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"Das hat mich schon ein bisschen beunruhigt"

  • Ron Schlesinger
Von Ron Schlesinger

Aktualisiert am 15.06.2020Lesedauer: 5 Min.
Wetterprognose: Wie der Juli und August wird, zeigt oftmals die Wetterlage um den 27. Juni an.
Wetterprognose: Wie der Juli und August wird, zeigt oftmals die Wetterlage um den 27. Juni an. (Quelle: Ralph Peters/imago-images-bilder)
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Wer erfolgreich g├Ąrtnern will, muss aufs Wetter achten. Aber gelten die alten Bauernregeln in der Klimakrise noch? Und wie wird der Sommer 2020? Meteorologin Michaela Koschak schaut voraus.

Die Klimakrise ist auch in unseren G├Ąrten angekommen. Im Sommer machen uns entweder Hitze und D├╝rre oder Hagel und Starkregen das Leben zwischen Rosen, Rasen und Rotkohl schwer. Deshalb ist es gut, neue und alte Wetterph├Ąnomene zu kennen, um sich darauf einzustellen.


Wetterpflanzen

Ringelblume (Calendula officinalis): Wenn sie ihre Bl├╝ten schlie├čt, sollte man zum Regenschirm greifen.
Silberdistel (Carlina acaulis): Ihre ge├Âffnete Bl├╝te verspricht in den n├Ąchsten Stunden Sonnenschein. ├ľffnet sich die Bl├╝te selbst bei Sonne nicht, k├╝ndigt sich Regen oder ein Gewitter an.
+5

Wir haben Diplom-Meteorologin und t-online.de-Kolumnistin Michaela Koschak im Interview gefragt, auf was Gartenbesitzer und Balkong├Ąrtner achten sollten.

t-online.de: Frau Koschak, auf Eisheilige, Schafsk├Ąlte und andere Bauernregeln verlassen sich Hobbyg├Ąrtner genauso wie vor 100 Jahren. Sonst kann es passieren, dass empfindliche Pflanzen eingehen. Aber: Wie viel Wahrheit steckt in Zeiten der Klimakrise noch hinter den Volksweisheiten zum Wetter?

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Michaela Koschak: Auch wenn sich die Erdatmosph├Ąre zunehmend erw├Ąrmt, werden uns die Eisheiligen Mitte Mai oder die Schafsk├Ąlte Anfang Juni erhalten bleiben. Vielleicht bringen uns die Eisheiligen in Zukunft nicht immer Frost, aber auch bei beispielsweise f├╝nf Grad frieren einige Pflanzen und nehmen Schaden. Aber das ist wirklich schon der ber├╝hmte Blick in die Glaskugel.

Dennoch waren in diesem Jahr die Eisheiligen sehr heftig. Sind diese Schwankungen ÔÇô mit bis zu 20 Grad weniger als am Vortag ÔÇô wirklich normal oder schon die Folgen der Erderw├Ąrmung?

Diese Temperaturschwankungen gab es schon immer. Alles andere als normal sind eher die eingefahrenen Wetterlagen. Erinnern Sie sich? Von Anfang Februar bis Mitte M├Ąrz l├Âste ein Tiefdruckgebiet das n├Ąchste ab. Es war st├╝rmisch, es hat geregnet, es war sehr wechselhaft. Danach und davor hatten wir wiederum mehrere Wochen nur trockenes Hochdruckwetter. Die Klimakrise macht sich eher dadurch bemerkbar, dass Hoch- und Tiefdruckgebiete l├Ąnger an einer Stelle bleiben, weniger daran, wie frostig oder mild die Eisheiligen sind.

In der Wissenschaft gelten Bauernregeln als sogenannte meteorologische Singularit├Ąten. Was hei├čt das genau?

Singularit├Ąten sind bestimmte Wetterlagen, die fast jedes Jahr zur gleichen Zeit auftreten. Ausl├Âser der Eisheiligen, aber auch der Schafsk├Ąlte in Mitteleuropa sind ├╝brigens Kaltluftvorst├Â├če aus dem Norden. Diese entstehen, weil sich im Fr├╝hling Wasser- und Landmassen unterschiedlich stark erw├Ąrmen. Im Sommer gleichen sich diese Temperaturunterschiede an und die Luft aus dem Norden ist weniger kalt. Im Fr├╝hjahr sind diese Unterschiede aber noch sehr gro├č und die Luft kann im Mai oder Anfang Juni noch extrem kalt sein.

Der Winter ist zur├╝ck: Wenn Schneeflocken auf Fr├╝hlingsblumen liegen, sind die Eisheiligen ins Land gezogen.
Der Winter ist zur├╝ck: Wenn Schneeflocken auf Fr├╝hlingsblumen liegen, sind die Eisheiligen ins Land gezogen. (Quelle: Arnulf Hettrich/imago-images-bilder)

Eine andere Bauernregel besagt, dass der Siebenschl├Ąfertag am 27. Juni das Wetter der folgenden sieben Wochen bestimmt.

Damit kann man grob eine sogenannte Mittelfrist-Prognose abgeben. Trotzdem darf man sich dabei nicht allein den 27. Juni anschauen, sondern muss die Gro├čwetterlage Anfang Juli im Blick haben. Die Frage ist, ob sich dann ein Azorenhoch mit warm-trockenem oder die Islandtiefs mit eigentlich f├╝r unsere Region normalem, eher abwechslungsreichem durchwachsenem Sommerwetter durchsetzen.

Was macht diesen 27. Juni eigentlich so besonders?

Der Name geht urspr├╝nglich auf eine r├Âmisch-christliche Legende zur├╝ck. Viel interessanter ist aber, dass diese Bauernregel bereits vor der Gregorianischen Kalenderreform von 1582 ├╝berliefert ist. In jenem Jahr folgte auf den 4. der 15. Oktober. Zehn Tage wurden kurzerhand gestrichen. Der eigentliche Siebenschl├Ąfertag ist also streng genommen der 7. Juli. Aber wie gesagt, beim Wetter darf man nie nur auf einen Tag schauen, sondern auf die Gro├čwetterlage in dieser Zeit.

Gibt es Statistiken, ob sich die Bauernregel in den letzten Jahren best├Ątigt oder nicht best├Ątigt hat?

F├╝r Mittel- und S├╝ddeutschland ist die Siebenschl├Ąferregel gar nicht mal so schlecht, hier trifft sie zu etwa 55 bis 70 Prozent zu.

Hitzesommer: In den Jahren 2018 und 2019 gab es neben massiver Trockenheit auch reichlich Sonnenschein.
Hitzesommer: In den Jahren 2018 und 2019 gab es neben massiver Trockenheit auch reichlich Sonnenschein. (Quelle: Roland M├╝hlanger/imago-images-bilder)

Wir hatten 2018 und 2019 extrem hei├če Sommer. Wagen Sie schon eine Prognose f├╝r 2020?

Das waren in beiden Jahren schon relativ stabile Hochdruckwetterlagen. Dass diese allerdings zwei Jahre hintereinander folgten, hat mich als Meteorologin schon ein bisschen, sagen wir mal, beunruhigt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich bin gespannt auf diesen Sommer. Ich hoffe, er wird eher durchwachsen und normal mit Temperaturen von 20 bis 25 Grad. Der k├╝hle Mai hat uns ja schon einen Vorgeschmack gegeben. Es w├Ąre gut, wenn es nicht wieder so hei├č und so trocken werden w├╝rde.

Wer leidet besonders stark darunter?

Nat├╝rlich die Natur und die Landwirtschaft, aber eben auch die Pflanzen im Garten. Bei Hitze und Trockenheit muss man ja st├Ąndig gie├čen. Ich h├Ątte in meinem Garten gern einen eigenen Brunnen, doch leider ist hier, wo ich wohne, der Grundwasserspiegel zu niedrig. Aber wir haben uns eine Zisterne gebaut, um Regenwasser zu nutzen. Das spart Trinkwasser und ist obendrein nachhaltig.

Michaela Koschak: Die Diplom-Meteorologin analysiert als Kolumnistin f├╝r t-online.de regelm├Ą├čig Wetter- und Klimaph├Ąnomene.
Michaela Koschak: Die Diplom-Meteorologin analysiert als Kolumnistin f├╝r t-online.de regelm├Ą├čig Wetter- und Klimaph├Ąnomene. (Quelle: Denise Seibt)

Was raten Sie noch, um nachhaltig zu g├Ąrtnern?

Zum Beispiel seinen Komposthaufen aktivieren, weil er wunderbare Erde macht, die humusreich ist und viel Wasser speichert. Im Garten selbst Obst und Gem├╝se anbauen. Das macht Spa├č, tut der Seele gut und schmeckt auch viel besser. Obendrein ist es viel ├Âkologischer, als wenn man Erdbeeren aus S├╝dspanien kauft, die auf dem Lkw reifen und hohe Transportkosten verursachen. Oder einmal den Rasenm├Ąher im Schuppen stehenlassen. Die gute alte Sense macht's auch.

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Wie wird die Klimakrise das G├Ąrtnern noch ver├Ąndern? K├Ânnen wir bald Bananenstauden, Kiwi- und Feigenb├Ąume im Garten pflanzen?

Insgesamt werden die Winter milder werden. Es wird weniger Frosttage und weniger Schnee geben. Hier sind sich alle Klimaforscher einig. Das hei├čt f├╝r den Garten: Die Saison startet h├Ąufig fr├╝her und dauert l├Ąnger. Klingt erstmal gut. Aber die meisten Mittelmeer- oder gar Tropenpflanzen sind nicht winterhart. Frost wird es aber dennoch, wenn auch nicht jeden Winter weiterhin bei uns geben. Zudem werden die Winter regenreicher, auch das m├Âgen die meisten Mittelmeerpflanzen nicht, weil sonst die Wurzeln faulen. Aber auch ich habe in meinem Garten einen Feigenbaum gepflanzt, meine Kinder lieben Feigen und ich auch. Es ist eine recht winterharte Sorte, mal schauen. Ich hoffe, er h├Ąlt durch. Sch├Ân w├Ąre es.

Feigenbaum: Da es in Deutschland immer w├Ąrmer wird, wachsen einige Sorten auch hierzulande im Garten.
Feigenbaum: Da es in Deutschland immer w├Ąrmer wird, wachsen einige Sorten auch hierzulande im Garten. (Quelle: Panthermedia/imago-images-bilder)

Wann haben Sie ihn gepflanzt?

Erst vor vier Wochen. Ein ganz frisches Projekt. Ich kann dann in einem Jahr berichten, ob das B├Ąumchen den Winter ├╝berstanden hat.

Tr├Ągt er denn schon?

Also, es h├Ąngen exakt sieben Feigen dran.

Die Sieben gilt doch als Gl├╝ckszahl. Das kann nur gut gehen. Vielen Dank f├╝r das Gespr├Ąch, Frau Koschak.

Michaela Koschak ist Wetter- und Klimaexpertin sowie Buchautorin und kennt sich mit der Atmosph├Ąre bestens aus. Zuletzt erschien ihr Ratgeber "Klimaschutz im Alltag: Kleine Taten ÔÇô gro├če Wirkung" (2020).

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