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Das steckt hinter dem neuen Wi-Fi 6

Von dpa
10.12.2020Lesedauer: 3 Min.
Gut verbunden: Wi-Fi 6 wird zukĂŒnftig vor allem die Effizienz auf der Datenautobahn erhöhen.
Gut verbunden: Wi-Fi 6 wird zukĂŒnftig vor allem die Effizienz auf der Datenautobahn erhöhen. (Quelle: Catherine Waibel/dpa)
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Köln (dpa/tmn) - Die Zahl der drahtlos mit dem Internet verbundenen GerÀte steigt stetig. Laptops, PCs, Fernseher, Tablets und Smartphones stehen hier an erster Stelle.

Aber auch Smart-Home-GerÀte von der vernetzten Leuchte bis zum schlauen HaushaltsgerÀt hÀngen daheim im WLAN. Da kann der Router schon einmal an seine Grenzen kommen: Streams ruckeln, Webseiten öffnen sich nur langsam.

Verbesserungen verspricht der neue WLAN-Standard Wi-Fi 6 (ax-WLAN). "Hier kommt eine Technik zum Einsatz, die auf das sperrige KĂŒrzel OFDMA hört, womit die gesamte Bandbreite deutlich effizienter genutzt werden kann", erklĂ€rt Ernst Ahlers vom Fachmagazin "c't".

WÀhrend bei den bisherigen WLAN-Standards, also auch beim derzeit noch aktuellen VorgÀnger Wi-Fi 5 (ac-WLAN), der Router quasi alle seine "Jobs" nacheinander abarbeitet, kann Wi-Fi 6 mehrere Teilnehmer gleichzeitig bedienen. "Stellt man sich die Luftschnittstelle des Netzwerks als mehrspurige Autobahn vor, können die GerÀte mit Wi-Fi 6 jeweils eigene Fahrspuren nutzen", erklÀrt es Olaf Hagemann vom US-Netzwerktechnik-Spezialisten Extreme Networks.

Der Datenstau hat eine Ende

Bei Wi-Fi 6 laufe der Verkehr auf der Datenautobahn also stets flĂŒssig, wohingegen bei vorherigen WLAN-Versionen schon mal ein Stau entstanden sei - weil es eben nur eine Fahrspur gab. Deutliche GeschwindigkeitszuwĂ€chse seien hingegen von Wi-Fi 6 zunĂ€chst nicht zu erwarten, meint Ernst Ahlers. "Unter wirklich optimalen Bedingungen schafft der neue Standard 1 Gigabit pro Sekunde (GBit/s), dazu aber mĂŒssen alle Komponenten mit dem neuesten Standard arbeiten und es darf auch kein weiterer User auf das Netz zugreifen."

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Ein weiteres Plus von Wi-Fi 6 ist das verbesserte Sicherheitsniveau. "Zum Einsatz bei der VerschlĂŒsselung der Funkverbindung kommt hier WPA3. Dabei wird der gleichbleibende WLAN-SchlĂŒssel dazu verwendet, einen temporĂ€ren SchlĂŒssel fĂŒr eine aktuelle Verbindung auszutauschen", erklĂ€rt Prof. Peter Richert von der Fachhochschule MĂŒnster. Dieses Verfahren mache es deutlich schwieriger, die VerschlĂŒsselung zu knacken.

Gleichwohl hĂ€lt Richert den Einsatz von Wi-Fi 6 im privaten Gebrauch noch fĂŒr verfrĂŒht. "Profitieren kann davon aktuell vor allem die Industrie, etwa in Fertigungsketten, wo viele Maschinen drahtlos gesteuert werden. FĂŒr Privathaushalte ist es eher noch ein "Nice-to-have"."

Gezielt aufrĂŒsten ist noch nicht nötig

Deshalb rÀt Ernst Ahlers Verbraucherinnen und Verbrauchern auch noch davon ab, bereits jetzt gezielt in neue GerÀte zu investieren. "Wer heute eine gut funktionierende Installation des VorgÀngers Wi-Fi 5 hat, kann sich mit dem Austausch Zeit lassen." Der Experte rechnet damit, dass Wi-Fi 6 erst 2022 seine volle Wirkung entfalten kann.

Denn derzeit plant die Bundesnetzagentur, im zweiten Quartal 2021 einen zusĂ€tzlichen Frequenzbereich fĂŒr WLAN bereitzustellen, nĂ€mlich den Bereich um 6 Gigahertz (GHz) herum. "Das heißt, das gesamte WLAN-Spektrum wird ausgebaut, was also fĂŒr mehr KanĂ€le und eine Entzerrung insgesamt sorgen wird", erklĂ€rt Ahlers.

Das 6-GHz-WLAN wird auch als Wi-Fi 6E bezeichnet. Zwar wird dieser wie gewohnt abwĂ€rtskompatibel sein. Alle Vorteile dĂŒrften aber nur mit neueren, sogenannten Tri-Band-GerĂ€ten nutzbar sein, die neben dem neuen auch die bisherigen WLAN-Frequenzbereiche 2,4 und 5 GHz beherrschen. Unterm Strich also noch ein Grund mehr, mit Neuanschaffungen zu warten.

Aktuell sehen Experten den neuen Standard vor allem als sinnvoll fĂŒr Campusnetze an. Das sind geschlossene Funknetze, in denen Firmen, Institutionen oder auch Veranstaltungszentren viele Nutzer gleichzeitig einbinden wollen. "Hier kann Wi-Fi 6 die Effizienz maßgeblich erhöhen und auch zu einem verbesserten Nutzererlebnis fĂŒhren", erklĂ€rt Olaf Hagemann.

Viele viele GerÀte gleichzeitig

"Wi-Fi 6 zielt auf sogenannte High-Densitiy-Szenarien ab, also Situationen, in denen sehr viele GerĂ€te an einem Ort gleichzeitig eine Verbindung aufbauen wollen", sagt auch Max Pohl vom WLAN-Dienstleister Socialwave. Daher sei Wi-Fi 6 vor allem erst einmal ein Gewinn fĂŒr Netze in Fabriken, Hotels oder bei Events.

Gleichwohl ist Pohl ĂŒberzeugt, dass der neue Standard frĂŒher oder spĂ€ter auch bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt. Aktuelle Smartphones wie die neuesten iPhones unterstĂŒtzen Wi-Fi 6 bereits, positiv bemerkbar machen wĂŒrde sich das bei den Nutzerinnen und Nutzern aber noch nicht, meint Pohl.

Nachteile mĂŒssen sie umgekehrt aber auch nicht befĂŒrchten: "Da Wi-Fi 6 rĂŒckwĂ€rtskompatibel ist, können auch GerĂ€te, die bisher im Einsatz waren und einen der vorherigen Standards unterstĂŒtzten, weiterhin im Netzwerk eingebunden und betrieben werden", erklĂ€rt Olaf Hagemann. "Allerdings kommen die wesentlichen Vorteile von Wi-Fi 6 nicht zum Tragen."

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