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Autoerotische Todesfälle: Wie es zu tödlichen Unfällen kommen kann

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Autoerotische Todesfälle  

Selbstbefriedigung: Wie es zu tödlichen Unfällen kommen kann

20.06.2018, 18:28 Uhr | Alexandra Stahl, dpa-AFX

Autoerotische Todesfälle: Wie es zu tödlichen Unfällen kommen kann . Selbstbefriedigung: Meist seien Männer die Opfer autoerotischer Todesfälle. (Quelle: Getty Images/Denisfilm)

Selbstbefriedigung: Meist seien Männer die Opfer autoerotischer Todesfälle. (Quelle: Denisfilm/Getty Images)

Er wurde nackt und stranguliert gefunden und starb den Erkenntnissen zufolge bei der Selbstbefriedigung. Was Schauspieler David Carradine 2009 passiert ist, ist keine Ausnahme. Bis zu 100 Menschen ersticken in Deutschland jährlich auf der Suche nach dem besonderen Orgasmus.

"Elektriker erwürgt sich in selbst gebautem Porno-Raumschiff" lautete die Schlagzeile der "Bild"-Zeitung. Ein Mann aus Hessen war kurz vor dem Jahreswechsel tot in seinem Hobbykeller gefunden worden – den Ermittlungen der Hanauer Staatsanwaltschaft zufolge erstickte er. Der Mann sei am ganzen Körper und am Hals mit Ketten gefesselt gewesen, erklärte die Behörde. Man gehe von einem autoerotischen Todesfall aus – also einer tödlichen Selbstbefriedigung. Anhaltspunkte für fremde Gewalteinwirkung gebe es nicht.

Die häufigste Ursache für autoerotische Unfälle

Lust durch Sauerstoffmangel, Hypoxyphilie genannt, ist laut dem Brandenburger Rechtsmediziner Harald Voß am häufigsten der Hintergrund bei autoerotischen Unfällen. Schätzungen zufolge gebe es ein bis zwei Fälle pro Million Einwohner in Deutschland im Jahr.

"Die Dunkelziffer ist ausgesprochen hoch, das ist ein sehr seltener Fall in der Rechtsmedizin", sagt Voß. In mehr als 30 Jahren habe er vielleicht fünf Fälle gehabt, erzählt der 59-jährige Rechtsmediziner, der in Frankfurt (Oder) arbeitet. "Wenn die Auffindesituation für die Polizei eindeutig ist, kommt das gar nicht zu uns."

Prominente Fälle

Bekannte Fälle sind "Kill Bill"-Schauspieler David Carradine, der 2009 stranguliert in einem Kleiderschrank gefunden wurde und INXS-Sänger Michael Hutchence, der 1997 an einem Gürtel stranguliert in einem Hotelzimmer entdeckt wurde. Über Carradine sagte eine Gerichtsmedizinerin damals: "Er starb, nachdem er sich selbst befriedigt hatte." Im Fall von Hutchence widersprach seine Lebensgefährtin dem Gerichtsmediziner, dass es Selbstmord gewesen sei und sprach von einem missglückten Sex-Spiel. Bis heute ist der Fall unklar.

Angehörige schämen sich

Angehörige, die die Leiche finden, räumten manchmal Dinge weg, weil die Scham so groß sei, berichtet Rechtsmediziner Voß. Dabei gehe es nicht immer nur um Hypoxyphilie.

Eine alte Frau in Halle etwa habe mal ihren Sohn mit den Klemmen von Weihnachtsbaumlichtern an den Brustwarzen gefunden und die Lichter weggeräumt, bis der Notarzt gekommen sei. Verbrennungen am Körper hätten Voß aber stutzig gemacht. Die Frau habe dann eingeräumt, wie sie den Mann vorfand. Er hatte versucht, sich durch Stromschläge zu stimulieren – zu viel für sein schwaches Herz, erzählt Voß.

Meist sind Männer die Opfer

Meist seien Männer die Opfer autoerotischer Todesfälle, sagt er. "Das gibt es auch bei Frauen, aber es kommt seltener zum Tod, weil Frauen offensichtlich vorsichtiger sind und nicht so viele Raffinessen einbauen."

Tatsächlich scheinen manche viel Fantasie zu haben: Mit fünf Vorhänge-Schlössern soll der Mann aus Hessen laut "Bild" seine Würgevorrichtung gesichert haben. Um sich zu befreien, hätte er sie in der richtigen Reihenfolge öffnen müssen.

Die Gefahr bei Lust durch Sauerstoffmangel

Aber niemand möchte doch so gefunden werden? "Die gehen ja nicht davon aus, dass sie sterben, natürlich möchte man so nicht gefunden werden", antwortet Voß. Das Risiko werde oft unterschätzt. "Dass man bewusstlos wird, geht schneller als die Leute denken. Wenn zum Beispiel beide Halsschlagadern abgepresst werden, dauert es maximal 30 Sekunden", sagt der Rechtsmediziner. Zugleich sei der Reiz groß: Das Gefühl der Ohnmacht oder der Gefahr steigere sicher das Empfinden.

Was ist so reizvoll daran, sich die Luft abzuschnüren? "Man vermutet, dass Sauerstoffmangel euphorisierend wirkt", sagt Voß. Man gehe davon aus, dass es im Gehirn zu einem Dopaminschub komme, ähnlich wie bei einem Drogenrausch. Auch Jugendliche probierten die Praxis schon aus. Das Phänomen ziehe sich durch alle Altersgruppen.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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