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Digitale Ablenkung – Fakten zum Unfallrisiko Handy

Von t-online, dpa, sm, jb

Aktualisiert am 06.07.2019Lesedauer: 3 Min.
Tippen einer SMS beim Fahren: Mit einem Handy am Steuer werden Gefahren spÀter oder gar zu spÀt erkannt. Der Grund: Die Reaktion ist stark verzögert.
Tippen einer SMS beim Fahren: Mit einem Handy am Steuer werden Gefahren spÀter oder gar zu spÀt erkannt. Der Grund: Die Reaktion ist stark verzögert. (Quelle: DaniloAndjus/getty-images-bilder)
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Auf dem Rad laut Musik streamen, im Auto schnell noch die Familie anrufen oder beim Überqueren der Straße eine SMS schreiben – fĂŒr viele sind Handys unverzichtbare Begleiter im Alltag. Doch die Gefahr lauert ĂŒberall. Deswegen haben im Straßenverkehr Handys nichts zu suchen.

Das Wichtigste im Überblick


  • 1. Ablenkung ist eine der Hauptunfallursachen
  • 2. Handytippen ist so gefĂ€hrlich wie betrunken zu fahren
  • 3. Autofahrer sind keine Kinderbetreuer
  • 4. Nicht nur am Steuer ist Ablenkung gefĂ€hrlich
  • 5. VerstĂ¶ĂŸe werden verstĂ€rkt kontrolliert – und sind teuer

Trotz aller Mahnungen und dramatischen Ereignisse, Handys bleiben ein unterschĂ€tztes Risiko im Straßenverkehr. So dĂŒrfen Autofahrer ihr Handy am Steuer nicht in die Hand nehmen. Um die Versuchung zu minimieren, gibt es zwei Tipps, die Sie beachten können:

  • Stellen Sie Ihr Handy vor der Fahrt aus oder stumm.
  • Verstauen Sie das an einem Platz, wie Sie es vom Steuer aus nicht erreichen können.

Das alles helfe, dem Reflex entgegenzuwirken, bei jeder Nachricht aufs Display zu blicken. Wer bei laufendem Motor ohne Freisprechanlage telefoniert oder das Handy aufnimmt, muss mit einem Bußgeld ab 100 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Das Verbot gilt sowohl fĂŒr Handys als auch fĂŒr alle elektronischen GerĂ€ten, die der Kommunikation, Information oder Organisation dienen und vom Fahrer mit der Hand aufgenommen werden. Hierunter fallen demnach auch Tablets, E-Books, NavigationsgerĂ€te und DiktiergerĂ€te.

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Auch wenn Autofahrer die GerĂ€te in einer Halterung montiert haben, gilt: Sie dĂŒrfen nur kurz darauf schauen. Und nur dann, wenn es die Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und WetterverhĂ€ltnisse erlauben. Tabu zum Beispiel: SMS lesen oder Fernsehen schauen..

FĂŒnf Dinge, die wir ĂŒber Ablenkung wissen sollten:

1. Ablenkung ist eine der Hauptunfallursachen

Ablenkung am Steuer wird als Unfallrisiko chronisch unterschĂ€tzt, sagt Heinz Albert Stumpen von der Hochschule der Polizei in MĂŒnster. Wie oft fehlende Aufmerksamkeit in Deutschland eine Rolle spielt, lĂ€sst sich aus den Statistiken nicht ablesen – anders als ĂŒberhöhte Geschwindigkeit oder Alkohol wird es nicht erfasst.

Andere europĂ€ische LĂ€nder weisen es aus: In Österreich spiele Ablenkung etwa bei jedem dritten tödlichen Unfall eine Rolle, sagt Stumpen. Internationale Studien zeigten, dass mehr als die HĂ€lfte der UnfĂ€lle damit in Zusammenhang stehen.

2. Handytippen ist so gefÀhrlich wie betrunken zu fahren

Besonders gefÀhrlich sind die digitalen Helfer am Steuer. "Elektronische GerÀte wie Navigationssysteme oder Handys wÀhrend der Fahrt bedienen, ist das GefÀhrlichste, was man am Steuer machen kann", sagt Stumpen. Das Risiko, einen Unfall zu bauen, steige um das Vierfache. Eine Nachricht beim Fahren zu lesen oder zu tippen, sei so gefÀhrlich wie mit 0,8 bis 1,0 Promille Alkohol zu fahren.

Der Grund: Man fĂ€hrt beim Blick aufs Handy im sogenannten Blindflug. Bei Stadtfahrten mit Tempo 50 bedeutet eine Sekunde auf das Handy gucken schon 14 Meter Weg blind zurĂŒcklegen. Außerorts mit Tempo 130 sind es 36 Meter – jede Sekunde. Gefahren werden spĂ€ter oder zu spĂ€t erkannt, die Reaktion ist verzögert.

3. Autofahrer sind keine Kinderbetreuer

Nicht nur das Mobiltelefon ist ein unterschĂ€tzter Ablenker. Lkw-Fahrer etwa lesen Zeitung, kochen Kaffee oder gucken Filme, wĂ€hrend sie auf den Fernstraßen unterwegs sind. "Was man da so tagtĂ€glich auf den Landstraßen und Autobahnen erlebt, ist der Wahnsinn", sagt Nadine Raabe-Goldermann aus dem Innenministerium Sachsen-Anhalt.

Doch wĂ€hrend dieses Risiko auf der Hand liegt, werden andere Gefahren vergessen. Eltern wollen, dass ihre Kinder in Sicherheit sind – aber auch, dass sie auf der Fahrt nicht unzufrieden mitfahren. FĂ€llt der Teddy oder der Nuckel in den Fußraum oder rufen sie nach Essen oder Trinken, sollten Eltern darauf verzichten, bei laufender Fahrt vom Fahrersitz einzugreifen.

4. Nicht nur am Steuer ist Ablenkung gefÀhrlich

Stumpen von der Hochschule der Polizei spricht auch die "Smombies" an: Menschen, die scheinbar mit ihrem Smartphone verwachsen mit gesenktem Blick durch InnenstĂ€dte und U-Bahnhöfe laufen oder sich mit lauter Musik ĂŒber Kopfhörer beschallen. "Immer wieder gibt es betrĂŒbliche und dramatische VorgĂ€nge, wo Menschen mit Musik in den Ohren und Blick aufs Handy vor die Straßenbahn laufen."

Raabe-Goldermann mahnt, jeder glaube immer, er habe das Geschehen dennoch im Blick, vergesse aber, dass andere Verkehrsteilnehmer genauso nachlÀssig unterwegs seien. "Man muss immer auch mit der Ablenkung der anderen rechnen", sagt sie.

5. VerstĂ¶ĂŸe werden verstĂ€rkt kontrolliert – und sind teuer

Seit Herbst 2017 mĂŒssen HandysĂŒnder am Steuer deutlich mehr Bußgeld berappen: Statt 60 Euro und einem Punkt belasten 100 Euro und ein Punkt die Geldbörse und das Verkehrskonto in Flensburg. Auch Radfahrer sind nicht von Strafe frei: Sie mĂŒssen statt 25 Euro inzwischen 55 Euro hinblĂ€ttern.

Allerdings wird die Strafe nur fĂ€llig, wenn die Polizei auch aktiv VerstĂ¶ĂŸe kontrolliert und ahndet. Zumindest in Sachsen-Anhalt ist das der Fall: Wurden im Jahr 2015 noch knapp 5.200 FĂ€lle sanktioniert, waren es voriges Jahr bereits 6.000. Tendenz steigend: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es schon fast 4.300. Die VerstĂ¶ĂŸe erfasst jedes Land separat.

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