Sie sind hier: Home > Digital > Elektronik >

CES 2020: Mercedes "Avatar" – Ein spektakuläres Armutszeugnis

MEINUNGE-Mobilität  

Mercedes' Zukunftsauto: ein spektakuläres Armutszeugnis

Von Jan Mölleken

08.01.2020, 13:39 Uhr
Daimler meets Avatar: Mercedes präsentierte Auto der Zukunft

Mit großem Aufwand rückt der Autobauer Daimler bei der Technik-Messe CES das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus. Der Vorstandschef präsentierte am Montag in Las Vegas ein futuristisches Konzeptfahrzeug. (Quelle: dpa)

Daimler meets Avatar: Das kann Mercedes' Auto der Zukunft. (Quelle: dpa)


Mercedes verursacht mit seinem Konzeptfahrzeug Vision AVTR großes Aufsehen auf der CES. Dabei täuscht der hollywoodreife Zukunftsrenner über ein Problem der Gegenwart hinweg.

Ich bin ein bekennender Fan von Science-Fiction. Und schätze die Arbeit von James Cameron sehr. Ich müsste eigentlich begeistert davon sein, dass Mercedes gemeinsam mit dem Produktionsstudio von Camerons Kinomärchen Avatar ein absolut verrücktes Auto entwickelt hat.

Das Ergebnis, das Mercedes nun auf der CES präsentiert hat, ist in jeder Hinsicht spektakulär: Es sieht aus wie eine Kreuzung aus Silberpfeil und Roboter-Rochen, das Steuerelement spürt Atmung und Puls des Fahrers, die Sitze sind mit veganem Leder überzogen, die Inneneinrichtung aus schnell nachwachsendem Holz, die Batterie bestehe aus komplett kompostierbaren Materialien und komme ohne seltene Erden aus.

Von vorne bis hinten ausgedacht

Klingt fantastisch? Ist es leider auch: von vorne bis hinten ausgedacht. Das Steuerelement funktioniert nicht wirklich, die kompostierbare Batterie existiert nur in den Köpfen der Designer. Man wolle damit ein Zeichen für "nachhaltige Mobilität" setzen, erklärte Daimler-Boss Ola Källenius bei der Vorstellung.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Kaum einer hat E-Mobilität so gründlich verschlafen wie Daimler. Erst seit wenigen Monaten gibt es mit dem EQC ein erstes rein elektrisches Auto mit Mercedes-Stern zu kaufen. Und wie die "Welt" berichtet, ist das so unbeliebt, dass laut Kraftfahrt-Bundesamt in Deutschland in diesem November gerade einmal 55 davon zugelassen wurden. "Nachhaltige Mobilität" kann bei Daimler noch nicht allzu lange im Unternehmensfokus stehen.

Jetzt also auf die CES zu kommen, inmitten einer tobenden Klima- und Nachhaltigkeitsdebatte, und als Antwort mit viel Spektakel einen von Hollywood ausgedachten Öko-Renner zu präsentieren, ist ein billiger Zaubertrick, um über die Versäumnisse hinwegzutäuschen – und für Daimler ein Armutszeugnis.

Ohne Frage: Das Konzeptauto sieht toll aus und die gezeigten Ideen sind spannende Zukunftsvisionen. Doch das allein reicht eben nicht. Was wir jetzt brauchen ist ein ernst gemeintes Ringen um echte Lösungen – und nicht bloß Science-Fiction.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

Ihre Meinung zählt!

Wir freuen uns auf angeregte und faire Diskussionen zu diesem Artikel.
Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Live-Diskussion öffnen (0 Kommentare)

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal