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Gefilmt und abgehört: Wie Geräte im Haushalt zu Spionen werden

Smarte Lautsprecher und Teddybären  

Wenn Hacker auch im Kinderzimmer zusehen

10.12.2019, 13:40 Uhr | dpa

Gefilmt und abgehört: Wie Geräte im Haushalt zu Spionen werden. Ahmad-Reza Sadeghi vom Institut Cybersecurity der TU Darmstadt: Der Forscher untersucht, wie viele Daten Sprachassistenten und Co. tatsächlich aufzeichnen. (Quelle: dpa/Claus Völker)

Ahmad-Reza Sadeghi vom Institut Cybersecurity der TU Darmstadt: Der Forscher untersucht, wie viele Daten Sprachassistenten und Co. tatsächlich aufzeichnen. (Quelle: Claus Völker/dpa)

Der Staubsauger kennt den Grundriss der Wohnung und der Teddybär hat eine Kamera verbaut. Das eigene Zuhause wird zunehmend digital. Doch das öffnet auch Hackern Einblicke in Schlaf- und Kinderzimmer.

Immer mehr Geräte im Haushalt haben Mikrofone oder Kameras, sind vernetzt und so auch potenzielle Angriffsziele für Hacker. Wer Zugriff auf die jeweiligen Server bekommt, kann mithören oder sich anschauen, was in den Wohnungen anderer passiert. Worüber getratscht und gezankt wird, oder wie die PIN-Nummer der Kreditkarte lautet, sollte diese in einem Gespräch erwähnt werden.

Überwachung durch den Staat möglich

In Deutschland garantiert Artikel 13 des Grundgesetzes die Unverletzlichkeit der Wohnung zum Schutz der Privatsphäre vor staatlichen Eingriffen. Bei ausreichender Digitalisierung ihrer Bürger könnten totalitäre Regime die Technik aber auch zur Überwachung nutzen, sind sich Forscher der Technischen Universität (TU) Darmstadt sicher. "Wenn eine Regierung daran interessiert ist, braucht sie keine Wanzen mehr", sagt Professor Ahmad-Reza Sadeghi vom Institut Cybersecurity. George Orwell würde seinen Roman "1984" über einen totalitären Überwachungsstaat heute anders schreiben.

Längst geht es bei den Sicherheitslücken nicht mehr nur um Rechner, Laptops oder Smartphones. Auch Saugroboter, Überwachungskameras, Sprachassistenten oder Kinderspielzeug können für ein gläsernes Eigenheim sorgen. Der hilfreiche Staubentferner erstellt beim Saugen einen Grundriss der Wohnung, Sprachassistenten nehmen mehr auf, als sie sollen. Kombiniert mit Wecker und Kamera könnten sie auch Einblicke ins Schlafzimmer gewähren. Überwachungssysteme filmen nicht nur Ganoven, sondern spionieren im Zweifelsfall auch die Wohnung aus.

Häufig Probleme bei kleinen Firmen

"Wie können wir verhindern, dass die Geräte mehr aufnehmen als sie sollen?", fragt sich Sadeghis Team. Die Wissenschaftler haben mit einer eigens entwickelten Platine festgestellt, wie viele Geräte in einem Netzwerk unerwünscht Daten nach außen schicken. "Bei den meisten steckt keine böse Intention dahinter", sagt Sadeghis Mitarbeiter Markus Miettinen.

Entdecken die Wissenschaftler Schwachstellen, melden sie diese. "Probleme gibt es eher mit den kleinen Herstellern, die nicht so viel Erfahrung haben." In der Regel würden die Firmen die Fehler beheben, nur der chinesische Hersteller eines Saugroboters habe erst mal mit Anwälten gedroht, nachdem das Team bei der Recherche auf zahlreiche Wohnungsgrundrisse gestoßen sei. Mittlerweile sei auch dort die Kommunikation des App-gesteuerten Roboters umgestellt worden.

Überwachung auch im Kinderzimmer möglich

Nach Angaben des TÜV-Verbands in Berlin werden jährlich mehrere Milliarden Euro mit smarten Geräten weltweit umgesetzt. Auch an Weihnachten dürften diese Geräte massenhaft als Geschenke auf Gabentischen liegen. Längst haben sie als sprechende Puppen und Stofftiere Einzug in Kinderzimmer gehalten. Doch was ist, wenn Püppi und Teddy nicht nur sprechen, sondern auch hören und sehen können?

"Da kann sich theoretisch jemand reinhacken nach dem Motto: "Mach mal die Tür auf", sagt der Sprecher des TÜV-Verbands, Maurice Shahd. Der Grundsatz der Produktsicherheit dürfe nicht nur die Funktionalität oder den Verzicht auf Giftstoffe umfassen. Auch digitale Sicherheit gehöre dazu. "Die ist nicht in der Gesetzgebung verankert."

Möglichst wenig Geräte vernetzen

Für das Jahr 2018 hat das Bundeskriminalamt gerade erst einen Anstieg der Cyberkriminalität um mehr als ein Prozent auf 87.100 registrierte Fälle konstatiert. "Alles ist angreifbar", sagt der Direktor des Nationalen Forschungszentrums für angewandte Cybersicherheit "Athene" in Darmstadt, Michael Waidner.

Cyberkriminelle suchten sich den schnellsten Weg, um Daten abzugreifen, in fremdem Namen Bestellungen aufzugeben oder Geldzahlungen per E-Mail einzufordern. Er rate, möglichst wenig Geräte miteinander zu vernetzen. Für Sadeghi geht der Schutz auch unkonventionell: Im Zweifel ein Pflaster auf die Kamera kleben.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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