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Lehrerverband: "Neue Schulfächer lösen keine gesellschaftlichen Probleme"


Lehrerverbandspräsident
"Mit immer neuen Schulfächern löst man keine gesellschaftlichen Probleme"

MeinungEin Gastbeitrag von Heinz-Peter Meidinger

Aktualisiert am 10.08.2019Lesedauer: 3 Min.
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Ein Lehrer steht vor einer Schulklasse: Für jede neue gesellschaftliche Herausforderung braucht man nicht unbedingt ein neues eigenes Schulfach, findet Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger.Vergrößern des Bildes
Ein Lehrer steht vor einer Schulklasse: Für jede neue gesellschaftliche Herausforderung braucht man nicht unbedingt ein neues eigenes Schulfach, findet Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger. (Quelle: skynesher/getty-images-bilder)

Wirtschaft sollte ein neues Schulfach werden, fordert die Initiative für Neue Soziale Marktwirtschaft. Schüler sollten lieber etwas über Klimaschutz oder Ernährung lernen, finden viele t-online.de-Leser. Jetzt meldet sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes zu Wort.

Den Deutschen mangelt es an ökonomischem Wissen. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) fordert deshalb, bundesweit ein Schulfach Wirtschaft einzuführen. Die t-online.de-Leser diskutieren darüber, ob es nicht noch wichtigeres Wissen gibt, das den Schülern für den Alltag gelehrt werden sollte. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Schulleiter eines Gymnasiums im bayerischen Deggendorf, sieht ein ganz anderes Problem:

Ich bin grundsätzlich kein Freund von Politikern und Interessensverbänden, die ständig neue Forderungen nach der Einrichtung immer neuer Schulfächer an die Landesregierungen richten.

Dahinter steckt häufig die irrige Vorstellung, man könne erkannte gesellschaftliche Missstände oder auch Fehlentwicklungen durch Schule nachträglich reparieren. Wir haben beim Deutschen Lehrerverband mal nachgezählt. Wenn wir in den letzten Jahren jedem öffentlich geäußerten Wunsch nach Einführung neuer Schulfächer nachgekommen wären, hätten wir heute statt rund 20 Schulfächern (Pflicht- und Wahlpflichtfächer) über 50. Um die alle zu unterrichten, bräuchten wir eine verpflichtende Ganztagsschule oder müssten unsere Kinder einige Jahre länger in die Schule schicken.

Ist das tatsächlich Aufgabe der Schule?

Grundsätzlich gilt: Für jede neue gesellschaftliche Herausforderung braucht man nicht unbedingt ein neues eigenes Schulfach. Gesundheitserziehung, Familienkunde, Sexualerziehung, Drogenprävention, Lebensökonomie und Alltagskunde, Erste Hilfe, Digitalkunde und Medienerziehung sind alles wichtige Erziehungsziele. Sie können aber teilweise auch sehr gut im Rahmen bestehender Fächer oder auch als übergreifende Querschnittsziele verschiedener Fächer und Jahrgangsstufen vermittelt werden. Bei manchen geforderten Fächern stellt sich zudem die Frage, ob das denn tatsächlich Aufgabe der Schule ist beziehungsweise, ob ein neues Schulfach hier einen Mehrwert bringt.

Ein Beispiel: Gefordert wird unter anderem ein Fach Alltagskompetenz, in dessen Rahmen Schüler unter anderem lernen sollen, wie man Versicherungs- oder Mietverträge abschließt. Da man gelernte Einzelheiten schnell vergisst und sich das Vertragsrecht dauernd ändert, nutzt es meiner Ansicht nach jungen Menschen mehr, wenn sie in der Schule eine genaue Analyse- und Lesekompetenz erlernt haben, beispielsweise im Rahmen des Deutschunterrichts, um die Feinheiten und Fallstricke in Verträgen auch wirklich schnell zu erkennen.

Zwei Bereiche mit Handlungsbedarf

Es gibt zwei Bereiche, bei denen ich allerdings tatsächlich einen Handlungsbedarf sehe. Zum einen kommt in Deutschland in einigen Bundesländern die Vermittlung der finanziellen und wirtschaftlichen Grundbildung zu kurz. Nicht an allen Schularten in Deutschland ist die ökonomische Bildung in der Stundentafel eigens verankert. Aber auch wenn Wirtschaft in einem Fächerverbund unterrichtet wird – nach Auffassung des Deutschen Lehrerverbandes sollte es nur von an der Hochschule fachspezifisch dafür ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet werden. Das ist nicht überall der Fall.

Außerdem halte ich es für einen Fehler, dass an deutschen Schulen das Fach Politik, Gemeinschafts- oder Sozialkunde ein solches Schattendasein führt. In manchen Bundesländern wird dies nur in ein oder zwei Jahrgangsstufen angeboten. Ich bin der festen Überzeugung, dass demokratische Grundbildung an unseren Schulen in allen Jahrgangsstufen einen festen Platz einnehmen sollte.

Dies ist ein Gastbeitrag von Heinz-Peter Meidinger. Er ist Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums Deggendorf.

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