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Gabriele wurde von ihrer narzisstischen Mutter gequ├Ąlt und gedem├╝tigt

t-online, Simone Bla├č

01.03.2016Lesedauer: 4 Min.
M├╝tter mit narzisstischer Pers├Ânlichkeitsst├Ârung neigen dazu, ihre Kinder zu dem├╝tigen. So hat es Gabriele Nicoleta erlebt, die Autorin von "Das Gift der Narzisse"
M├╝tter mit narzisstischer Pers├Ânlichkeitsst├Ârung neigen dazu, ihre Kinder zu dem├╝tigen. So hat es Gabriele Nicoleta erlebt, die Autorin von "Das Gift der Narzisse" (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Einen liebevoll gestalteten Kindergeburtstag gab es nie. Daf├╝r den eigenen Hasen als Sonntagsbraten, serviert mit einem Grinsen. Gabriele Nicoleta ist die Tochter einer narzisstischen Mutter und Autorin einer Biografie zu diesem Thema: "Das Gift der Narzisse". Sie macht auf ein Leid von Kindern aufmerksam, das oft verborgen bleibt.

Stellt man eine Narzisse mit anderen Blumen in eine Vase, l├Ąsst deren Gift sie verwelken. Narzisstische M├╝tter vergiften die Seelen ihrer Kinder - meist so subtil, dass ihr Umfeld ihr Vorgehen nicht durchschaut. "Eine Mutter, die ihrem Kind absichtlich schadet, will sich keiner vorstellen", fasst es Gabriele Nicoleta zusammen. Solche Menschen sind psychisch krank - mit gravierenden Folgen f├╝r ihre Kinder.

Die Kinder haben dauernd Schuldgef├╝hle

Narzisstische M├╝tter haben eine reine Fassade. Kritik tarnen sie als Sorge, mit Vergleichen setzen sie ihre Kinder ganz unauff├Ąllig herab, und Grausamkeiten ├Ąu├čern sie nur dann offen, wenn es kein anderer mitbekommt. Ohne auch nur ein Wort zu sagen, vermitteln sie ihren Kindern nur durch den Klang der Stimme, ihr Auftreten oder Blicke, was ihnen bl├╝hen wird. Die Folge sind Angst und das dauernde Gef├╝hl des Kindes, im Unrecht zu sein, schuld zu sein, schlecht zu sein.

"Deine H├Ąnde sind so hei├č wie die H├Âlle"

"Diese Frauen haben den Zwang, ihre Kinder so zu behandeln. Ein Mensch mit einer narzisstischen Pers├Ânlichkeitsst├Ârung muss sich st├Ąndig beweisen, dass andere weniger wert sind. Und das schw├Ąchste Glied in der Kette ist das eigene Kind", wei├č Gabriele heute. Im Gespr├Ąch mit t-online.de erinnert sie sich: "Ich war immer das schwarze Schaf. Liebe habe ich von meiner Mutter nie erfahren. Sie wollte mich nicht einmal an die Hand nehmen, sagte mir immer, meine H├Ąnde seien so hei├č wie die H├Âlle, aus der ich k├Ąme."

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Das goldene Kind und der S├╝ndenbock

Gabriele Nicoleta hat viele Jahre gebraucht, um zu erkennen, dass nicht sie das Problem ist, sondern die Mutter. Tausendmal h├Ârte die heute F├╝nfzigj├Ąhrige in ihrer Kindheit, dass sie b├Âse und schlecht, egoistisch, gemein und verlogen sei, dass sie es nicht wert sei, geliebt zu werden. Wohingegen ihr Bruder Tony die Rolle des Engels hatte. Die Einteilung der Kinder in Gut und Schlecht ist typisch f├╝r Familien mit narzisstischen M├╝ttern. Die Mutter projiziert so unbewusst ihre eigenen Pers├Ânlichkeitsanteile auf die Kinder.

Fr├╝her beneidete Gabriele ihren Bruder. Sie w├Ąre gerne nur einmal von der Mutter auch so liebevoll angesehen worden, h├Ątte nur einmal auch auf ihrem Scho├č sitzen wollen. Aber sp├Ąter erkannte sie, dass Tony es nicht einfacher hatte als sie: "Er hat mir dann nur noch leid getan. Denn das sogenannte 'goldene Kind' muss den W├╝nschen der Mutter folgen, ihre L├╝gen best├Ątigen. Macht es das nicht, kehrt sich die Sache schnell ins Gegenteil." Und was das bedeutet, k├Ânnen die bevorzugten Kinder t├Ąglich an ihren S├╝ndenbock-Geschwistern beobachten.

"Wie eine Spinne, die im Netz lauert"

Gabriele hat Dem├╝tigungen erlebt, die ihr Leben pr├Ągen. Als ihr Mann Christian in einem Artikel auf das Ph├Ąnomen der narzisstischen Pers├Ânlichkeitsst├Ârung stie├č, sp├╝rte sie ein Gef├╝hlt von Befreiung - aber auch Entt├Ąuschung, weil es nie zu einer Vers├Âhnung kommen kann. Von ihrer Mutter keine Einsicht erwarten zu k├Ânnen, sei wie ein Schlag ins Gesicht.

Die Autorin vergleicht ihre narzisstische Mutter immer wieder mit einer "Spinne, die im Netz lauert". In diesem Netz sind nicht nur sie und ihr Bruder, sondern auch andere Familienangeh├Ârige gefangen: Der Vater, der seinen Kummer in Alkohol ertr├Ąnkt und sich irgendwann auf grauenvolle Weise umbringt. Die Gro├čmutter, die ihre Tochter durchschaut, aber nichts unternehmen kann.

Die Oma sorgt daf├╝r, dass, Gabrieles Seele auch mal Aufwind bekommt. Sie war eine St├╝tze in Gabrieles Leben, ebenso die Tante. Bei ihr und ihrem Mann konnte sie sich f├╝hlen wie ein Kind mit einer normalen Kindheit. "Wie oft habe ich davon getr├Ąumt, wie es wohl gewesen w├Ąre, wenn ich ihre Tochter h├Ątte sein k├Ânnen."

Kinder narzisstischer Eltern lernen nicht, was Liebe ist

Heute ist Gabriele ├╝berzeugt davon, dass es die liebevolle Saat jener Menschen war, die in ihr keimen konnte, als sie selbst Mutter wurde. In ihrem Buch schreibt sie ├╝ber Ihre Gedanken, als sie erfuhr, dass sie schwanger sei: "Nie w├╝rde ich mein Kind auch nur einen Tag so behandeln, wie meine Mutter mich behandelt hat und noch immer behandelte. Das schwor ich mir."

Deswegen achtete sie bei ihren drei Kindern akribisch darauf, das Gegenteil von dem zu machen, was ihre eigene Mutter getan h├Ątte. "Ich habe meinen Kindern immer meine ganze Liebe gegeben. Ich wollte, dass sie wissen, dass sie mir vertrauen k├Ânnen, dass ich sie in ihren Gef├╝hlen ernst nehme, dass ich sie liebe." Trotzdem war sie sich viele Jahre nicht sicher, ob das, was sie von ihren beiden S├Âhnen zur├╝ckbekam, wirklich Liebe war. Die Vorstellung, dass jemand sie lieben k├Ânnte, war f├╝r sie absurd.

Erst durch ihre Tochter ├Âffneten sich die Schleusen: "Es liegt sicher daran, dass Jessi ein M├Ądchen ist. Ich erkenne mich in ihr wieder und es tut mir so gut, wenn sie strahlt. Das gibt mir ein St├╝ck Kindheit zur├╝ck."

Gabriele ist es gelungen, sich von den Mustern der Mutter zu l├Âsen. Ein schwerer und schmerzhafter Prozess. Denn selbst ├╝ber ihren Tod hinaus hat die Mutter sie noch auf perfide Art gedem├╝tigt. "Aber ich will nicht mit Hass und Wut leben, das raubt mir die Energie", sagt sie.

Sch├Ątzungsweise vier Prozent der Menschen betroffen

Wie viele Menschen von einer narzisstischen St├Ârung betroffen sind, l├Ąsst sich schwer sch├Ątzen. Laut Gabriele Nicoleta halten Fachleute etwa vier Prozent f├╝r realistisch. "Eine sehr schwierige Situation", meint ihr Mann Christian, der sich seit Jahren mit dem Thema besch├Ąftigt, um seiner Frau zu helfen."Man kann eigentlich nur den betroffenen Kindern klar machen, dass man mitbekommen hat, was sie erleben. Damit sie wissen, an wen sie sich in der Not wenden k├Ânnen." Jemand, der ihnen glauben wird.

Buchtipp: Gabriele Nicoleta, "Das Gift der Narzisse", Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 978-3-86265-535-9

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