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Nachhaltige Aktien: Nachhaltig investieren und gute Rendite?


Ethisch, ökologisch, sozial  

So investieren Sie am besten in nachhaltige Aktien

08.11.2021, 12:51 Uhr
Nachhaltige Aktien: Nachhaltig investieren und gute Rendite?. Windkraftanlage und Ölraffinerie (Symbolbild): Anlageprodukte sind oft nicht so grün, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/ think4photop)

Windkraftanlage und Ölraffinerie (Symbolbild): Anlageprodukte sind oft nicht so grün, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. (Quelle: think4photop/Thinkstock by Getty-Images)

Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Geld etwas Gutes tun und kaufen nachhaltige Finanzprodukte. Wir erklären, was das für Ihre Rendite bedeutet und ob Sie damit ein höheres Risiko eingehen.

Die Zahlen sprechen für sich: 39,8 Milliarden Euro investierten Privatanleger im Jahr 2020 in nachhaltige Fonds und Mandate. Das ist laut dem Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen mehr als doppelt so viel wie zum Jahresende 2019.

Doch was macht nachhaltige Aktien aus? Bergen sie ein höheres Risiko als herkömmliche Anlagen? Und muss ich für das gute Gewissen in Kauf nehmen, dass meine Rendite geringer ist? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was sind nachhaltige Aktien?

Bei Nachhaltigkeit geht es grundsätzlich darum, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, ohne dass es auf Kosten künftiger Generationen geschieht. Bei der Geldanlage in Aktien ist die Devise nicht anders.

So gelten beispielsweise Aktien von Firmen aus dem Sektor der erneuerbaren Energien, der umweltfreundlichen Motorentechnik oder dem Recycling als nachhaltig. Doch wie Aktien, Fonds, ETFs und Co. genau beschaffen sein müssen, damit Nachhaltigkeit gewährleistet ist, dafür fehlt es derzeit noch an klaren Regeln.

Was der eine Anbieter für nachhaltig hält, kann daher beim nächsten schon wieder ganz anders aussehen. Die EU will das ändern und in den kommenden Jahren einen Mindeststandard etablieren.

Derzeit arbeiten fast alle Fondsgesellschaften bei der Zusammenstellung ihrer Produkte mit Ausschlusskriterien. So werden etwa Unternehmen ausgeklammert, die die Umwelt zerstören oder Menschenrechte verletzten.

Stark genutzt wird aber auch der sogenannte Best-in-Class-Ansatz. Hier finden Aktien von Unternehmen Eingang in einen Fonds, die nur vergleichsweise nachhaltig sind – also innerhalb ihrer Branche zu den nachhaltigeren Vertretern zählen.

Grundsätzlich gilt für nachhaltige Aktien, dass sie strengen umweltbezogenen, sozialen und auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung bezogenen Kriterien genügen sollten. Man nennt diese auch ESG-Kriterien, wobei das E für "Environment" steht, also für eine gute Umwelt, das S für "Social", also soziale Aspekte, und das G für "Governance", also gute Unternehmensführung. Mehr zu den ESG-Kriterien lesen Sie hier.

Wo finde ich nachhaltige Aktien?

Weil es für nachhaltige Aktien noch keinen einheitlichen Standard gibt, ist es für Privatanleger oft schwierig, das passende Wertpapier zu finden. Einige Firmen und Anbieter biegen sich ihre Strategien und Produkte so zurecht, dass sie einen etwas grüneren Anstrich bekommen. Wirklich umweltfreundlich oder sozial sind sie aber gar nicht. "Greenwashing" nennt sich das und ist für Privatanleger kaum zu durchschauen, weil die Analyse viel Wissen und Zeit erfordert.

Einen guten Anhaltspunkt, um nachhaltige Aktien zu finden, bietet der Blick in Nachhaltigkeitsindizes wie den DAX50 ESG DAX 50 ESG (PR) EUR Index oder den MSCI World Socially Responsible Index (SRI) UBS (Lux) Fund Solutions SICAV - MSCI World Socially Responsible UCITS ETF Fund.

Der DAX50 ESG bildet die Kursentwicklung der 50 größten und liquidesten Aktien auf dem deutschen Markt ab – basierend auf den Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG). Ausgeschlossen sind also zum Beispiel Firmen, die mit Waffen, Tabak oder Kernenergie zu tun haben.

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Deutlich mehr Auswahl gibt es im MSCI World Socially Responsible Index. Er umfasst die rund 400 Unternehmen aus der entwickelten Welt mit dem höchsten ESG-Ranking. 

Statt in einzelne Aktien zu investieren, sollten Privatanleger ihr Risiko allerdings lieber breit streuen – vor allem wenn sie noch gar nicht an der Börse aktiv sind. Das funktioniert über nachhaltige Aktienfonds und ETFs. 

Die Stiftung Warentest hat im Juni 2020 156 Nachhaltigkeitsfonds untersucht, darunter 99 Welt-, 46 Europa- und 11 Schwellenländerfonds. Nur eine Handvoll Fonds schaffte dabei die Bestnote. Die Tester wollten unter anderem wissen, welche Branchen und Geschäftspraktiken die Anbieter ausschließen und ob das auch für Töchter, Beteiligungen und Zulieferer der Firmen gilt.

Diese nachhaltigen Weltaktienfonds lagen vorne:

Gut zu wissen: Schon bei der Auswahl Ihrer Bank können Sie auf Nachhaltigkeit setzen – etwa mit einem Konto bei der Umweltbank oder der GLS. Viele konventionelle Banken investieren Ihr Geld hingegen noch in Unternehmen, die klima- und umweltschädlich agieren. Lesen Sie hier, wie Sie herausfinden, was Ihre Bank mit Ihrem Geld macht.

Muss ich bei nachhaltigen Aktien auf Rendite verzichten?

Nein, nicht automatisch. Rendite und Nachhaltigkeit schließen sich grundsätzlich nicht aus. Es kommt schlicht darauf an, welchen Fonds Sie kaufen. Der Weltaktienindex MSCI World läuft jedenfalls seit einigen Jahren schlechter als sein nachhaltig orientiertes Pendant, der MSCI World SRI. Ob das in Zukunft so weitergeht, lässt sich daraus aber nicht ableiten.

Sind die Risiken bei grünen Investments höher?

Das kommt darauf an, wie sehr Sie sich beim Investieren einschränken. Grundsätzlich gilt: Je spezieller das Thema und je enger die Branche, desto größer ist das Risiko. Und wenn Sie einzelne nachhaltige Aktien kaufen, ist das Risiko immer höher als wenn Sie in einen Fonds oder ETF investieren.

In Bereichen wie der grünen Energie sind zudem viele junge Unternehmen unterwegs, die zwar innovativ sind, aber noch kein Geld verdienen. Hier brauchen Sie mitunter starke Nerven, da die Kurse kräftig schwanken können.

Wie nützlich sind nachhaltige Aktien überhaupt?

Ein weitverbreitetes Missverständnis beim Aktienkauf ist, dass Anleger davon ausgehen, mit einem Investment bekäme das Unternehmen, von dem die Aktien stammen, mehr Geld. Dem ist aber nur beim Börsengang oder einer Kapitalerhöhung so – in allen anderen Fällen fließt das Geld an denjenigen, dem die Aktien bisher gehörten.

Deutlich mehr Einfluss haben Sie zum Beispiel, wenn Sie den Kauf von Produkten von ihrer Nachhaltigkeit abhängig machen. Also etwa die Bahn statt den Flieger nehmen, regional und saisonal einkaufen statt im Winter Erdbeeren zu essen oder vom Auto aufs Fahrrad umsteigen.

Green Bonds als einflussreichere Alternative

Auch wenn Sie einem Unternehmen einen Kredit geben, bewirken Sie mehr als mit dem Kauf grüner Aktien – die zudem nicht immer so grün sind, wie sie vorgeben (siehe oben). Eine Möglichkeit das zu tun, wären beispielsweise sogenannte Green Bonds, also Anleihen, bei denen das Geld umweltfreundlich eingesetzt werden muss. Die werfen in der Regel aber deutlich weniger Rendite ab als Aktien. Mehr zu Green Bonds lesen Sie hier.

Verkaufen Sie Aktien von Unternehmen, die Ihnen nicht nachhaltig genug agieren, verlieren Sie zudem Ihr Mitspracherecht auf der Hauptversammlung. Zugegeben: Als kleiner Privatanleger ist die Chance, dass Sie eine Firma wirklich dazu bewegen, umweltfreundlicher oder sozialer zu agieren, zwar gering, aber es gibt sie.

So oder so – ob Sie auf nachhaltige Aktien setzen wollen, bleibt letztlich Ihnen überlassen. Wichtig ist, dass Sie die Grundsätze der Geldanlage auch bei grünen Investments beherzigen und Ihr Geld langfristig und breit gestreut anlegen.

Verwendete Quellen:

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