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Offene Beziehungen: Abschied von der Treue?

MEINUNGKolumne "Lust, Laster und Liebe"  

Offene Beziehungen: Abschied von der Treue?

Offene Beziehungen: Abschied von der Treue?. Pärchen küssen auf dem Sofa: Ein Exklusivrecht auf den Partner? Daran glauben viele nicht. (Symbolbild) (Quelle: Getty Images/MilosStankovic)

Pärchen küsst sich auf dem Sofa: Ein Exklusivrecht auf den Partner? Daran glauben viele nicht. (Symbolbild) (Quelle: MilosStankovic/Getty Images)

"Wir werden heiraten", antwortete mein Freund, als ich ihn nach seiner Beziehung fragte. An und für sich nichts Ungewöhnliches. Wenn er nicht in einer offenen Beziehung leben würde. "Und dann beendet ihr jetzt eure offene Beziehung?", frage ich ihn. "Nein!" – Wie soll das funktionieren?

Emil und seine Freundin führten seit über zehn Jahren eine offene Beziehung: Sex mit anderen ist in Ordnung. Was allerdings dabei passiert und erlebt wird, bleibt geheim. Auch die Sexpartner bleiben im Verborgenen. So lautete ihr Übereinkommen. Es gab nur zwei Grundregeln: Ehrlichkeit gegenüber dem Partner und anderen und Verhütung. Ich bewunderte ihre Beziehung. Beide schienen stets glücklich und erfüllt. Für mich selbst konnte ich mir diesen Liebesstil allerdings nicht vorstellen – dafür bin ich einfach zu romantisch.

Mit meiner Einstellung bin ich nicht allein. Denn in zahlreichen Umfragen geben Frauen und Männer immer wieder an, dass Treue – vor allem die sexuelle – für sie das Wichtigste in einer Beziehung ist. Seitdem mir Emil allerdings von seinen Eheplänen erzählt hat, beschäftige ich mich intensiver mit dem Thema. Mir scheint, als würde jeder Dritte in einer offenen Beziehung leben und dass dies der Garant für eine glückliche, erfüllte Partnerschaft sei. "Ich habe doch kein exklusives Anrecht auf meinen Partner" oder "Ich will die sexuelle Erfüllung meines Partners nicht einschränken", antworten mir mehrere Bekannte, wenn ich nach den Gründen frage. Klingt sehr selbstlos, denke ich. Sich offen zu dieser Beziehungsart bekennen, will sich allerdings keiner. Zu schlecht sei das Bild in der Gesellschaft; andere wollen ihre Kinder mit der Geheimhaltung schützen. Das macht mich baff: Einen gemeinsamen Nachwuchs in einer offenen Partnerschaft großziehen? Das ist wirklich beachtenswert. Doch verheiratet ist von den Pärchen keiner – und es plant auch keiner. Sie stellen sich die gleiche Frage: Wie passt das zusammen?

Offene Partnerschaft trotz Eheversprechen – geht das?

"Wir lieben uns und ich möchte meiner Frau zeigen, dass sie mir ihrer sicher sein kann – auch wenn ich Sex mit anderen habe", antwortet Emil, als ich ihn nach der scheinbaren Widersprüchlichkeit zu seinen Plänen anspreche. "Ich will, dass meine Frau abgesichert ist, wenn mir etwas passiert und dass ich sie in schwierigen, gesundheitlichen oder finanziellen Situationen unterstützen kann. Das ist bei unverheirateten Paaren kompliziert." Das sind sehr romantische und logische Gedanken, finde ich. "Und natürlich sind die steuerlichen Vorteile nicht zu verachten", fügt er lachend hinzu.


Eine offene Beziehung und Treue sind demnach kein Widerspruch. Denn, auch wenn ich mich nicht nur meinem Partner sexuell hingebe, so kann ich ihm gegenüber doch verlässlich und loyal sein. Wichtig sind ein gemeinsames Verständnis und Spielregeln, die beide einhalten müssen.

Jennifer Buchholz, Redakteurin bei t-online.de, schreibt in ihrer Kolumne "Lust, Laster, Liebe“ über Liebe, Partnerschaft und Sex.

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