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Krankenversicherung der Rentner (KVdR): So kommen Sie rein

Versicherung im Ruhestand  

Diese Krankenkassen-Kosten kommen auf Sie als Rentner zu

Von Caroline Benzel

29.09.2020, 11:04 Uhr
Krankenversicherung der Rentner (KVdR): So kommen Sie rein. Eine Ärztin im Gespräch mit einer Rentnerin (Symbolbild): Im Alter sind viele Menschen in der Krankenversicherung der Rentner. (Quelle: Getty Images/Fatcam)

Eine Ärztin im Gespräch mit einer Rentnerin (Symbolbild): Im Alter sind viele Menschen in der Krankenversicherung der Rentner. (Quelle: Fatcam/Getty Images)

Auch im wohlverdienten Ruhestand müssen gesetzlich Versicherte weiterhin für die gesetzliche Krankenkasse bezahlen. Ob das ein eher günstiger oder teurer Spaß ist, kommt auf die individuellen Umstände an.

Ist das Rentenalter erreicht, bekommen viele Rentner erst einmal einen Schreck. Der Grund: Die Rente fällt aufgrund von Besteuerung und der Beiträge für die Krankenversicherung oft kleiner aus als erwartet.

Vor allem Rentner, die es nicht in die so genannte Krankenversicherung der Rentner schaffen, müssen oft Einbußen hinnehmen. Die Krankenversicherung für Rentner ist, anders als der Name vermuten lässt, keine eigene Versicherung, sondern lediglich der Versicherungsstatus. Rentner mit diesem Status bleiben bei ihrer Krankenkasse, zahlen aber einen geringeren Beitrag als die freiwillig versicherten Rentner.

Wer darf in die Krankenversicherung der Rentner?

In die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) kommen nur die Rentner, die während der zweiten Hälfte ihres Berufslebens mindestens 90 Prozent der Zeit in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert waren.

Dabei ist unwichtig, ob sie als Pflichtmitglied oder freiwilliges Mitglied versichert waren. Ebenfalls anrechenbar sind Zeiten der Familienversicherung und einer Versicherung in der ehemaligen DDR.

Auch Zeiten des Verbleibs in einer gesetzlichen Krankenversicherung im Ausland sind anrechenbar – wenn es sich um Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) handelt, oder um Länder, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht.

Es ist deshalb besonders wichtig, vor allem in der zweiten Hälfte des Berufslebens die meiste Zeit in der gesetzlichen Krankenversicherung zu sein, da wirklich nur dieser Zeitraum für die Einordnung in den Versichertenstatus gewertet wird.

Neu-Rentner, die zwischendurch privatversichert waren, haben dennoch eine Chance, in die KVdR zu kommen. Für jedes Kind des Rentenantragstellers werden drei Jahre angerechnet – auch für Pflegekinder.

Ein Beispiel: Angenommen eine Mutter von zwei Kindern stellt 2020 einen Rentenantrag, nachdem sie zwischen 1970 bis 2020 erwerbstätig war. Die meiste Zeit war sie dabei gesetzlich versichert, lediglich während der letzten fünf Jahre ihres Arbeitslebens hat sie sich privat versichert.

Um in die Krankenversicherung der Rentner zu kommen, müsste sie mindestens 90 Prozent der zweiten Hälfte ihres Arbeitslebens, also die letzten 22,5 Jahre, gesetzlich versichert gewesen sein. Weil sie am Ende aber fünf Jahre in einer privaten Krankenversicherung war, reicht die Zeit in der gesetzlichen Krankenversicherung eigentlich nicht aus. Da sie aber zwei Kinder hat, bekommt sie pro Kind drei Jahre angerechnet, insgesamt also sechs Jahre. Somit schafft sie es dann doch noch in die günstigere Krankenversicherung der Rentner.

Wie kann ich mich freiwillig krankenversichern lassen?

Wenn Senioren die Kriterien für die Aufnahme in die Krankenversicherung der Rentner nicht erfüllen, können sie sich freiwillig gesetzlich versichern, falls sie vor dem Renteneintritt bei einer gesetzlichen Krankenkasse waren.

Das Problem: Anders als die Rentner in der Krankenversicherung der Rentner müssen freiwillig Versicherte auf all ihre Einkünfte Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung entrichten. Zu diesen Einnahmen gehören neben der Rente auch Versorgungsbezüge, Erwerbseinkommen, Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung sowie aus Kapitalvermögen.

Es empfiehlt sich deshalb, frühzeitig auf eine Mitgliedschaft in der KVdR hinzuarbeiten und ab dem 40. Lebensjahr in der gesetzlichen Krankenversicherung zu bleiben – oder sich alternativ für die private Krankenversicherung zu entscheiden.

Wie hoch sind meine Krankenkassenbeiträge als Rentner?

Die Höhe der Beiträge variiert je nachdem, ob Sie in die Krankenversicherung der Rentner oder in die freiwillige Versicherung aufgenommen werden. Zudem unterscheidet sich die Höhe der prozentualen Sätze nach. Grundsätzlich gilt wie bei allen anderen Krankenversicherten auch für Rentner der aktuell normale Beitragssatz von 14,6 Prozent, wovon die Rentenversicherung aber die Hälfte übernimmt.

Unabhängig davon, ob Sie freiwillig versichert sind oder im Rahmen der KVdR, zahlen Sie folglich 7,3 Prozent auf ihr anrechenbares Einkommen, also die Einkünfte aus der gesetzlichen Rente.

Unterschiede treten erst bei anderen Einkunftsarten auf. Wer in der Krankenversicherung der Rentner ist, zahlt zwar wie ein freiwillig Versicherter auch die vollen 14,6 Prozent auf Versorgungsbezüge. Anders als Rentner in der freiwilligen Versicherung müssen Sie in der Krankenversicherung der Rentner jedoch keine Beiträge auf Einkünfte aus Vermietung, Kapitalerträgen oder privaten Rentenversicherungen entrichten.


KVdRKvdRFreiwilligFreiwillig

BeitragspflichtBeitragssatzBeitragspflichtBeitragssatz
Gesetzliche RenteJa7,3 ProzentJa7,3 Prozent
VersorgungsbezügeJa14,6 ProzentJa14,6 Prozent
ErwerbseinkommenJa14,6 ProzentJaje nach Höhe: 14 oder 14,6 Prozent
Miteineinnahmen, Zinsen, Dividenden, private RenteNein –Ja14 Prozent


Vergessen Sie dabei nicht: Mit den normalen Beitragssätzen ist es oft nicht getan – viele Krankenkassen erheben einen Zusatzbeitrag. Im Jahr 2020 liegt der Zusatzbeitrag im Schnitt bei 1,1 Prozent, bei manchen Kassen auch deutlich höher. Rentner zahlen die Hälfte dieses Satzes, der prozentual auf ihre gesetzliche Rente berechnet wird.

Wichtig: Alle Beiträge werden nur bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze erhoben, die im Jahr 2020 bei 56.250 Euro und ab 2021 bei 58.050 Euro liegt.

Wie zahlen Rentner Krankenversicherung?

Rentner, die in die Krankenversicherung der Rentner kommen, also pflichtversichert sind, müssen sich um die Zahlung an die Krankenkasse nicht kümmern. Bei ihnen werden die Beiträge automatisch von der Rentenversicherung an die Krankenversicherung überwiesen – der Rentenbetrag also entsprechend gekürzt.

Anders verhält es sich bei freiwillig Versicherten. Diese müssen ihre Krankenkassenbeiträge selbst entrichten. Wichtig: Freiwillig versicherte Rentner müssen deshalb den Zuschuss auf die Hälfte der Krankenkassenbeiträge bei der Rentenversicherung beantragen. Dieser Zuschuss wird dann gemeinsam mit der Rente ausbezahlt. 

Wann bin ich in der Rente krankenversicherungspflichtig?

Pflichtversichert in der Krankenversicherung der Rentner sind alle, die eine Rente beantragt waren und in der zweiten Hälfte ihres Berufslebens zu 90 Prozent in der gesetzlichen Krankenversicherung waren. Ist das nicht gegeben, so werden dennoch pro Kind drei Jahre angerechnet – so dass die Versicherungspflicht trotzdem eintreten kann.

Wer kann sich von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen?

Es kann passieren, dass auch privat Versicherte die Vorversicherungszeit für die gesetzliche Krankenversicherung erfüllen – etwa aufgrund der Anzahl der Kinder, oder wegen der Vorversicherungszeiten eines verstorbenen Ehegatten. In einem solchen Fall bekommt der Rentenantragsteller die Information, dass er oder sie die Vorversicherungszeiten für die gesetzliche Krankenversicherung erfüllt und somit in die gesetzliche Krankenversicherung der Rentner kommt. Wer das nicht möchte, hat drei Monate Zeit, um sich von der Versicherungspflicht zu befreien und in der privaten Krankenversicherung zu verbleiben.

Von der Versicherungspflicht befreien lassen können Sie sich außerdem, wenn Sie etwa als ehemaliger Beamter Anspruch auf Beihilfe haben. Doch Vorsicht: Ein solcher Schritt sollte stets gut überlegt sein, da ein Wiedereintritt in die Krankenversicherung der Rentner später nur schwer möglich ist. 

Kann ich als Rentner noch in die GKV zurückwechseln?

Grundsätzlich ist es schwierig, erst im Rentenalter in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln. Damit ein Wechsel möglich ist, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. So müssen Sie in der zweiten Hälfte Ihres Erwerblebens mindestens 90 Prozent der Zeit in der gesetzlichen Krankenversicherung gewesen sein.

Falls Sie Kinder haben, stehen die Chancen etwas besser, denn für jedes Kind werden Ihnen drei Jahre Vorversicherungszeit angerechnet. Ebenfalls hilfreich ist es, wenn sie in den fünf Jahren vor der geplanten Rückkehr, mindestens zweieinhalb Jahre gesetzlich versichert waren.

Falls das alles nicht zutrifft, ist eventuell ein Wechsel über den Ehepartner möglich. Bei einem geringen Einkommen, etwa für einen Minijob, könnten Sie sich über den gesetzlich versicherten Partner familienversichern lassen.

Verwendete Quellen:

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