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"Das kann doch kein Schwein lesen": Woher kommt diese Redewendung?

Tierische Redewendungen  

Woher stammt "Das kann doch kein Schwein lesen"?

19.07.2021, 09:42 Uhr
"Das kann doch kein Schwein lesen": Woher kommt diese Redewendung?. Redewendungen: Wissen Sie, wer das Schwein in "Das kann doch kein Schwein lesen!" ist? (Quelle: Fotos: Getty Images, Montage: t-online/Aßmann)

Redewendungen: Wissen Sie, wer das Schwein in "Das kann doch kein Schwein lesen!" ist? (Quelle: Fotos: Getty Images, Montage: t-online/Aßmann)

In vielen sprachlichen Wendungen, die wir im Alltag benutzen, sind Tiere präsent. Wir erklären einige solcher Ausdrücke – und verraten, warum es sich bei dem Schwein in "Das kann kein Schwein lesen" um gar kein Tier handelt. 

Mal steppt der Bär, mal wird das Pferd von hinten aufgezäumt, mal wird der Hund in der Pfanne verrückt: Redewendungen mit Tieren gibt es, um es mit einer anderen Redensart zu sagen, wie Sand am Meer. "Das liegt daran, dass Tiere in unserer Gedankenwelt eine große Rolle spielen", sagt Norbert Golluch, der mehrere Bücher über Redewendungen geschrieben hat.

Und das ist schon sehr lange so. "Fabeln begleiten uns zum Beispiel schon seit Jahrtausenden", sagt Golluch. Genau wie in ihnen werden Tiere auch in sprachlichen Wendungen teilweise als Symbolbilder verwendet, sie stellen bestimmte Charaktereigenschaften dar. "Man hat bei ihnen sofort eine Assoziation: Der Fuchs ist zum Beispiel schlau, der Bär eher ungeschickt."

Norbert Golluch, 1949, ist Autor zahlreicher Sachbücher, Kinderbücher und einer Vielzahl humoristischer Texte. An manchen sprachlichen Besonderheiten bleibt er bei seiner Arbeit regelmäßig hängen. "Redewendungen sind eines der spannendsten Gebiete", sagt er. Über sie hat Golluch die Bücher "Endlich nicht mehr nur Bahnhof verstehen, sondern wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt" und "Meine Fresse, das ist ganz großes Kino" verfasst.

"Mich laust der Affe"

Eine dieser Redewendungen, die schon sehr alt sein dürfte, ist "Mich laust der Affe". Es handelt sich dabei um einen Ausdruck der Verblüffung, wenn etwas Unerwartetes passiert. Golluch bezeichnet sie als "Jahrmarktsredewendung", denn vermutlich stammt sie von dort.

"In einer Zeit, in der relativ wenige Sensationen zu erleben waren, wurde ein exotisches Tier auf dem Markt sehr bestaunt." So führten Gaukler manchmal Affen vor, die ab und zu sogar auf den Köpfen der Zuschauer nach Läusen suchten. "Wenn so ein Affe jemanden lauste, dann war er verwundert darüber, dass ihm das auf dem Markt passiert ist."

"Da steppt der Bär"

Von mittelalterlichen Jahrmärkten oder aus dem Zirkus stammt vermutlich auch der Ausdruck "Da steppt der Bär". Denn dort wurden dem Publikum Tanzbären vorgeführt, die kleine Kunststücke vollzogen. Der Ausdruck beschreibt heute eine ausgelassene Stimmung an einem bestimmten Ort.

"Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt"

Ähnlich wie "Mich laust der Affe" bringt "Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt" zum Ausdruck, dass jemand sehr erstaunt über etwas ist. "Schuld an diesem ungewöhnlichen Bild soll Till Eulenspiegel sein", sagt Golluch. Eulenspiegel arbeitete bei einem Braumeister, der einen Hund namens Hopf besaß.

Als der Meister ihn aufforderte, Hopfen zu sieden, verwechselte Eulenspiegel mutwillig Hopfen und Hopf. "So landete der Hund in der Pfanne und wurde darin verrückt", sagt Golluch. "Außerdem verstieß Eulenspiegel gegen das Reinheitsgebot, schließlich darf Bier nur aus Wasser, Malz und Hopfen gebraut werden – von Hunden steht nichts im Rezept."

"Das kann doch kein Schwein lesen"

Beim Schwein in der Redewendung "Das kann doch kein Schwein lesen" hingegen handelt es sich eigentlich gar nicht um ein Tier. Der Ursprung ist in Golluchs Augen recht verblüffend: Dieser Ausdruck, den man heute für einen unleserlichen Text verwendet, geht auf die norddeutsche Familie Swyn zurück.

"Lesen war bis ins frühe Mittelalter eine Fähigkeit, die nur wenige Leute konnten. So baten die Leute, wenn sie ein Schriftstück erhielten, die Gebildeten um Hilfe", erklärt Autor Golluch. So etwa auch die Familie Swyn. Wenn auch sie aufgrund der unleserlichen Handschrift nicht weiterkam, hieß es: "Dat kann ja kin Swyn lesen!"

Der Ausdruck nahm sogar seinen Weg aus dem Plattdeutschen in die Hochsprache, allerdings mit einer Änderung in der Schreibung. "Die armen Mitglieder der angesehen Familie wurden durch die Hochsprache durch den Schweinestall getrieben", scherzt Golluch. Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt!


Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Norbert Golluch: "Endlich nicht mehr nur Bahnhof verstehen, sondern wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt. Das Redewendungen-Erklärungsbuch". riva Verlag

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