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Erbe in der Zugewinngemeinschaft: Das sollten Sie wissen


Was Sie erben, wenn Sie keinen Ehevertrag haben


16.04.2021Lesedauer: 4 Min.
Qualitativ geprĂŒfter Inhalt
Qualitativ geprĂŒfter Inhalt

FĂŒr diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfĂ€ltig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Nachdenkliche Seniorin (Symbolbild): Ohne Ehevertrag leben Sie in einer Zugewinngemeinschaft.VergrĂ¶ĂŸern des Bildes
Nachdenkliche Seniorin (Symbolbild): Ohne Ehevertrag leben Sie in einer Zugewinngemeinschaft. (Quelle: shironosov/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Wer heiratet, lebt automatisch in einer sogenannten Zugewinngemeinschaft. Das hat Folgen, wenn Sie erben – sowohl wĂ€hrend der Ehe als auch, wenn Ihr Partner stirbt.

Mit einer Hochzeit Ă€ndert sich einiges: Vielleicht wechseln Sie Ihren Namen, fĂŒhlen sich jetzt noch enger mit Ihrem Partner verbunden, aber vor allem kommen nun viele rechtliche Änderungen auf Sie zu. Eine davon ist der Eintritt in den sogenannten GĂŒterstand der Zugewinngemeinschaft.

Der greift automatisch, sofern Sie nichts anderes in einem Ehevertrag vereinbart haben. In welcher Art von GĂŒterstand Sie sich befinden, hat Auswirkungen darauf, was mit einem Erbe geschieht. Wir erklĂ€ren Ihnen, was Sie dazu wissen sollten.

Wie wird das Erbe in einer Zugewinngemeinschaft verteilt?

Die Zugewinngemeinschaft hat sowohl Folgen fĂŒr ein Erbe, das Sie wĂ€hrend der Ehe erhalten, als auch darauf, wie hoch Ihr Erbteil ausfĂ€llt, wenn Ihr Partner vor Ihnen stirbt.

Erben Sie im Laufe der Ehe oder erhalten eine Schenkung, zÀhlt beides nicht zum sogenannten Zugewinn. Es wird also so getan, als hÀtten Sie dieses nun neu gewonnene Vermögen bereits in die Ehe eingebracht.

Mit anderen Worten: Sie mĂŒssen ein Erbe oder eine Schenkung nicht mit Ihrem Ehepartner teilen, sollte es zu einer Scheidung kommen. Wie genau der Zugewinn geteilt wird, lesen Sie weiter unten.

  • Beispiel: Sie besitzen am Tag Ihrer Hochzeit ein Vermögen von 30.000 Euro. Zwei Jahre spĂ€ter erben Sie 50.000 Euro. Diese werden nun Ihrem Anfangsvermögen zugerechnet. Am Tag Ihrer Hochzeit besaßen Sie damit vor dem Gesetz also 80.000 Euro.

Erben Sie, weil Ihr Partner gestorben ist, gibt es in der Zugewinngemeinschaft einen pauschalen Ausgleich. Das soll langwierige Streits vor Gericht vermeiden. Gibt es weder ein Testament noch einen Erbvertrag, bekommen Sie dann zusÀtzlich zu Ihrem gesetzlichen Erbteil, der sich auf ein Viertel des Nachlasses belÀuft, ein weiteres Viertel der Erbschaft.

Sie erben also die HĂ€lfte. Der Rest geht an eventuelle Kinder des Erblassers. Deren Pflichtteil verringert sich folglich mit ihrer Anzahl.

Existiert nur ein Kind, bekommt es wie der ĂŒberlebende Ehegatte die HĂ€lfte des Nachlasses, gibt es zwei Kinder, betrĂ€gt der Pflichtteil nur noch ein Viertel, bei drei Kindern ein Sechstel und so weiter. Gibt es gar keine Kinder, erhĂ€lt der Partner sogar drei Viertel des Erbes. Der Rest geht an Geschwister oder Eltern des Erblassers, sofern diese noch leben.

  • Beispiel: Nehmen wir an, Ihr Ehepartner stirbt und hinterlĂ€sst neben Ihnen noch zwei Kinder. Sein Nachlass belĂ€uft sich auf 40.000 Euro. Dann erhalten Sie laut Gesetz 20.000 Euro (Ihr gesetzliches Viertel plus ein weiteres Viertel). Die beiden Kinder bekommen jeweils 10.000 Euro.

Gut zu wissen: In einer Zugewinngemeinschaft mĂŒssen Sie auf Ihr Erbe keine Erbschaftsteuer zahlen.

Was ist der Zugewinnausgleich?

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass eine Ehe dazu fĂŒhre, dass nun jedem der Partner das Vermögen des anderen zur HĂ€lfte mitgehöre, geschieht genau das nicht. Sie verwalten Ihr Vermögen weiterhin getrennt voneinander. Nur vom sogenannten Zugewinn, also dem Betrag, um den sich das bisherige Vermögen im Laufe der Ehe erhöht, bekommen Sie eventuell etwas ab.

Das geschieht beim sogenannten Zugewinnausgleich. Dieser tritt ein, sobald die Zugewinngemeinschaft endet – also wenn Sie sich scheiden lassen oder wenn ein Partner stirbt. WĂ€hrend der Zugewinn im Todesfall pauschal ausgeglichen wird (siehe oben), schaut man sich bei der Scheidung die Anfangs- und Endvermögen der beiden Partner an.

Anders gesagt: Wie viel besaß jeder vor der Ehe und wie viel am Tag der Scheidung? Derjenige, der wĂ€hrend der Ehe weniger Vermögen hinzugewonnen hat, kann vom anderen den Zugewinnausgleich verlangen.

Dabei werden die beiden Zugewinne gegenĂŒbergestellt und die Differenz zwischen den beiden ermittelt. Die HĂ€lfte dieser Differenz wird dann demjenigen zugesprochen, dessen Zugewinn geringer ausfiel.

Wichtig: Nicht zum Zugewinn zÀhlen Erbe und Schenkungen, die Sie wÀhrend der Ehe erhalten haben. Diese werden dem Anfangsvermögen zugerechnet und somit nicht geteilt.

  • Beispiel mit Erbe: Sie besitzen am Tag Ihrer Hochzeit ein Vermögen von 30.000 Euro. Zwei Jahre spĂ€ter erben Sie 50.000 Euro. Diese werden nun Ihrem Anfangsvermögen zugerechnet. Am Tag Ihrer Hochzeit besaßen Sie damit vor dem Gesetz also 80.000 Euro. Am Tag Ihrer Scheidung besitzen Sie 100.000 Euro und haben damit "nur" 20.000 Euro Zugewinn erzielt – statt 70.000 Euro, die es gewesen wĂ€ren, wenn das Erbe mit zum Zugewinn gezĂ€hlt hĂ€tte. Nehmen wir an, Ihr Partner hat 30.000 Euro hinzugewonnen. Dann erhalten Sie von der Differenz zu diesem höheren Zugewinn noch die HĂ€lfte, also 5.000 Euro (30.000 Euro - 20.000 Euro / 2).

Gut zu wissen: Auch im Todesfall können Sie sich fĂŒr den regulĂ€ren Zugewinnausgleich entscheiden, statt das pauschale Erbe anzunehmen. Das ist sinnvoll, wenn Sie dadurch mehr Geld erhalten wĂŒrden – etwa weil Ihr Partner besonders viel Vermögen wĂ€hrend der Ehe hinzugewonnen hat. Lesen Sie hier, wie Sie ein Erbe ausschlagen.

Welche Besonderheiten gelten bei Immobilien?

Erben Sie wĂ€hrend der Zugewinngemeinschaft eine Immobilie oder ein GrundstĂŒck, zĂ€hlt zwar beides nicht zum Zugewinn, eine mögliche Wertsteigerung aber schon.

Erben Sie zum Beispiel eine AckerflĂ€che, die im Laufe der Ehe zu Bauland und dadurch mehr wert wird, könnte Ihr Partner bei einer Scheidung doch noch die HĂ€lfte des Werts abbekommen. Gleiches gilt fĂŒr ein Haus oder eine Wohnung, deren Wert steigt.

Problematisch bei dieser Art Anspruch ist aber oft: Der Partner kann Sie gar nicht auszahlen und mĂŒsste eine Immobilie oder das GrundstĂŒck erst verkaufen, damit Sie Geld sehen. Weigert er sich, kann es zur Zwangsversteigerung kommen – was Ă€rgerlich wĂ€re, wenn die Preise gerade niedrig sind.

Verwendete Quellen
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