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"100 Prozent Verantwortung, null Prozent UnterstĂŒtzung"

  • Manfred SchĂ€fer
  • Sandra Simonsen
Von M. SchÀfer, N. Sagener, S. Simonsen

Aktualisiert am 21.03.2020Lesedauer: 5 Min.
Rubin Enciso: Der Zahnarzt kritisiert im GesprĂ€ch mit t-online.de die schlechte UnterstĂŒtzung seines Berufsstands.
Rubin Enciso: Der Zahnarzt kritisiert im GesprĂ€ch mit t-online.de die schlechte UnterstĂŒtzung seines Berufsstands. (Quelle: Rubin Enciso)
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GeschĂ€fte und Restaurants schließen wegen der Corona-Krise, Menschen in systemrelevanten Berufen arbeiten weiter. Darunter auch ZahnĂ€rzte wie Rubin Enciso. Im GesprĂ€ch mit t-online.de schlĂ€gt er alternative Lösungen vor.

Rubin Enciso arbeitet als Zahnarzt in Frankfurt am Main. Sein Beruf zĂ€hlt zu den systemrelevanten TĂ€tigkeiten und wird auch wĂ€hrend der Coronavirus-Krise weiter ausgefĂŒhrt. Normalerweise kommen tĂ€glich 20 bis 40 Patienten in seine Praxis, sie werden untersucht und behandelt.

Dabei ist Rubin Enciso so nah an gefĂ€hrlichen Tröpfchen, wie kaum jemand aus anderen Berufsfeldern. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren ist besonders hoch. Trotzdem arbeitet er ohne Vollkörper-Anzug. Im GesprĂ€ch mit t-online.de erzĂ€hlt er, wie er sich dabei fĂŒhlt, er kritisiert aber auch die fehlende UnterstĂŒtzung der Politik ZahnĂ€rzten gegenĂŒber.

t-online.de: Herr Enciso, ZahnÀrzte zÀhlen zu den systemrelevanten Berufen und empfangen derzeit weiterhin Patienten. Wie finden Sie das?

Rubin Enciso: Die zahnmedizinische Versorgung ist sehr wichtig und muss weiterhin gewĂ€hrleistet sein – gar keine Frage. Aber um eine fĂŒr die Patienten sichere Versorgung sicherzustellen, benötigen wir die richtige SchutzausrĂŒstung. Durch den unvermeidlichen Spraynebel bei unserer Arbeit im Mund ist kaum ein anderer Berufszweig dem Virus nĂ€her. Hier fĂŒhlen wir ZahnĂ€rzte uns von der Politik allein gelassen, denn ausreichende Schutzmittel sind schlichtweg nicht mehr zu bekommen. Trotzdem sind wir von den StandesverbĂ€nden angewiesen worden, die Arbeit fortzusetzen.

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Was wĂŒrden Sie stattdessen empfehlen?

Meiner Meinung nach kann es im Sinne des Schutzes der Patienten, der Angestellten, der ZahnĂ€rzte und deren Familie nur eine kontrollierte Schließung aller Praxen geben. Die meisten zahnĂ€rztlichen Eingriffe sind um mehrere Wochen verschiebbar. Um den zahnmedizinischen Notdienst aufrecht zu erhalten und die begrenzten Schutzmittel am effektivsten zu nutzen, schlage ich vor, dass spezialisierte Zahnnotzentren in bereits gut ausgestatteten und vorhandenen Einrichtungen, beispielsweise in Uni- Zahnkliniken, eingerichtet werden. In solchen Einrichtungen ist auch eine Infektionskontrolle wesentlich einfacher einzuhalten als in einer ĂŒblichen Zahnarztpraxis.

Haben die ZahnÀrzte von der Politik oder den zustÀndigen Behörden eine Anweisung erhalten, wie sie sich jetzt verhalten sollten?

In einem öffentlichen Beitrag in den sozialen Medien habe ich von einem engagierten Kollegen folgenden Satz gehört: "100 Prozent Verantwortung, Null Prozent UnterstĂŒtzung.“ Dem stimme ich voll zu. Diese Woche trafen sich in Köln die VorstĂ€nde der KassenzahnĂ€rztlichen Vereinigung (KZV) und der BundeszahnĂ€rztekammer (BZK) zu einem Krisentreffen. Dort wurde die gesamte Verantwortung an die praktizierenden Kollegen einfach weitergereicht. Alle Praxen sollen weiterlaufen, es wurde empfohlen, nur noch Notdienste anzubieten. Da wir ZahnĂ€rzte nur nach reiner Behandlungsleistung honoriert werden, bedeutet dies auch einen Einbruch der Einnahmen um bis zu 90 Prozent bei vollen Fixkosten. Finanzielle UnterstĂŒtzung ist von Land und Bund nicht vorgesehen. Besonders fragwĂŒrdig war die EinschĂ€tzung, dass unsere einfachen Papiermundschutze fĂŒr die Behandlung in nĂ€chster NĂ€he des Mundes als ausreichend eingestuft wurden, wĂ€hrend an Corona-Test-Stationen zum Beispiel, wo die Patienten lediglich im Auto sitzen, die Mitarbeiter Vollkörper-AnzĂŒge tragen.

Haben Sie genĂŒgend medizinische SchutzausrĂŒstung?

Da ich persönlich bereits im Januar mit Sorge die Entwicklung in China genau beobachtet habe, habe ich ausreichend alltĂ€gliche Schutzmittel fĂŒr die nĂ€chsten sechs Wochen zur VerfĂŒgung. Spezialisierte Schutzmittel wie Hauben, Filtermasken oder Einmalkittel fĂŒr die Behandlung Infizierter sind seit Wochen nicht mehr im Medizinhandel verfĂŒgbar – entgegen den Versprechungen von Herrn Spahn, wir seien gut vorbereitet. Diese weitergehenden Schutzmittel habe ich auch nicht. Zum Schutze aller mĂŒsste eigentlich jeder Patient mit vollstĂ€ndiger SchutzausrĂŒstung behandelt werden, etwas was die Praxen in Deutschland nicht leisten können. Einen einfachen Mundschutz halte ich persönlich fĂŒr absolut unzureichend und gefĂ€hrlich. Seit Tagen erhalte ich schon viele verzweifelte Anrufe von Kollegen, bei denen sogar die Standardmittel zur Neige gegangen sind. Mit Erschrecken habe ich schon von einigen EinbrĂŒchen wegen Desinfektionsmittel gehört und sogar im eigenen Ärztehaus erlebt. Mit solch einer Entwicklung hĂ€tte ich nicht gerechnet.

FĂŒhlen Sie sich sicher oder haben Sie Angst, sich bei der Arbeit zu infizieren?

Die zahnmedizinische Arbeit am Patienten findet in nĂ€chster NĂ€he statt. ZusĂ€tzlich arbeiten wir mit sogenannten Turbinen oder WinkelstĂŒcken, die einen langanhaltenden Spraynebel (Aerosol) um das Arbeitsgebiet herum erzeugen, der in der Luft verbleibt und auf alle OberflĂ€chen niederregnet. Die höchste Viruskonzentration befindet sich im Mund und die hĂ€ufigste Übertragung des Coronavirus ist die Tröpfcheninfektion. Eine durchschnittliche Zahnarztpraxis wird tĂ€glich von rund 20 bis 40 Patienten besucht. Wir stehen hier an vorderster Front. Ich habe auch aufgrund der simplen Schutzmittel, die zur VerfĂŒgung stehen, jeden Tag Sorge, dass meine Patienten, mein Personal oder meine Familie und ich sich anstecken könnten.

Was machen Sie in der aktuellen Situation anders bei Ihren Behandlungen?

Gerade in der Zahnmedizin wird die Hygiene traditionell großgeschrieben. Auch unter "normalen" UmstĂ€nden arbeiten wir in einem potenziell infektiösen Arbeitsbereich. Daher wenden wir im tĂ€glichen Betrieb in meiner Praxis in Frankfurt alle ĂŒblichen Maßnahmen besonders umsichtig an. Um den Kontakt der Patienten untereinander zu minimieren achten wir besonders auf das Zeitmanagement der Termine, so ist zumindest das Wartezimmer nicht so stark frequentiert. Als Zusatzmaßnahme werden alle FlĂ€chen, Toiletten und TĂŒrklinken stĂŒndlich desinfiziert. Außerdem bitten wir alle Patienten telefonisch bei verdĂ€chtigen Symptomen, ihren Termin zu verschieben. Wir setzen außerdem die Empfehlungen der letzten Krisensitzung der KZV/ BZK um, indem wir grĂ¶ĂŸere Behandlungen nun zum Abschluss bringen, verschiebbare Behandlungen stunden und uns in den nĂ€chsten Wochen auf den Notdienstbetrieb einstellen. Hier hoffen wir dringlichst auf staatliche Hilfen, damit wir unserer Verantwortung als systemrelevanter Versorger und Arbeitgeber weiterhin nachkommen können.

Sollten Ihre Patienten trotzdem zum Zahnarzt kommen?

Wir folgen der Empfehlung, möglichst wenig Kontakt mit anderen Menschen zu haben. Dazu gehört, auch aufschiebbare Termine auf einen spÀteren Zeitpunkt zu setzen. SelbstverstÀndlich sollten Patienten bei Beschwerden einen Zahnarzt aufsuchen und aufsuchen können. Bei klaren Symptomen oder bestÀtigtem Verdacht eines Kontaktes mit dem Coronavirus sollten Sie keine Praxis mehr aufsuchen. Sollte es zu einer bundesweiten Ausgangssperre kommen, so haben Sie trotzdem die Möglichkeit, alle dringenden (zahn-)Àrztlichen Termine wahrzunehmen.

Bei wem ist es notwendig und wer sollte seinen Termin besser verschieben?

Schmerzbehandlungen gehen ganz klar vor. Kleinere Eingriffe haben in der Regel keinen Zeitdruck und können nach Absprache mit dem Zahnarzt auf einen spÀteren Zeitpunkt vertagt werden. Wahlleistungen wie die Prophylaxe und kosmetische Behandlungen sollten aber verlegt werden.
Da alle Behandlungen sehr individuell und in unterschiedlichen Stadien fortgeschritten sind, empfehle ich, Ihren Zahnarzt immer zu konsultieren, ob in Ihrem Fall eine Dringlichkeit besteht oder der Termin verschoben werden kann, besonders wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören.

Was kann ich als Patient tun, um meinen Zahnarzt zu schĂŒtzen?

Bei allen ErkĂ€ltungssymptomen sollten Sie momentan keine Praxis betreten. Setzen Sie sich dazu bitte mit Ihrem Arzt telefonisch in Verbindung. Aber auch fĂŒr gesunde Patienten gilt: Saubere keimfreie HĂ€nde sind fĂŒr alle Mitmenschen in Ihrer Umgebung die beste Vorsorge. Momentan ist ein schönes LĂ€cheln mehr wert als ein krĂ€ftiger HĂ€ndedruck. Nehmen Sie sich die Empfehlungen unserer Bundeskanzlerin zu Herzen und vermeiden Sie möglichst soziale Kontakte und bleiben Sie zu Hause! So schĂŒtzen Sie nicht nur uns ZahnĂ€rzte sondern auch Ihre Lieben.

Vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch, Herr Enciso!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Laura Stresing, Cem Özer, Sandra Simonsen
Von Nicole Sagener
Coronavirus
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