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Handelsketten wollen bei Milch mehr auf das Tierwohl achten

Von dpa
Aktualisiert am 14.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Die gro├čen Lebensmittelh├Ąndler wollen Milch mit vier verschiedenen Tierwohl-Stufen kennzeichnen.
Die gro├čen Lebensmittelh├Ąndler wollen Milch mit vier verschiedenen Tierwohl-Stufen kennzeichnen. (Quelle: Franziska Gabbert/dpa-tmn./dpa)
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Essen/M├╝lheim (dpa) - Es wird wohl noch etliche Jahre dauern, bis im deutschen Einzelhandel nur noch Milch von gl├╝cklichen K├╝hen verkauft wird. Doch es tut sich etwas in Sachen Tierwohl bei Edeka, Aldi und Co.. Immer mehr gro├če Handelsketten in Deutschland sind dabei, Schritt f├╝r Schritt Milch aus wenig tiergerechter Haltung aus ihren K├╝hlregalen zu verbannen.

Dass die Branche das Thema f├╝r sich entdeckt, ist kein Zufall. "Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt: Die Nachfrage nach Tierwohl-Produkten w├Ąchst stetig", betonte die Aldi-Nord-Managerin Tanja Hacker. Schon im vergangenen Sommer verst├Ąndigten sich die in der Initiative Tierwohl engagierten Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels deshalb darauf, ab 2022 neben Fleisch auch Milch und Milchprodukte wie K├Ąse und Joghurt mit der Haltungsformkennzeichnung zu versehen.

Verbraucher k├Ânnen zwischen vier Tierwohl-Stufen w├Ąhlen

Mit ihren vier Stufen - 1: Stallhaltung, 2: Stallhaltung plus, 3: Au├čenklima, 4: Premium - erm├Âglicht sie es Verbraucherinnen und Verbrauchern, beim Einkauf auf den ersten Blick zu erkennen, wie hoch das Tierwohl-Niveau bei der Haltung der Nutztiere ist.

Nun machen die ersten H├Ąndler ernst. Die DiscounterAldi Nord und Aldi S├╝dk├╝ndigten an, sp├Ątestens 2030 bei ihren Eigenmarken nur noch Trinkmilch aus den tierwohlgerechteren Haltungsformen 3 und 4 anbieten zu wollen. Bereits bis 2024 will der Discounter auf Milch verzichten, bei deren Herstellung nur die gesetzlichen Mindestanforderungen an die Tierhaltung erf├╝llt werden - also auf Trinkmilch der Haltungsformstufe 1.

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Mit seinen Tierwohl-Pl├Ąnen ist Aldi nicht allein. Deutschlands gr├Â├čter Lebensmittelh├ĄndlerEdekaund dessen Discountkette Netto wollen schon im Verlauf dieses Jahres das gesamte Trinkmilch-Sortiment ihrer Eigenmarken auf die Haltungsformen 2 oder h├Âher umstellen, wie sie Anfang der Woche mitteilten. Rewe plant dies nach eigenen Angaben "bis sp├Ątestens Ende 2025".Lidlzwar nennt keine Jahreszahl, verspricht aber, dass "zuk├╝nftig" 65 Prozent des Trinkmilchsortiments aus den Haltungsformstufen 3 und 4 stammen sollen.

Tiersch├╝tzer fordern Verzicht auf Haltungsformstufe 2

DerDeutsche Tierschutzbundbegr├╝├čte die Entwicklung. "Nach dem Frischfleisch klettert der Handel nun auch bei der Milch auf der Haltungsformstufe nach oben. Dass sich etwas bewegt ist gut und wichtig", sagte der Pr├Ąsident des Verbandes, Thomas Schr├Âder. Doch m├╝sse nun auch z├╝gig der Verzicht auf die aus Tierschutzsicht ebenfalls unzureichendeHaltungsformstufe 2, die eine saisonale Anbindehaltung der K├╝he zul├Ąsst, folgen, verlangte der Tiersch├╝tzer. "Hier k├Ânnte der Handel noch st├Ąrker, noch konsequenter vorangehen."

AuchGreenpeacebegr├╝├čte die geplanten Schritte. "Die gro├čen Supermarktketten haben sich Ziele gesetzt, um zumindest Produkte aus den schlechtesten Haltungsbedingungen nach und nach aus ihren Sortimenten zu verbannen", sagte der Landwirtschaftsexperte der Umweltschutzorganisation, Martin Hofstetter. Doch reiche dies bei weitem nicht aus. Die neue Bundesregierung m├╝sse nun endlich die Bedingungen f├╝r den ├╝berf├Ąlligen Umbau der Landwirtschaft schaffen. "Den notwendigen Wandel kann und wird der Markt allein nicht stemmen."

Der Deutsche Bauernverband betonte, die Milchviehhalter seien bereit, sich neuen Erwartungen ans Tierwohl zu stellen. Der Vize-Pr├Ąsident des Verbandes, Karsten Schmal, forderte aber, dass bei der Umstellung R├╝cksicht auf die M├Âglichkeiten der Bauern genommen werde und auch die h├Âheren Kosten gedeckt w├╝rden. Den Milchviehhaltern mit ganzj├Ąhriger Anbindehaltung eine kurzfristige Auslistung anzudrohen, sei nicht der richtige Weg. "Damit werden vor allem kleinere Familienbetriebe ins Aus gedr├Ąngt", warnte er. Auch wenn diese Haltungsform kein Zukunftsmodell sei, bestehe keine realistische M├Âglichkeit, innerhalb weniger Monate auf andere Haltungssysteme umzustellen.

Foodwatch beklagt Missst├Ąnde beim Tierschutz

Kritik kam von der Verbraucherorganisation Foodwatch. "Die Ank├╝ndigungen der Handelsketten ├Ąndern nicht das Geringste an den eklatanten Missst├Ąnden beim Tierschutz, die in der deutschen Landwirtschaft nach wie vor herrschen", hie├č es da. Verbraucherinnen und Verbraucher k├Ânnten das "kranke System" mit dem Griff zur h├Âheren Haltungsstufe nicht heilen. Dringend notwendig sei vielmehr eine "Tiergesundheitsstrategie" und gesetzliche Verbesserungen des Tierschutzes auf europ├Ąischer Ebene.

Etwa 87 Prozent aller Milchk├╝he in Deutschland werden nach Angaben des Bundesinformationszentrums in offenen Laufst├Ąllen gehalten. Aber auch die Anbindehaltung, die in fr├╝heren Zeiten die Regel war, gibt es heute noch in rund 13 Prozent der Betriebe. Sie ist meist in sehr kleinen Milchbetrieben zu finden, vorwiegend im S├╝den Deutschlands. Etwa jede neunte Milchkuh wird in einem Anbindestall gehalten. Nur knapp 31 Prozent der deutschen Milchk├╝he haben im Schnitt etwa sechs Monate pro Jahr Weidegang.

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