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Redewendungen erklärt: Woher stammt "Dir ist eine Laus über die Leber gelaufen"?

Körperbezogene Redewendungen  

Woher stammt "Dir ist eine Laus über die Leber gelaufen"?

23.08.2021, 07:19 Uhr
Redewendungen erklärt: Woher stammt "Dir ist eine Laus über die Leber gelaufen"?. "Laus über die Leber gelaufen": Die Herkunft vieler Redewendungen ist einigen Menschen nicht bekannt. (Quelle: t-online/Illustrationen von Dawn Parisi aus

"Laus über die Leber gelaufen": Die Herkunft vieler Redewendungen ist einigen Menschen nicht bekannt. (Quelle: Illustrationen von Dawn Parisi aus "Allerhöchste Eisenbahn" von K. Mahrenholtz & D. Parisi; Duden, 2020/t-online)

In vielen Redewendungen, die wir im Alltag verwenden, kommen Körperteile oder Organe vor. Wir erklären einige solcher Ausdrücke – zum Beispiel, wie die Laus zur Leber gekommen ist.

Jemand lebt "auf großem Fuß" oder schreibt sich etwas "hinter die Ohren" – da wir alle diese Körperteile besitzen, ist es kein Wunder, dass sie auch in vielen Redensarten vorkommen. "Wenn man Redewendungen verwendet, erzeugt das ein Gemeinschaftsgefühl: Wir gehören zu einer Generation", sagt Katharina Mahrenholtz, Autorin des Buches "Allerhöchste Eisenbahn! Verliebt in 100 Redewendungen", t-online.

Beim Recherchieren für das Buch hatte sie viele "Aha"-Erlebnisse, denn oft sind die Geschichten, die sich hinter den einzelnen Redewendungen verbergen, gar nicht so bekannt. Deshalb erzählt sie ein paar schöne Anekdoten – und erklärt, was dahintersteckt.

"Auf großem Fuß leben"

Wenn jemand aufwendig lebt, also eine kostspielige Lebenshaltung hat, heißt es oft, die Person lebe "auf großem Fuß". "Die Geschichte dazu ist vielleicht nur eine nette kleine Legende, aber sehr schön", findet Mahrenholtz. Die Redewendung soll aus dem Mittelalter stammen. Dort hatte ein französischer Graf einen Knubbel am Fuß und passte damit in keinen einzigen Schuh. "Und wegoperieren ging natürlich nicht im Mittelalter", sagt Mahrenholtz.

Katharina Mahrenholtz, 1970, ist Redakteurin beim NDR, auf die Themen Literatur und Kultur spezialisiert und hat sich "schon immer für Sprache interessiert." Zusammen mit der Illustratorin Dawn Parisi veröffentlichte sie unter anderem das Buch "Allerhöchste Eisenbahn! Verliebt in 100 Redewendungen".

Deswegen ließ er sich zwei extragroße Schuhe anfertigen, die vorne schnabelartig langgezogen waren, und in die sein Fuß samt Knubbel hineinpasste. "Der Graf war sehr bekannt und beliebt, vielleicht was man heutzutage einen Influencer nennen würde", ergänzt die Expertin. Deswegen wollten alle anderen auch solche Schuhe tragen. Da sie durch die Sonderanfertigung allerdings ziemlich teuer waren, war klar, dass jemand, der diese Schnabelschuhe trug, sehr reich sein musste.

"Sich etwas hinter die Ohren schreiben"

"Diese Redewendung klingt etwas nach den Ehrziehungsmethoden aus den 1950er Jahren: 'Mein liebes Fräulein, schreib dir das mal hinter die Ohren'", meint Mahrenholtz. Tatsächlich hat der Ausdruck allerdings einen überraschend schmerzhaften Ursprung.

Denn im Mittelalter wurden Ritter nach ihrem Gelübde geohrfeigt, damit sie sich später besser an ihre Worte erinnern konnten. "Man erinnert sich an Begebenheiten, die man unter großen Schmerzen erfahren hat, besser, als wenn man beispielsweise ein Gelübde nur so nebenbei abgelegt hat", erklärt die Expertin.

"Jemandem ist eine Laus über die Leber gelaufen"

Ist jemand "schlecht gelaunt" oder "ärgert sich anscheinend grundlos über jede Kleinigkeit", ist ihm sprichwörtlich "eine Laus über die Leber gelaufen". Die Anekdote zu der Redewendung stammt aus der Antike. Damals glaubten die Menschen, dass Zorn, Wut und miese Laune aus der Leber kommen würden, da sie diese Gefühle nach der Temperamentenlehre des griechischen Arztes Hippokrates in diesem Organ verorteten.

"Wie es zu der Laus gekommen ist, weiß man aber nicht genau", sagt Mahrenholtz. Wahrscheinlich sei die Laus ein Synonym für die Kleinigkeit gewesen, die die Ursache für die schlechte Stimmung war. Außerdem habe sich die Laus vermutlich, weil es einfach besser klang (Laus/Leber) zu der Redensart gesellt.

"Daumen drücken"

Möchte man jemandem "in einer schwierigen Sache Erfolg wünschen" oder der Person versichern, dass man "in Gedanken bei ihr ist", sagt man redensartlich "Ich drücke dir die Daumen". Für diese Redewendung gibt es gleich zwei Erklärungen. Eine führt ins alte Rom, die andere zum germanischen Volksglauben.

"Im alten Rom konnten die Zuschauer, wenn ein Gladiator den Kampf verloren hatte, entscheiden, ob er begnadigt werden oder sterben sollte – sehr martialisch", findet Mahrenholtz. Dabei bedeutete ein ausgestreckter Daumen das Ende des Gladiators. Wurde der Daumen aber in die Faust gedrückt, sollte er verschont werden.

"Die Erklärung im germanischen Volksglauben finde ich noch schöner", sagt die Autorin. Dort galt der Daumen als Glücksfinger, weil man glaubte, dass er magische Kräfte besitze und ein Symbol für einen Kobold sei, den man an der Hand hat. "Wenn man jemandem etwas Gutes wünschen wollte, wusste man nicht, ob der Kobold nicht dazwischenfunken würde und deswegen hielt man ihn lieber fest gedrückt, damit er den guten Wünschen nicht in die Quere kommt", erklärt Mahrenholtz.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Katharina Mahrenholtz & Dawn Parisi: "Allerhöchste Eisenbahn! Verliebt in 100 Redewendungen", Duden 2020

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