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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Warum ist mir mein Partner peinlich?

  • Jennifer Buchholz
Eine Kolumne von Jennifer Buchholz

Aktualisiert am 28.08.2019Lesedauer: 3 Min.
Eine Frau hält sich die Hände vor das Gesicht: Schamgefühl hat etwas mit Empathie zu tun.
Eine Frau hält sich die Hände vor das Gesicht: Schamgefühl hat etwas mit Empathie zu tun. (Quelle: golubovy/getty-images-bilder)
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Socken in Sandalen beim Schlendern auf der Strandpromenade, hysterische Anfälle im Restaurant oder Gockel-Gehabe im Beisein von Freunden. Es gibt viele Gründe, sich für seinen Partner zu schämen. Warum ist das so?

Auf der Tanzfläche dreht er richtig auf und schüttelt alles, was er hat – natürlich ohne jegliches Taktgefühl. Wenn sie ihre Freundinnen zufällig in der Fußgängerzone trifft, fängt sie wie wild an laut zu kreischen und zu gackern – unüberhörbar für alle anderen. Es gibt Momente, in denen man sich für seinen Partner einfach nur schämt.

Du entsprichst nicht meinen Normen

Was uns peinlich ist – oder auch nicht – bekommen wir bereits als Kind beigebracht. Wir wachsen unter bestimmten Norm- und Wertevorstellungen auf und versuchen, sie einzuhalten. Diese Verhaltensmuster prägen uns so nachhaltig, dass wir sie auch im Erwachsenenalter schwer oder teils gar nicht ablegen können. Das merken wir besonders, wenn ein Freund oder Verwandter gegen unsere anerzogenen Normen und Wertevorstellungen verstößt: Wir schämen uns für ihn.

Warum ist es uns peinlich, wenn unser Liebster auf der Hochzeitsfeier ohne Taktgefühl tanzt, aber zu Hause im Wohnzimmer finden wir seinen Balztanz total süß und schließen uns der unkoordinierten Zappelei sogar an?

Was ist Frauen und Männern peinlich?

Sich für das Gezappel des Partners zu schämen, ist typisch weiblich: Frauen regen sich häufig über das Benehmen ihres Partners auf – Männer schämen sich allerdings für das Aussehen ihrer Partnerin. Peinlich ist beiden hingegen, sich zu streiten. All diese Punkte stören einen jedoch erst, wenn sie in der Öffentlichkeit passieren – in den eigenen vier Wänden wird der Streit oder die dreckige Schlabberhose oftmals akzeptiert.

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Warum wir so zwischen den Situationen unterscheiden, haben Wissenschaftler der Universität Marburg genauer unter die Lupe genommen: Sie gehen davon aus, dass sich viele für ihren Partner schämen, weil sie um ihr eigenes Ansehen fürchten: Benimmt sich ein Gruppenmitglied in der Öffentlichkeit – unserer Vorstellung nach – daneben, könnte das auf uns zurückfallen und unseren Ruf schädigen. Daher schämen wir uns in der Situation eher, als wenn dasselbe zu Hause passiert. Wir befürchten schlichtweg, von der Gesellschaft abgewertet und ausgeschlossen zu werden. Nach dem Motto: "Ist sie nicht intelligent genug, um die unpassenden Bemerkungen ihres Freundes zu korrigieren?" oder "Hat er keinen Mut, seiner Freundin zu sagen, dass man durch die dünne Leggings ihren weißen Slip sieht?"

Frauen ist mehr peinlich

Wir schämen uns jedoch nicht immer für die Fauxpas anderer. Erst, wenn wir uns mit unserem Gegenüber identifizieren können und Empathie für ihn empfinden, kann er uns auch peinlich sein. Das bestätigen auch die Marburger Wissenschaftler. Und weil Frauen oft mehr Einfühlungsvermögen haben als Männer, schämen sie sich auch häufiger fremd, heißt es weiter.

Würde uns unser Gegenüber nicht so nahe stehen, wäre er und sein Verhalten uns nicht peinlich. Stattdessen käme Schadenfreude auf. Leicht zu unterscheiden lässt sich Schadenfreude von Fremdschämen, wenn bei jemandem das Preisschild noch an der Hose hängt. Bei Fremden schmunzeln wir, bei Freunden ist es uns peinlich.

In beiden Fällen sollten wir nicht nur an unseren Spaß oder unser Ansehen denken, sondern an den Betroffenen. Denn vielleicht weiß er es nicht und würde sich wünschen, dass ihm jemand diese Peinlichkeit erspart.


Jennifer Buchholz, Redakteurin bei t-online.de, schreibt in ihrer Kolumne "Lust, Laster, Liebe" über Liebe, Partnerschaft und Sex.

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