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Reduziert aber komplett: Ein Urban Bike mit allem dran

Von dpa
16.05.2022Lesedauer: 5 Min.
Das Single-Speed-Bike kommt ohne viel Firlefanz aus - bis auf die auffÀllig lackierten Bremskomponenten, die nur an der limitierten Erstauflage montiert sind.
Das Single-Speed-Bike kommt ohne viel Firlefanz aus - bis auf die auffĂ€llig lackierten Bremskomponenten, die nur an der limitierten Erstauflage montiert sind. (Quelle: Stefan Weißenborn/dpa-tmn./dpa)
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Berlin (dpa/tmn) - Urban Bikes - darunter verstehen Fahrradfans Modelle, die vor allem schick sind, schick im Sinne des Verzichts. Schutzbleche und StÀnder, GepÀcktrÀger und Beleuchtung - all das fehlt. Ausstattung am Bike, das gilt als Ballast, der nur die Optik stört. Alles, was den glatten Look stört, gilt als uncool.

Doch wenn Reflektoren fehlen, keine Klingel vorhanden ist und der Radler keine Beleuchtung zum Anklipsen mitfĂŒhrt, ist das schlecht. Dann verstĂ¶ĂŸt so ein Fahrrad gegen die Bestimmungen der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), die diese Bauteile fĂŒr den Betrieb auf der Straße dann vorschreibt. Das Bußgeld hĂ€lt sich mit 20 Euro zwar in Grenzen, doch im Dunkeln umher zu radeln, birgt ein erhöhtes Unfallrisiko.

Urban Bikes sind oft als Pedelecs ausgelegt - ein E-Motor unterstĂŒtzt beim Treten. Bei den elektronischen Bauteilen klappt der Tarnlook schon gut: Batterien kommen von außen unsichtbar im Rahmenrohr unter, der Motor ist in der Hinterradnabe untergebracht. Das ist viel unauffĂ€lliger als ein Mittelmotor. Versuche, auch die Beleuchtung zu integrieren, gab es schon. Doch sie auf kleinstem Raum StVZO-konform hinzubekommen, war lange ein Problem. Beim getesteten Modell Sneak+ vom Hersteller Rose scheint es dank eines Zulieferers gelöst.

Der Einsatzzweck:Durch die Stadt zu Radeln bedeutet in vielen FĂ€llen, Pedale tretend zur ArbeitsstĂ€tte zur kommen. FĂŒr diesen Zweck ist auch das Sneak+ gedacht, mit dem Großstadtbewohner ihr Ziel erreichen sollen, ohne dabei groß ins Schwitzen zu geraten.

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"Minimales Design, maximaler Einsatzzweck" war dabei ein Entwicklungsziel, sagt Anatol Sostmann von Rose Bikes. Bei der Gestaltung des Fahrrads nimmt man dem Leiter Produkt beim Bocholter VersandhÀndler den Anspruch ab. Doch dass ein Singlespeed-Fahrrad ein Alleskönner ist, darf bezweifelt werden. Allein der fehlende GepÀcktrÀger schrÀnkt zum Beispiel beim Einkauf ein.

Neben dem Design, verfeinert durch verspachtelte SchweißnĂ€hte am Alu-Rahmen und innen verlegten ZĂŒgen, war auch geringes Gewicht eine wichtige Vorgabe. Statt es Witterung und Dieben auszusetzen, könne man das "Next Gen Urban Statement Bike", wie Rose es tatsĂ€chlich tituliert, gut in den Keller oder auch mal den vierten Stock tragen.

14,6 Kilo in GrĂ¶ĂŸe M bringt das Sneak+ auf die Waage, das ist wenig fĂŒr ein E-Bike. Gut so: Denn zur Steckdose muss man es ebenfalls befördern, da der Akku fest verbaut ist.

Die Technik:Auch das Sneak+ ist ein Pedelec im Tarnlook - die Antriebsbatterie im Unterrohr, der Motor an der Hecknabe. Nur ein Ritzelpaket könnte ihn besser verhĂŒllen. Aber das Fahrrad hat als Singlespeed ja keine Schaltung und nur einen Gang. Der Akku hat eine KapazitĂ€t von 250 Wattstunden und soll laut Hersteller fĂŒr bis zu 100 Kilometer Reichweite genĂŒgen.

Der bis Tempo 25 beim Treten unterstĂŒtzende Motor von Mahle stemmt 40 Newtonmeter auf die Achse und wiegt 3,5 Kilo. Die muskulĂ€re KraftĂŒbertragung von der Kurbel zur Nabe wird herkömmlich von einer Kette bewerkstelligt. Zu den Clous im Sinne des Minimalismus zĂ€hlt die Bedieneinheit des Sneak+. Zum Mahle "X35 smartbike system" gehört ein im Oberrohr eingelassener Bedienknopf mit LED-Kranz. Über diesen "iWoc One"-Button wird das Bike zum Leben erweckt, auch die drei UnterstĂŒtzungsstufen lassen sich ĂŒber ihn anwĂ€hlen.

Ausstattung, Zubehör, Peripherie:Reflektoren wie an FahrrĂ€dern vorgeschrieben sind im Lieferumfang enthalten, auch das LadegerĂ€t. Aber zur erwĂ€hnten Lichtanlage: Rose Bikes greift ins Regal des Zulieferers Lightskin. Der hat ein Beleuchtungssystem fĂŒr Lenker und SattelstĂŒtze entwickelt, das den Anforderungen der StVZO genĂŒgt und PrĂŒfnummern vom zustĂ€ndigen Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erteilt bekommen hat.

Lightskin schreibt, die 13 mal 18,5 Millimeter messende Lenkerlinse sei die weltweit kleinste Linse, welche die fĂŒr eine StVZO-Zulassung nötige Hell-dunkel-Grenze einhalte. Die LeuchtstĂ€rke liegt bei 150 Lumen. In der SattelstĂŒtze stecken fĂŒnf weitere, rot abstrahlende LED, von denen drei im Sattelrohr versenkt werden können, um die EinschrĂ€nkung bei der Sitzhöheneinstellung gering zu halten. Die Lichtanlage wird beim Sneak+ vom Antriebsakku gespeist.

Selbst die Klingel, Modell Oi vom Hersteller Knog, fÀllt kaum auf: Sie ist eine ringförmige Schelle, Ton in Ton mit dem Lenker.

Der ganze Anspruch an die UnauffĂ€lligkeit hat aber auch eine Schattenseite: Bei der FunktionalitĂ€t gibt’s Abstriche, weil ein Display fehlt. Wer unterwegs Angaben unter anderem zu Batteriezustand, Drehmoment, Reichweite und Geschwindigkeit ablesen möchte, muss die kostenlose "Mahle ebikemotion"-App aufs Handy laden und dieses mit einer optionalen Halterung am Lenker befestigen.

Der Fahreindruck:Das Sneak+ lĂ€sst sich gut dirigieren und lenkt sich angenehm direkt, was auch der steifen Carbongabel zu verdanken ist. Die Sitzposition ist leicht gebĂŒckt, also sportlich angehaucht. Der Fahrkomfort hĂ€lt sich in Grenzen, was auf Asphalt weniger auffĂ€llt als auf Kopfsteinpflaster. Zum GlĂŒck lĂ€sst sich dank der großvolumigen 47-Millimeter-Reifen mit dem Luftdruck spielen - je nachdem wie deutlich der DĂ€mpfungseffekt ausfallen soll.

Dass dem Bike eine Schaltung fehlt, zĂ€hlt zum besagten Statement. So lange es nicht zu steil wird, kommt man damit gut klar. Der Motor steuert bei, was man bei Steigungen an Beinkraft in die Pedale zusĂ€tzlich einbringen mĂŒsste, um ausbleibende Gangwechsel zu kompensieren. Doch irgendwann ist man selbst im dritten UnterstĂŒtzungsmodus in den Wiegetritt gezwungen, um in Fahrt zu bleiben.

Im Auslieferungszustand fĂŒhlt sich die KraftunterstĂŒtzung bei langsamerer Fahrt um die 10 bis 15 km/h nur im ersten UnterstĂŒtzungsmodus natĂŒrlich an. In den beiden krĂ€ftigeren Stufen ist der Anteil des Motorsupports dann eher heftig und relativiert sich erst, wenn man schneller fĂ€hrt. Aber wem das nicht gefĂ€llt, kann die Charakteristik der einzelnen UnterstĂŒtzungsstufen ĂŒber die App verĂ€ndern. Bei ausgeschaltetem Motor fĂ€hrt sich das Bike erfreulich normal.

Der "iWoc One"-Knopf ist in der Bedienung gewöhnungsbedĂŒrftig. Seine Funktionen erschließen sich nicht intuitiv: Einmal kurz drĂŒcken, und das Bike ist angeschaltet, die LED leuchtet. Einmal lĂ€nger drĂŒcken, und sie erlischt, dann ist der Antrieb aus. Doch dazwischen wird es komplizierter. Die UnterstĂŒtzungsstufen wĂ€hlt man je durch doppeltes DrĂŒcken an, wobei der Ring erst grĂŒn fĂŒr die schwĂ€chste Stufe, dann orange fĂŒr die mittlere oder letztlich rot fĂŒr die stĂ€rkste Stufe blinkt.

Nach dem Moduswechsel Ă€ndert der Ring jeweils wieder die Farbe in konstant Weiß, GrĂŒn, Orange oder Rot oder beginnt, rot zu blinken - je nach Ladezustand in gewissen Prozentanteilen, die man dem Handbuch entnehmen kann und sich erstmal merken mĂŒsste.

Unterwegs kann da bei all dem Blinken und Farbwechseln schon mal Verwirrung eintreten - zumal auch das Licht zum Ein- und Ausschalten einen Code erfordert: einmal kurz drĂŒcken - der Ring blinkt - dann einmal lang drĂŒcken. Ein Vorteil: Hat man den Abstrahlwinkel des Frontlichts korrekt eingestellt, verstellt es sich nicht mehr. Es sitzt so fest wie der Lenker am Vorbau.

Der Preis:Das Sneak+ wird in drei GrĂ¶ĂŸen und den Rahmenfarben Schwarz und Weiß angeboten. Es kostet 2349 Euro inklusive Versand innerhalb Deutschlands. Damit liegt es auf dem Niveau der Konkurrenz wie von VanMoof, Cowboy oder Ampler. Wer 150 Euro mehr zahlt, bekommt die EQ-AusfĂŒhrung mit Schutzblechen und Riemenantrieb.

Das Fazit:Unterwegs in der Stadt, von A nach B, ist das Sneak+ ein stylisher Begleiter mit angemessenem Preis-Leistungs-VerhÀltnis, der allerdings kein GepÀck an Bord nehmen kann. Wer Integration am Stadtrad liebt, wird vor allem an der unauffÀlligen Lichtanlage Gefallen finden. Ein Plus an Alltagstauglichkeit bietet die EQ-Version mit Schutzblechen. Dann aber leidet der Minimalismus.

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