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Leverage-Effekt: Definition, Formel und Beispiel | Einfach erklärt


Kredit klug nutzen  

Hohe Rendite bei niedrigem Einsatz – so gelingt es

16.07.2021, 14:21 Uhr
Leverage-Effekt: Definition, Formel und Beispiel | Einfach erklärt. Gespräch mit Bankberater (Symbolbild): Es kann strategisch sinnvoll sein, einen Kredit aufzunehmen. (Quelle: dpa/tmn/Christin Klose)

Gespräch mit Bankberater (Symbolbild): Es kann strategisch sinnvoll sein, einen Kredit aufzunehmen. (Quelle: Christin Klose/dpa/tmn)

Wenn wir an Schulden denken, verstehen wir darunter meist nichts Gutes. Doch Sie können einen Kredit auch gezielt aufnehmen, um Ihren Gewinn zu erhöhen. Wir zeigen, wie das funktioniert.

Einer der wichtigsten Grundsätze der Geldanlage ist: Bauen Sie zunächst Ihre Schulden ab und Rücklagen auf, bevor Sie loslegen. Und das ist auch richtig. Trotzdem kann es für Anleger sinnvoll sein, Fremdkapital zu nutzen, um an den Finanzmärkten zu Geld zu kommen.

Denn so profitieren sie mitunter vom sogenannten Leverage-Effekt. Was sich dahinter verbirgt, wie er sich berechnet und wie Sie diesen Effekt für sich nutzen, zeigen wir Ihnen in diesem Ratgeber.

Was ist der Leverage-Effekt?

Der Leverage-Effekt ("to leverage", Englisch für hebeln) beschreibt eine Situation, in der Sie einen Kredit so nutzen, dass Sie dank ihm eine höhere Rendite erzielen. Es entsteht eine finanzielle Hebelwirkung, durch die Sie auch mit wenig eigenem Kapitaleinsatz einen vergleichsweise hohen Ertrag einfahren können. Sie erzielen dann einen positiven Leverage-Effekt.

Im Fachjargon spricht man davon, dass Sie mit dem Effekt die sogenannte Eigenkapitalrentabilität steigern, wenn Sie – anstelle von oder zusätzlich zu Ihrem eigenen Geld – Fremdkapital investieren (mehr dazu unten).

Das funktioniert aber nur, wenn Sie für den Kredit weniger zahlen, als Sie mit der Investition verdienen. Andernfalls verursachen Sie einen negativen Leverage-Effekt – die Rentabilität wird nach unten gehebelt.

Wie wird der Leverage-Effekt berechnet?

Wer den Leverage-Effekt verstehen und berechnen will, sollte zunächst die Eigenkapitalrentabilität kennen. Diese Kennzahl gibt an, ob sich eine Investition lohnt. Denn sie beschreibt das Verhältnis von Gewinn und investiertem eigenem Geld (Eigenkapital). Je höher sie ausfällt, desto besser. Mehr zur Eigenkapitalrendite, lesen Sie hier.

Die Formel dafür lautet:

Eigenkapitalrentabilität = Gewinn / Eigenkapital x 100

  • Beispiel: Nehmen wir an, Sie haben 1.000 Euro, die Sie in Aktien von Siemens investieren wollen. Diese Aktienanlage bringt Ihnen einen Gewinn von 100 Euro. Das würde eine Eigenkapitalrentabilität von 10 Prozent bedeuten (100 Euro / 1.000 Euro x 100 = 10 Prozent).

Nun schauen wir uns an, was passiert, wenn Sie zusätzlich einen Kredit aufnehmen – und der positive Leverage-Effekt greift.

  • Beispiel: Nehmen wir an, Sie haben wieder 1.000 Euro Eigenkapital. Zusätzlich leihen Sie sich nun weitere 1.000 Euro Fremdkapital bei der Bank. Diese verlangt dafür 5 Prozent Zinsen. Weil Sie doppelt so viel Geld investieren können, verdoppelt sich nun zunächst auch Ihr Gewinn – bei weiterhin 10 Prozent Rendite also von 100 auf 200 Euro. Weil Sie der Bank noch Zinsen schulden, vermindert sich der Gewinn zwar um 50 Euro auf 150 Euro, für Ihre Eigenkapitalrentabilität bedeutet das aber ein Plus. Denn 150 Euro Gewinn geteilt durch 1.000 Euro Eigenkapital multipliziert mit 100 ergeben 15 Prozent.

In diesem Fall hat es sich also gelohnt, den Kredit aufzunehmen. Denn der Fremdkapitalzins (5 Prozent) war geringer als die Rendite des Investments (10 Prozent). Doch das ist nicht immer so. Der Leverage-Effekt kann auch ins Negative umschlagen. Das kann einerseits passieren, wenn die Zinsen überraschend steigen – was aktuell jedoch sehr unwahrscheinlich ist.

Viel eher kann es aber der Leverage-Effekt zum Problem werden, wenn die Investition nicht so erfolgreich verläuft wie angenommen. 

  • Beispiel: Statt 10 Prozent Rendite bringt Ihnen das das Investment in die Siemens-Aktien plötzlich nur noch 2 Prozent. Sie kämen dann bei erneuten 2.000 Euro Einsatz (1.000 Eigenkapital und 1.000 Fremdkapital) auf einen Gewinn von 40 Euro. Bei gleich bleibenden Kosten für den Kredit von 50 Euro hätten Sie also 10 Euro Minus gemacht.

Gut zu wissen: Wie stark der Leverage-Effekt wirkt – egal, ob positiv oder negativ, hängt vom Verschuldungsgrad ab. Das heißt: Je größer das Fremdkapital im Verhältnis zum Eigenkapital ist, desto stärker profitieren Sie entweder vom positiven Leverage-Effekt oder leiden unter dem negativen. Ein höherer Verschuldungsgrad führt zudem dazu, dass Sie höhere Fremdkapitalzinsen zahlen müssen – was Ihr Risiko erhöht.

Wie bleibt der Leverage-Effekt positiv?

Der Leverage-Effekt bleibt so lange positiv, wie die Rendite Ihrer Investition (Gesamtkapitalrentabilität) höher ist als die Zinsen, die Sie für das Fremdkapital zahlen.

In der Praxis lässt sich aber natürlich nur schwer bis gar nicht voraussehen, wie gut ein Investment letztlich funktionieren wird. So positiv der Leverage-Effekt wirken kann (Leverage-Chance), so riskant ist es auch, darauf zu vertrauen, dass er tatsächlich eintritt (Leverage-Risiko).

Wie ziehen Anleger einen Nutzen aus dem Effekt?

Anleger können den Leverage-Effekt bei vielen Investitionen nutzen – etwa bei Immobilien oder beim Handel mit sogenannten Derivaten. Das sind spezielle Finanzprodukte für Fortgeschrittene, die jedoch mit einem erhöhten Risiko einhergehen – insbesondere wenn sie auf die finanzielle Hebelwirkung abzielen.

Scheitert eine Investition, kann es bei bestimmten Hebelprodukten dazu kommen, dass Sie sogar mehr als das eingezahlte Kapital verlieren. Ein Beispiel für solch ein Produkt sind sogenannte CFDs (Differenzkontrakte).

Kaufen Sie privat eine Immobilie, gelingt das üblicherweise nur mithilfe eines Bankdarlehens. Ob Sie dabei vom Leverage-Effekt profitieren können, hängt auch hier von der Höhe der Finanzierungszinsen ab – und die wiederum von der Höhe Ihres Eigenkapitals.

Verwendete Quellen:

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