, wer weiß!

Eine grĂ¶ĂŸere Feier erscheint aufgrund der aktuellen Corona-Lage eher unangebracht, oder?

Leider Gottes wird es jetzt nichts mit der geplanten, großen Feier mit fast 300 GĂ€sten auf der Liste. Wir hatten schon die Location gebucht, wir hatten schon Musik geplant, aber wir haben alles abgeblasen.

Was machen Sie stattdessen?

Ich mache was ganz VerrĂŒcktes, auf Anraten meines Schatzes: Ich gehe auf Kur und zwar ganz allein. Ja, Schrotkur, schlafen, Sauerkraut essen, naja und abnehmen. Tut mir, glaube ich, sehr gut. Und feiern tun wir dann im Sommer. Aber dann richtig groß.

Zum Abschluss mal die Hand aufs Herz: Wenn Sie eine Sache in Ihrem Leben anders machen könnten: Welche wÀre das und warum?

Ja, dazu sage ich eins: Wenn ich nicht all das gemacht hÀtte, getan hÀtte, erlebt hÀtte, wie ich es habe, wÀre ich heute nicht der, der ich bin. Und der, der ich heute bin, den mag ich.

Gar nichts schiefgelaufen?

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Ich Ă€rgere mich immer wieder drĂŒber, dass ich es manchmal nicht schaffe, nur freundlich zu sein. Das Ă€rgert mich wirklich. Und in dem Sinne, ja was soll ich sagen: Bleibt anstĂ€ndig, höflich, freundlich und respektvoll.

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