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Wovon träumen Sie nachts?


Wovon träumen Sie nachts?

  • Jennifer Buchholz
Eine Kolumne von Jennifer Buchholz

Aktualisiert am 23.11.2017Lesedauer: 3 Min.
Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Bondage und Ketten: Leben Sie Ihren Fetisch aus.
Bondage und Ketten: Leben Sie Ihren Fetisch aus. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Sie stehen nur auf kleine Frauen, auf Männer mit Bierbauch oder auf Füße? Ihnen wird ganz anders, wenn Sie Luftballons sehen und in der U-Bahn können Sie an nichts anderes als an Sex denken? Dann sind Sie nicht alleine. Fast die Hälfte aller Männer und Frauen haben als "abnormal" geltende sexuelle Neigung.

Was ist überhaupt "normal"? Scheinbar sind die typischen Spießer-Klischees "normal": Ein Mann führt mit einer Frau eine Beziehung und sie haben einmal im Monat Sex – in der Missionarsstellung. Und natürlich nach Termin: Sonntags, direkt nach dem Tatort, erfolgt das 10-minütige Liebesspiel, nach dem beide Rücken an Rücken im Doppelbett auf den zwei getrennten Matratzen einschlafen.

Alles was nicht diesem "Standard" entspricht, wird als "abnormal", "ungesund" oder als "krankhaft" abgestempelt. Es wurde sogar eine Liste erstellt, mit sexuelle Lüsten, "die stark von der empirischen Norm abweichen". Erst seit 2013 gelten viele dieser Neigungen laut Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders nicht mehr als krankhaft. Kein Wunder also, wenn sich die meisten schämen und ihren Fetisch nur hinter schweren, dunklen Vorhängen oder in kleinen Räumen mit Latex oder Fliesen beklebten Wänden ausleben – ohne dass ihr Partner hiervon etwas weiß.

Fetisch wird gesellschaftsfähig

Doch einen Fetisch hat fast jeder, wie kanadische Wissenschaftler 2016 herausgefunden haben. Besonders beliebt dabei sind Voyeurismus, Frotteurismus (sich an jemandem oder etwas reiben) und Masochismus. Die Gesellschaft scheint also offener zu werden. Was erklärt sonst die zahlreichen Bondage-Kurse, die jüngst von professionellen Dominas in den eigenen vier Wänden angeboten werden? Oder das riesige Angebot in bekannten Online-Sex-Shops? Auch Fetisch-Partys, Swingerclubs und Co. werben nicht mehr nur auf versteckten Seiten und in Insider-Foren. Sie schalten öffentlich Werbung und lassen Plakate für ihre Events drucken.

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Super, denn so hört langsam das versteckte Bestellen ("Oh, ein Paket mit Modeschmuck.", "Das sind nur Druckerpatronen.") auf. Die Gesellschaft scheint offener zu werden. Kein Wunder also, weshalb nun Fesseln, Peitschen und Dildos statt Schokolade im Adventskalender landen. Der Spaß hiermit hält ja auch wesentlich länger an als das Stück Schoki, welches man sich morgens vor der Arbeit schnell in den Mund schiebt.

Niemand kann Gedankenlesen

Es gibt also keinen Grund, seine kleinen, soften, sexuellen Neigungen zu verstecken. Fangen Sie am besten langsam an, sich zu öffnen. Sie erregt es, wenn Ihr Partner nackt kocht oder putzt? Wenn Ihre Frau ihre Fußnägel frisch lackiert hat, möchten Sie sie am liebsten sofort ins Bett zerren? Dann tun Sie sich keinen Zwang an! Leben Sie Ihre Gelüste aus – sofern es Ihren Partner nicht in Bedrängnis bringt. Reden Sie offen über Ihre Wünsche. Vielleicht steht Ihr Schatz ja auf dasselbe? Oder überrascht Sie nach der Arbeit als sexy Sekretärin, wollustiger Einbrecher oder mit ganz eigenen Ideen?

Jetzt denken Sie sicherlich an Ihren Partner im Kostüm oder an das Gesicht, wenn Sie sagen, wie sehr sie ein frisch bezogenes Bett anmacht. Keine Angst. Auch in langjährigen Beziehungen gibt es keinen Grund, diese Dinge zu verheimlichen. Sie sollten so viel Vertrauen zu Ihrer besseren Hälfte haben, dass sie ehrlich über derartige Themen sprechen können. Das ist immer noch besser, als wenn Ihr Partner beim Aufräumen auf einmal Ihre Fetisch-Sex-Toys entdeckt und Sie dann in Erklärungsnot kommen: "Die sollte ich für meinen besten Freund aufbewahren." Ist klar…

Durch diese Offenheit erweitern Sie nicht nur die Möglichkeiten, wie Ihr Partner Sie verwöhnen kann, sondern lernen sich selbst auch besser kennen. Vielleicht stellen Sie dann fest, dass Sie beim Sex lieber devot sind anstatt ständig den Ton anzugeben.

Aber Vorsicht

Viele sexuelle Neigungen werden weiterhin als sehr kritisch betrachten und als "paraphile Störung" nach ICD-10 und DSM-5 angesehen. In einigen Fällen (beispielsweise, wenn die Betroffenen hierdurch einen Leidensdruck verspüren, das Ausleben sozial unverträglich ist, Unschuldige zu Schaden kommen oder sich schwerwiegende Folgen durch das Ausleben der sexuellen Neigung ergeben), sollten Sie lieber einen Fachmann aufsuchen und mit ihm vorab über Ihre Gelüste reden, bevor Sie diese offen ausleben.

Jennifer Buchholz, Redakteurin bei t-online.de, schreibt in ihrer Kolumne "Lust, Laster, Liebe“ über Liebe, Partnerschaft und Sex.

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