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Enthüllungsplattform "Medileaks": Ermittlungen wegen Datenlecks in Hunderten Krankenhäusern


Hunderte Krankenhäuser von Aktivisten ausgespäht

Larissa Koch, Laura Stresing, t-online.de | dpa

Aktualisiert am 30.04.2018Lesedauer: 3 Min.
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Pflegekraft blättert in einer Patientenakte: Die Plattform "Medileaks" sammelt und analysiert sensible Daten aus Krankenhäusern.
Pflegekraft blättert in einer Patientenakte: Sensible Daten aus mehr als 300 deutschen Krankenhäusern sollen in den Händen der Aktivisten der Plattform "Medileaks" gelandet sein. (Quelle: Sven Hoppe/dpa-bilder)
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Sensible Daten aus Hunderten Krankenhäusern sind an die Internetplattform "Medileaks" weitergegeben worden. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt.

Über 300 Krankenhäuser sind von Aktivisten der Enthüllungsplattform "medileaks.cc" ausgespäht worden. Dabei wurden sensible Daten über Patienten und Mitarbeiter illegal kopiert und weitergegeben. Der Krankenhauszweckverband Rheinland e. V. wurde anonym über den Datenklau informiert. Bei dem Verein handelt es sich um die Interessenvertretung von 164 Kliniken, mit Schwerpunkt im Rheinland. Zunächst war von einem Hackerangriff ausgegangen worden.

Inzwischen ermittelt jedoch die Staatsanwaltschaft Köln gegen einen Mitarbeiter des Krankenhauszwecksverbands. Wie der Sprecher des Verbands Thorsten Rössing t-online.de sagte, sei der verdächtige Mitarbeiter inzwischen fristlos gekündigt worden. Der Verband habe unabhängige Wirtschaftsprüfer mit der Prüfung des Falls beauftragt. Ein Gutachten habe eindeutige Indizien gebracht, die den Angestellten belasten.

Auch gegen die Enthüllungsplattform Medileaks würden bereits rechtliche Schritte geprüft, um die Veröffentlichung der sensiblen Daten mit allen Mitteln zu verhindern. Der Landesdatenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz sei ebenfalls informiert worden, so Rössing.

Alter, Geschlecht und Postleitzahlen

Die Plattform "medileaks.cc" verfügt nach eigenen Angaben über etwa ein Drittel aller Patientendaten der vergangenen zehn Jahre in Deutschland. Erfasst würden Diagnosen, Operationen, Alter, Geschlecht und Postleitzahlen von Patienten.

Der Krankenhauszweckverband hingegen erklärt in einem Rundschreiben an seine Mitgliedskliniken, dass es sich nicht um Patientendaten handele. Der Mitarbeiter habe sich jedoch nicht dazu geäußert, welche Daten welcher Kliniken herausgegeben wurden, erklärt der Zweckverband.

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Der Betreiber der Website "medileaks.cc", verfügt zudem nach eigenen Angaben über erweiterte Daten zu Finanzen, Personal, Fluktuation und Ausfallzeiten von über 300 Krankenhäusern. "Medileaks.cc" veröffentlicht seine Informationen anonym. Nach Angaben des Krankenhauszweckverbands gebe der Betreiber siene Indentität nicht preis und habe sich über eine Internetdomain auf den Kokosinseln registriert. Die Inselgruppen liegt im Indischen Ozean und gehört zu Australien.

Gesundheitspolitiker Lauterbach spricht von "unhaltbaren Zuständen"

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte t-online.de: „Es handelt sich um hochsensible Daten, wie Sterberaten. Und wenn die abgefangen worden sind, über Datendiebstahl, dann enthalten diese Daten auch die Echtnamen der Patienten. Das ist sehr gravierend.“

Der Gesundheitsexperte monierte erhebliche Sicherheitsmängel im Umgang mit Patientendaten: „Wir haben völlig veraltete Sicherheitsstrukturen in Kliniken und mangelhafte Sicherheitssysteme." Den Krankenhäusern fehle hierfür sowohl das Personal als auch die Gelder, kritisiert Lauterbach. „Zahlreiche Krankenhäuser sind bereits von Hackern erpresst worden, die sich in den Datenschatz eingeloggt haben. Das ist einer der Gründe, weshalb ich immer sage, dass diese sensiblen Krankenhausdaten zu wenig geschützt werden.“

Die Bundesländer seien in der Pflicht, stärker in die IT-Sicherheit der Kliniken zu investieren, ergänzt Lauterbach und nennt ein Beispiel für die "unhaltbaren Zustände": „Viele Bundestagsabgeordnete, die sich in großen Kliniken behandeln lassen, werden dort unter einem falschen Namen eingecheckt. Denn es wird davon ausgegangen, dass auch die Krankenhausmitarbeiter mit Zugriff auf diese Daten ein Sicherheitsrisiko darstellen und es wird ein Missbrauch befürchtet. Das sind unhaltbare Zustände.“

Manche Kliniken haben sehr hohe Sterberaten

Die Enthüllungsplattform "medileaks.cc" kritisiert auf seiner Internetseite einen wachsenden Kostendruck und Personalmangel der Kliniken. Zudem gebe es große qualitatitve Unterschiede. So sei die Sterberate in Krankenhäusern sehr unterschiedlich hoch.

Lauterbach bestätigte t-online.de gegenüber das Problem: „Dass es große Unterschiede bei den Komplikations- und Sterberaten gibt, wissen wir bereits seit langem. Es ist tatsächlich so, dass sich bei vergleichbaren Krankenhäusern und ähnlichen Patienten die Sterberaten sehr unterscheiden. In manchen Kliniken liegt diese um das Zwei- bis Fünffache höher als in vergleichbaren Häusern.“

Das liege jedoch keineswegs nur am Kostendruck und der Personalknappheit in Krankenhäusern, sondern auch oft schlicht daran, dass nicht überall gleich gute Ärzte und Managerteams arbeiteten, erklärt der SPD-Politiker. Es sei eine "gefährliche Illusion", dass die Behandlung in jedem Krankenhaus ähnlich gut sei.

Medileaks ist seit Anfang 2018 aktiv

In ihrer Eigendarstellung betreibt die Plattform Medileaks "Datenanalyse für ein gerechteres Gesundheitssystem". Ziel sei es, "die Wahrheit über deutsche Krankenhäuser" ans Licht zu bringen. Seit Beginn des Jahres wurden auf der Webseite zahlreiche Berichte über vermeintliche Missstände im Gesundheitssystem veröffentlicht, zum Beispiel zu Fehlzeiten und Personalfluktuation in den Krankenhäusern, Arztgehältern sowie Statistiken zu Sterblichkeit und Komplikationen bei verschiedenen Operationen. Analysiert wurden auch Daten aus Pflegeeinrichtungen.

Medileaks versichert, keine Patientendaten oder Krankenhausdaten zu veröffentlichen oder an Journalisten weiterzugeben. Die Daten der Krankenhäuser seien "sicher". "Was nicht sicher ist, ist die Politik vieler Krankenhäuser und Ketten, die Wirtschaftlichkeit über Patientenwohl zu stellen", schreiben die Aktivisten in dem Blog.

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Verwendete Quellen
  • Krankenhauszweckverband Rheinland e. V.
  • dpa
  • Medileaks
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