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Buß- und Bettag: Nur in einem Bundesland ist am 18. November Feiertag

Nur in Sachsen  

Warum der Buß- und Bettag kein Feiertag mehr ist

11.09.2020, 12:41 Uhr | nk, anni, t-online, cch

Buß- und Bettag: Nur in einem Bundesland ist am 18. November Feiertag. Eine Frau in der Kirche: Am Buß- und Bettag, zum Ende des Kirchenjahres, steht die Besinnung der Gläubigen im Mittelpunkt. (Quelle: Getty Images/kadirdemir)

Eine Frau in der Kirche: Am Buß- und Bettag, zum Ende des Kirchenjahres, steht die Besinnung der Gläubigen im Mittelpunkt. (Quelle: kadirdemir/Getty Images)

Nur einige Jahre lang war der Buß- und Bettag im Nachkriegsdeutschland ein gesetzlicher Feiertag. 1995 wurde der letzte Mittwoch im evangelischen Kirchenjahr als arbeitsfreier Tag abgeschafft. Erfahren Sie hier, warum.

Der Buß- und Bettag ist neben Aschermittwoch und Karfreitag einer der drei großen Bußtage innerhalb des Kirchenjahres. An diesem Tag denken Christen gemeinsam über ihre Sünden nach – der einzelne beschäftigt sich also nicht nur mit seinen Fehlern, sondern auch mit jenen im gesellschaftlichen Leben. Die Kirche will mit diesem Tag die ganze Gesellschaft zur Besinnung rufen.

An diesem Tag ist Buß- und Bettag

Den Buß- und Bettag gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts. Er fällt traditionell auf den Mittwoch vor dem Totensonntag, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. Er findet also Ende November statt. Für die meisten beginnt er erst nach Feierabend. Die einzige Ausnahme bildet das Bundesland Sachsen. Hier ist der Buß- und Bettag bis heute ein gesetzlicher Feiertag. Im Jahr 2020 fällt der Buß- und Bettag auf Mittwoch, den 18. November.

An welchem Datum ist Buß- und Bettag?
2020: 18. November
2021: 17. November
2022: 16. November
2023: 22. November
2024: 20. November

In den anderen Bundesländern ist der Buß- und Bettag kein Feiertag – nicht mehr. Denn im Jahr 1995 wurde in Deutschland die Pflegeversicherung als Pflichtversicherung eingeführt, was zur Folge hatte, dass Arbeitgeber finanziell stärker belastet wurden. Zum Ausgleich schaffte die Politik ein Jahr zuvor den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag ab – gegen den Widerstand der Kirche. Viele evangelische Christen in Deutschland begehen den Feiertag trotzdem, denn es gibt Ausnahmeregelungen.

Nur in Sachsen noch Feiertag

Für den Erhalt des Buß- und Bettags hatte sich in Sachsen die damalige Landesregierung eingesetzt. Zum Nulltarif gibt es den arbeitsfreien Tag jedoch nicht. Als Ausgleich zahlen die sächsischen Arbeitnehmer 0,5 Prozent ihres Brutto-Gehaltes mehr in die Pflegeversicherung ein. Manche gehen davon aus, dass dieser Beitrag die Kosten für den zusätzlichen Feiertag sogar übersteigen. Arbeitnehmer könnten für den Feiertag also sogar draufzahlen.

Kritisiert wird diese Regelung auch, weil mehr als drei Viertel der Bevölkerung Sachsens überhaupt keiner Konfession angehören. Eine Wahlmöglichkeit haben konfessionslose sächsische Arbeitnehmer nicht.

Regelungen anderer Bundesländer: Bayern und Berlin

Obwohl der Buß- und Bettag offiziell abgeschafft wurde, ermöglichen die Feiertagsgesetze der meisten anderen Bundesländer Arbeitnehmern unter Berufung auf religiöse Pflichten, an diesem Tag freizunehmen. Urlaub müssen diese Arbeitnehmer hierfür nicht einreichen. Stattdessen verzichten sie am Buß- und Bettag auf ihren Lohn.

In Bayern und in Berlin gibt es zudem für Schüler Ausnahmeregelungen. An bayerischen Schulen haben alle Schüler am Buß- und Bettag schulfrei. Die meisten Kindergärten haben dann auch geschlossen. In Berlin können Schüler evangelischer Konfession selbst entscheiden, ob sie an diesem kirchlichen Feiertag die Schule besuchen oder nicht.

Ursprung in Straßburg: Erster protestantischer Buß- und Bettag 1532

Bereits in der römischen Antike setzte man auf Bußtage, um die Götter durch Opfergaben gnädig zu stimmen, etwa für eine ertragreiche Ernte. Die protestantische Kirche führte den Buß- und Bettag 1532 in Straßburg ein. Damals herrschte die Angst vor den Folgen der Türkenkriege.

Im Jahr 1878 gab es in 28 deutschen Ländern 47 verschiedene Buß- und Bettage an 24 Tagen, berichtet die Evangelische Landeskirche in Baden. Erst 1934 vereinheitlichte die evangelische Kirche den Feiertag, indem sie ihn auf den letzten Mittwoch des Kirchenjahres legte, also den Mittwoch vor dem Totensonntag.

Wurde der Buß- und Bettag während des Zweiten Weltkrieges auf einen Sonntag verlegt, so erhielt der Tag ab 1950 seinen Platz am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag wieder zurück. In der DDR wurde der Buß- und Bettag im Jahr 1966 allerdings abgeschafft. In der BRD bestand er zwar weiter, wurde aber erst wieder 1981 als bundesweit einheitlicher gesetzlicher Feiertag begangen.

Nach der Wiedervereinigung 1990 war der Buß- und Bettag in allen Bundesländern ein Feiertag, ehe er 1995 mit Ausnahme von Sachsen wieder gestrichen wurde.

Bedeutung in der heutigen Zeit

Die Bedeutung des Buß- und Bettages hat sich mit der Zeit etwas verschoben. Im Fokus liegen heute die Besinnung der Gläubigen auf sich selbst und ihre Verantwortung gegenüber Gott. Die Buße besteht nicht darin, begangene Sünden wiedergutzumachen. Es geht vielmehr darum, seine eigenen Fehler zu erkennen und Reue zu zeigen.

Zudem gehört es heute auch zum Buß- und Bettag, auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Dabei steht Gottes Gnade im Mittelpunkt. Die evangelische Kirche nutzt diesen Anlass, um Ungerechtigkeiten in der Welt aufzuzeigen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Evangelische Landeskirche in Baden: "Buß- und Bettag: Ein Tag zum Innehalten"
  • Evangelisch.de: "Das soll Buß- und Bettag"
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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