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Kinder spielen immer seltener in der freien Natur

Von t-online, dpa
17.08.2015Lesedauer: 2 Min.
Ein Junge klettert auf einen Baum - eine Erfahrung, die heute nur noch jedes zweite Kind machen darf.
Ein Junge klettert auf einen Baum - eine Erfahrung, die heute nur noch jedes zweite Kind machen darf. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Für viele Kinder ist es nicht mehr selbstverständlich, in der freien Natur zu spielen. "Viele Jungen und Mädchen haben Angst vor Schmutz und frei lebenden Tieren", sagt die Wildnispädagogin Judith Wilhelm. Jedes zweite Kind zwischen vier und zwölf Jahren ist noch nie auf einen Baum geklettert. Das ergab eine Emnid-Umfrage der Deutschen Wildtier Stiftung.

Im Jahr 1990 gaben noch drei Viertel aller Kinder an, den größten Teil ihrer Freizeit draußen zu verbringen. Heute sieht das vollkommen anders aus. Bis zu sechs Stunden täglich sitzen Kinder und Jugendliche vor Computern, Fernsehern, Smartphones. 22 Prozent haben noch nie ein frei lebendes Tier gesehen.

Eltern finden draußen Spielen gefährlich

"Einer der Gründe könnte die neue Ängstlichkeit der Eltern sein", sagt Michael Miersch vom Forum Bildung Natur. Die Mehrheit findet es gefährlich, ihr Kind im Wald spielen zu lassen. Für die Umfrage der Deutschen Wildtier Stiftung legte das TNS-Emnid-Institut 1000 Eltern folgende Frage vor: "Eine Mutter erlaubt ihrem zehnjährigen Sohn, mit einem Freund im Wald zu spielen. Die Mutter des Freundes ist dagegen. Sie findet, das ginge nur, wenn ein Erwachsener auf die Kinder aufpasst. Wer hat Ihrer Meinung nach Recht?". 53 Prozent der Befragten stimmten der ängstlichen Mutter zu.

Dabei haben die meisten Eltern in ihrer Kindheit die Abenteuer noch erlebt, die sie heute ihren Kindern verwehren. Die neue elterliche Behütung bewirkt, dass immer weniger Kinder draußen Zeit verbringen können. Statt freien Nachmittagen an der frischen Luft gibt es Sport- und Musikkurse mit der Mutter oder dem Vater als Chauffeur. Heutige Eltern haben Angst vor Gewaltverbrechen und Unfällen, wenn sie ihre Kinder unbeaufsichtigt nach draußen lassen.

Kinder sind immer seltener unbeaufsichtigt

Diese Entwicklung hat zur Folge, dass der Aktionsradius von europäischen und amerikanischen Kindern seit Jahren schrumpft. In einer britischen Studie gab mehr als die Hälfte von 1000 befragten Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren an, nicht ohne Aufsicht im nahen Park spielen oder auf einen Baum klettern zu dürfen. Mittlerweile profitiert auch die Industrie von derlei Ängsten. Kinderarmbanduhren mit integriertem GPS, Kinderhandys oder spezielle Ortungs-Apps für Smartphones geben den Eltern die Möglichkeit, jede Bewegung ihrer Sprösslinge zu verfolgen.

Wildniscamps und Waldkindergärten

Wer seinen Kindern dennoch Naturerfahrung vermitteln möchte, kann gegensteuern: In Waldkindergärten sind die Kleinen immer draußen, zu jeder Jahreszeit. Unterschlupf, beispielsweise in einem Bauwagen, wird nur bei extremstem Wetter gesucht. An den Wochenenden bieten sich Familienausflüge an, am besten mit viel Muße zum Herumtrödeln und Experimentieren. Wer einmal beobachtet hat, wie Kinder einen ganzen Tag selbstvergessen an einem kleinen Bachlauf im Wald buddeln und später mit Begeisterung am Lagerfeuer Stockbrot backen, der spart sich gerne den teuren Eintritt für Freizeitparks und Indoor-Spielplätze.

Für Kinder im Schulalter gibt es Feriencamps in der freien Natur, Wildnis-Nachmittage oder auch waldpädagogische Angebote. Hier können die Kinder reichlich Naturerfahrungen sammeln, sie dürfen klettern, Feuer machen, matschen, in Bächen spielen und Wildtiere beobachten.

Zahlreiche Studien belegen die Wichtigkeit von solchen Naturerlebnissen: sie machen Kinder motorisch fitter, konzentrierter, sozialer und selbstbewusster.

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  • Claudia Zehrfeld
Von Claudia Zehrfeld
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