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Wenn das Internet fĂŒr Kinder zur Droge wird

dpa, Christina Sticht

Aktualisiert am 26.02.2016Lesedauer: 5 Min.
ComputersĂŒchtig: Spielen, surfen, chatten - manche Kinder und Jugendlichen entwickeln ein regelrechtes Suchtverhalten.
Spielen, surfen, chatten - manche Kinder und Jugendlichen entwickeln ein regelrechtes Suchtverhalten. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Die Augen kleben am Monitor, Mutter und Vater haben nichts zu melden. Viele Eltern verzweifeln, wenn ihr Nachwuchs stĂ€ndig am spielen oder chatten ist und fragen sich: Ist mein Kind computersĂŒchtig? BefĂŒrworter von digitalen Spielen werben um die Anerkennung als Kulturgut, doch Psychologen und Mediziner warnen vor der Suchtgefahr. Vier Prozent der 14- bis 16-JĂ€hrigen gelten als InternetsĂŒchtig.

Es ist so Ă€hnlich wie beim Alkohol: Millionen von Menschen trinken regelmĂ€ĂŸig Bier und Wein, ohne Probleme zu bekommen. Nicht einmal ein Prozent wird abhĂ€ngig, fĂŒr sie endet die Sucht im schlimmsten Fall jedoch tödlich. Der Kinder- und Jugendpsychiater Christoph Möller hat tĂ€glich mit internetabhĂ€ngigen Jugendlichen zu tun. Er ist Chefarzt im Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult in Hannover. GegenĂŒber dem HauptgebĂ€ude liegt "Teen Spirit Island", eine Station fĂŒr junge DrogenabhĂ€ngige. Von den 18 TherapieplĂ€tzen sind seit 2010 sechs fĂŒr Internet- und ComputerspielsĂŒchtige reserviert.

Mehr Anerkennung als im echten Leben

Die Patienten sind ĂŒberwiegend 15- bis 17-jĂ€hrige Jungen. "Im Internet finden sie Erfolge, Beziehungen und Anerkennung, was ihnen im realen Leben bisher kaum gelungen ist", sagt der Mediziner.

Am ersten Tag mĂŒssen sie den Draht zu ihrem frĂŒheren Leben kappen. Das Handy wird ihnen abgenommen, Spielkonsolen und PC sind tabu, nur am Abend gibt es eine begrenzte Fernsehzeit. Grenzen setzen, Strukturen schaffen, Kochen, Werken, Sport und schließlich Schule. So sieht die Therapie aus.

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Suchtexperte: Im Kinderzimmer keine Bildschirme erlauben

Die PrĂ€vention mĂŒsste nach Möllers Überzeugung frĂŒhzeitig in den Familien beginnen. Der Mediziner sieht keinen Sinn darin, Vorschulkinder und GrundschĂŒler an Computer heranzulassen. "Medienkompetenz beginnt mit Medienabstinenz. Kinderzimmer gehören komplett bildschirmmedienfrei", betont er. Je lĂ€nger Jungen und MĂ€dchen vor der Flimmerkiste sitzen, desto schlechter seien ihre Schulleistungen.

Marvins Leben spielte sich nur noch vor dem Computer ab

Online-Rollenspiele oder Echtzeit-Strategiespiele bestimmten zehn Jahre den Alltag von "Marvin", der seinen wahren Namen nicht nennen will. Tag und Nacht verbrachte er vor dem Computer. "Man verliert sich, weil man große Begeisterung entwickelt. Man hat auch viel zu lachen", erzĂ€hlt der inzwischen 31-JĂ€hrige in der AbhĂ€ngigenambulanz der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Doch was ihn beglĂŒckte, machte ihm gleichzeitig das Leben zur Hölle.

Sein Studium lag weitgehend brach, und an Erfahrungen mit MÀdchen mangelte es ihm völlig. Irgendwann habe er sich eingestanden: "Du verhÀltst dich sehr Àhnlich wie jemand, der ein ernsthaftes Drogenproblem hat."

In kleinen Schritten lernt er nun in der AbhĂ€ngigenambulanz der niedersĂ€chsischen Uniklinik, sich von seinem Lieblingsspielzeug zu lösen. Als Alternative hat er Laufen und Fitness entdeckt, das hilft in depressiven Phasen. Besser geht es ihm noch nicht unbedingt, trotz der regelmĂ€ĂŸigen Einzel- und Gruppentherapie. "Wenn ich im realen Leben jetzt Positives erlebe, Ă€rgere ich mich, weil ich das alles schon viel frĂŒher hĂ€tte erleben können", sagt der Student.

Internetsucht gilt in Deutschland noch nicht als Krankheit

Der Fachverband MedienabhĂ€ngigkeit kĂ€mpft fĂŒr eine Anerkennung der Computerspiel- und Internetsucht als psychische Krankheit. Im DiagnoseschlĂŒssel der Weltgesundheitsorganisation ICD-10, nach dem Ärzte und Psychologen in Deutschland abrechnen, kommt die PC-AbhĂ€ngigkeit bisher nicht vor. Das amerikanische Handbuch DSM-5 hat 2013 erstmals Kriterien zur Diagnose einer Computerspielsucht aufgestellt, aber deutlich gemacht, dass es zur Anerkennung als Krankheit weiterer Forschung bedarf.

Vier Prozent der 14- bis 16-JĂ€hrigen kommen nicht vom Daddeln los

Nach der neuesten deutschen Studie zur InternetabhĂ€ngigkeit (Pinta-Diari) im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums ist etwa ein Prozent der Bevölkerung zwischen 14 und 64 Jahren betroffen. Bei den 14- bis 24-JĂ€hrigen gelten 2,4 Prozent und bei den 14- bis 16-JĂ€hrigen sogar vier Prozent als sĂŒchtig. Etwas mehr MĂ€dchen als Jungen sind betroffen.

Wie lange jemand spielt oder sich in sozialen Netzwerken aufhÀlt, ist nach den DSM-5-Kriterien nicht allein ausschlaggebend. Problematisch wird es, wenn beispielsweise Entzugssymptome, Kontrollverlust und die TÀuschung Nahestehender hinzukommen.

Soziale Netzwerke ĂŒben Sogwirkung auf MĂ€dchen aus

Ein ĂŒberraschendes Ergebnis der 2013 abgeschlossenen Pinta-Studie ist, dass mehr MĂ€dchen als Jungen betroffen sind. Sie verlieren sich eher in sozialen Netzwerken, wĂ€hrend die Jungen sich von Online-Rollenspielen fesseln lassen. Um die Probleme bei den MĂ€dchen in den Griff zu bekommen, ist Möller zufolge nach den bisherigen Erfahrungen aber in der Regel kein stationĂ€rer Aufenthalt in der Jugendpsychiatrie notwendig.

Therapie wird nur ĂŒber Umweg von Krankenkassen bezahlt

Bundesweit bietet inzwischen eine Vielzahl an Kliniken eine Therapie fĂŒr MediensĂŒchtige an. Mit den Kassen wird in der Regel ĂŒber parallel auftretende Krankheiten wie Depressionen oder Schlafstörungen abgerechnet. Das sei ein großer Nachteil, kritisiert Andreas Gohlke, Vorsitzender des Fachverbandes MedienabhĂ€ngigkeit. Jugend- und Suchtberatungen hĂ€tten wegen der noch ausstehenden Anerkennung als Krankheit kein Budget fĂŒr den Bereich Internetsucht zur VerfĂŒgung.

Sind Computerspiele so harmlos wie Romane?

Ist MedienabhĂ€ngigkeit also tatsĂ€chlich eine Krankheit, möglicherweise gar die Sucht des 21. Jahrhunderts? Oder aber stehen am Anfang psychische Krankheiten wie Depressionen oder soziale Phobien, die die Betroffenen dazu verleiten, sich in virtuelle Welten zu flĂŒchten? Ist das Zocken damit nur ein Ventil?

"Computerspiele sind keine Krankmacher, kein Gefahrengut", betont der Jugendschutzbeauftragte des Spieler-Herstellers Electronic Arts, Martin Lorber. In Deutschland gebe es eine lange Tradition, neue Medien zu verteufeln.

Ende des 18. Jahrhunderts, mit wachsender PopularitĂ€t von Romanen, wurde vor einer Lesesucht der Frauen gewarnt. Auch Radio und Fernsehen hatten zunĂ€chst einen schweren Stand. Doch bis heute fehlen eindeutige wissenschaftliche Belege dafĂŒr, dass Gewaltdarstellungen aggressiv machen oder dass Fans von Killerspielen hĂ€ufiger als Nicht-Spieler als Gewaltverbrecher oder gar AmoklĂ€ufer enden.

"Digitale Spiele nicht als Babysitter missbrauchen"

Die FĂŒrsprecher der digitalen Spiele setzen sich fĂŒr die Anerkennung als Kulturgut ein. Benjamin Rostalski war Spielesichter der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und arbeitet jetzt fĂŒr die 2012 gegrĂŒndete Stiftung Digitale Spielkultur. "Viele Spiele sind kulturell wertvoll", betont er.

Auch fĂŒr Kinder gebe es gute Apps. Es sei nun einmal RealitĂ€t, dass sich schon Zwei- bis FĂŒnfjĂ€hrige mit dem iPad beschĂ€ftigen. "Ganz wichtig ist es, das mit den Kindern zusammen zu machen und sie dabei zu beobachten - wie beim Vorlesen", sagt Rostalski. "Digitale Spiele dĂŒrfen nicht als Babysitter missbraucht werden."

Medienerziehung ist die Aufgabe der Eltern

In diesem Punkt sind die Suchtforscher und Psychologen gar nicht so weit entfernt von der Unterhaltungssoftware-Branche: Beide sehen in erster Linie die Eltern in der Pflicht, die nicht erst einschreiten sollten, wenn der Nachwuchs in der PubertÀt ist und sich nichts mehr sagen lassen will. Alle Spielkonsolen hÀtten die technischen Voraussetzungen, die Altersfreigabe und das Zeitbudget festzulegen, betont Martin Lorber vom Spieleanbieter Electronic Arts. "Eltern können es so einrichten, dass sich die GerÀte jeden Tag nach einer vereinbarten Zeit von selber abschalten."

Internetsucht-Checkliste fĂŒr Eltern

Die EU-Initiative fĂŒr mehr Sicherheit im Netz bietet auf der Website klicksafe.de fĂŒr Eltern eine BroschĂŒre zu Internet- und ComputerspielabhĂ€ngigkeit an. Sie enthĂ€lt eine Checkliste, die Eltern einen ersten Anhaltspunkt geben können, ob ihr Kind gefĂ€hrdet ist. Wenn drei oder mehr Merkmale zutreffen, sollten Eltern reagieren und gegebenenfalls professionelle Hilfe suchen.

  • die Gedanken des Kindes kreisen auch bei anderen BeschĂ€ftigungen stĂ€ndig um Computer, Internet oder Spielkonsole
  • das Kind spielt und surft bis tief in die Nacht
  • dem Kind fĂ€llt es schwer, die Zeit vor dem Bildschirm zu begrenzen
  • das Kind reagiert gereizt, wenn es auf Computer, Internet oder Spielkonsole verzichten muss
  • es zieht sich immer mehr von Familie und Freunden zurĂŒck
  • Internetnutzung verdrĂ€ngt andere Interessen und Hobbies
  • die Leistungen in der Schule haben sich deutlich verschlechtert
  • das Kind verzichtet auf Mahlzeiten, um am Computer zu bleiben
  • es hat stark ab- oder zugenommen und wirkt ĂŒbermĂŒdet
  • das Kind reagiert GefĂŒhle wie Ärger oder Frust mit Computerspielen ab
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