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TV-Sender ohne Plan: Einschaltquoten fallen eine Woche aus


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TV-Sender im Quoten-Blindflug

dpa, t-online, str

Aktualisiert am 16.01.2018Lesedauer: 3 Min.
Eine Familie sitzt vor dem Fernseher
Fernsehnachmittag mit der Familie: Die Geräte, mit denen die Fernsehforschung GfK Einschaltquoten ermittelt, haben offenbar einen Defekt. (Quelle: LG/Hersteller-bilder)
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Seit Donnerstagabend erhalten die Fernsehsender aufgrund technischer Probleme keine Einschaltquoten mehr. Die Zahlen haben große Bedeutung für Sender und Sendungen. Dafür bleiben sie aber erstaunlich gelassen.

Die Einschaltquoten sind das Maß aller Dinge im deutschen Fernsehen. Sie entscheiden darüber, welche Sendung erfolgreich oder ein Reinfall ist oder wie teuer die Werbespots zu welchen Uhrzeiten sind. Doch seit Donnerstagabend ist der Abruf dieser Daten dauerhaft gestört.

Die Quoten wurden laut der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) in Frankfurt zwar in den rund 5000 Testhaushalten der GfK-Fernsehforschung gemessen und gespeichert, aber die Übermittlung klappt nicht. Eine reibungslose Datenübertragung sei vor Freitag nicht wahrscheinlich, heißt es.

Betroffen von den derzeitigen Problemen sind die sogenannten "TC-Score"-Messgeräte. Mit ihnen wird die Live-Nutzung der verschiedenen Empfangswege sowie das zeitversetzte Sehen über Video-, Festplatten oder DVD-Recorder dokumentiert.

Die Messmethode gilt unter Kritikern als veraltet

Die Daten zur Fernsehnutzung ermittelt die GfK-Fernsehforschung in Nürnberg. Sie hat ihre Messgeräte in rund 5000 deutschen Haushalten mit insgesamt rund 10.000 Personen stehen.

Die Messmethode steht schon lange in der Kritik. Es wird bezweifelt, wie aussagekräftig die hochgerechneten Ergebnisse tatsächlich sind. Schließlich handelt es sich um eine vergleichsweise kleine Stichprobe, die zudem keinen Querschnitt der Bevölkerung darstellt. Die Test-Haushalte beteiligen sich freiwillig an der Erhebung. Ihr Fernsehkonsum könnte sich deutlich von dem des Durchschnitts-Deutschen unterscheiden.

Allerdings fehlt es an einer vernünftigen Alternative, deshalb gelten die GfK-Zahlen nach wie vor als der Maßstab, nach dem im deutschen Fernsehen Sieger gekürt werden.

Das Erste bezeichnet Quotenpause als "misslich"

Für die Sender ist die Technik-Panne ärgerlich. Schließlich finanzieren sie die tägliche Ermittlung der Einschaltquoten aus ihren eigenen Kassen mit. Seit Beginn der Probleme gab es für einige möglicherweise viel gesehene Sendungen, wie den ARD "Tatort" oder das Bundesliga-Match Bayer Leverkusen gegen Bayern München, keine Quoten.

"Natürlich ist es misslich, wenn wir keine Quoten haben, zumal ja gerade die Handball-EM im Vorabendprogramm gezeigt wird", teilte eine Sprecherin der ARD-Programmdirektion in München auf Anfrage mit. "Das Preisraster kann also hier nicht bewertet werden."

Die Preise für Werbespots werden nach dem Zuschauerzuspruch bemessen. Am Montag zeigte das Erste, das vor 20 Uhr Werbung ausstrahlen darf, das Handball-EM-Spiel Deutschland gegen Slowenien, das nach einer dramatischen Schlussphase 25:25 endete und viele Zuschauer gehabt haben dürfte. Doch nichts genaues weiß man nicht. Für das "Regelprogramm" im Ersten habe der Quotenausfall zumindest keine Auswirkung, hieß es.

Die anderen Sender reagieren entspannt

Die anderen großen TV-Sender und ihre Werbezeitenvermarkter haben noch alles Griff. "Wir können derzeit keine andere Bewertung der Situation vornehmen als die AGF und hoffen, dass die eingeleiteten Maßnahmen den erwarteten Erfolg erbringen", teilte eine Sprecherin der ProSiebenSat.1-Sendergruppe mit.

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"Wir sind noch entspannt", sagte eine Sprecherin des RTL-Werbezeitenvermarkters IP Deutschland. "Wenn sich an der angekündigten Ausfallzeit bis zum Ende der Woche nichts ändert und die Messdaten nachträglich in die Systeme einfließen, bleiben wir zuversichtlich."

Am Freitagabend startet bei RTL das diesjährige Dschungelcamp, ein regelmäßiger Quotenkracher im deutschen Fernsehen.

Auch das ZDF gab erstmal Entwarnung: Die Werbepreise würden jährlich zum 1. August für das Folgejahr veröffentlicht, sagte ein Sprecher. "Eine unterjährige Preisanpassung im Standardprogramm nehmen wir nicht vor. Anders als bei einem Sendeausfall hat der Ausfall der GfK-Messung keinen Einfluss auf die Werbepreise des ZDF."

Quellen:

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