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Darum fehlt Kleinkindern das Verständnis für andere

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Darum können sich Kleinkinder noch nicht in andere Menschen hineinversetzen

24.07.2019, 16:25 Uhr | dpa, cch

Darum fehlt Kleinkindern das Verständnis für andere. Ein Mädchen spricht mit seinem jüngeren Bruder: Kinder können die Gedanken anderer erst mit etwa vier Jahren nachempfinden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Symbolbild/Lordn)

Ein Mädchen spricht mit seinem jüngeren Bruder: Kinder können die Gedanken anderer erst mit etwa vier Jahren nachempfinden. (Quelle: Symbolbild/Lordn/Thinkstock by Getty-Images)

Erst mit etwa vier Jahren können sich Kinder in andere Menschen hineinversetzen. Zuvor sind sie dazu nicht fähig. Hirnforscher haben eine mögliche Ursache dafür gefunden.

Im menschlichen Gehirn bildet sich im Alter von etwa vier Jahren eine entscheidende, bis dahin fehlende Faserverbindung heraus. Das berichten Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften im Fachmagazin "Nature Communication".

Forscher führten zwei Tests zur Theory of Mind bei Kleinkindern durch

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler 43 Kinder im Alter von drei und vier Jahren untersucht. Sie machten mit ihnen zwei Standardtests zur sogenannten Theory of Mind. In den Kognitionswissenschaften beschreibt diese Theorie die Fähigkeit, zu verstehen, dass andere Menschen etwas anderes denken als man selbst und dass andere Menschen sich irren können.

In einem der Tests wurde zum Beispiel vor den Augen der Kinder eine Schokoladenbox mit Stiften gefüllt. Dann wurden sie gefragt, was andere wohl in der Box vermuten würden. Die Dreijährigen antworteten "Stifte", die Vierjährigen "Schokolade".

Dreijährigen fehlt eine Verbindung im Gehirn

Der Durchbruch in der Entwicklung hängt offenbar damit zusammen, dass bei Dreijährigen eine wichtige Verbindung im Gehirn noch nicht weit genug gereift ist – der sogenannte Fasciculus Arcuatus zwischen einer Region im hinteren Schläfenlappen und einem Areal im Frontallappen im vorderen Großhirn.

Die erstgenannte Region hilft uns laut den Studienautoren, über andere Menschen und deren Gedanken zu sinnieren. Die zweite wird der Fähigkeit zugeordnet, Dinge auf verschiedene Abstraktionsebenen zu heben und zu verstehen, was Gedanken anderer sind und was die Wirklichkeit ist.

Die Verbindung zwischen diesen beiden Hirnregionen dient als eine Art "Datenautobahn". Erst wenn diese vorhanden ist, fangen Kinder an, die Gedanken von anderen Menschen nachzuvollziehen. Mit Hilfe einer MRT (Magnetresonanztomographie) konnten die Forscher zeigen: "Den Dreijährigen fehlte die Verbindung, die Vierjährigen hatten sie", so Erstautorin Grosse-Wiesmann.


Studienergebnisse könnten auch für Autismus-Forschung von Relevanz sein

Die neue Verbindung im Gehirn unterstützt die Fähigkeit des Verstehens anderen Menschen laut der Studie auch unabhängig davon, wie gut andere geistige Fähigkeiten wie Intelligenz oder Sprachverständnis ausgeprägt sind.

Die Ergebnisse könnten auch interessant sein für die weitere Forschung zu Autismus und anderen neuropsychologischen Erkrankungen, so Forscherin Grosse-Wiesmann. "Beim Autismus ist bekannt, dass genau diese Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, gestört ist und dass es Probleme mit Hirnverbindungen gibt." Ob aber bei Autisten tatsächlich die von den Leipzigern beschriebene Faserverbindung gekappt ist, müsse noch untersucht werden.

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