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Das passiert, wenn man einen Monat keinen Sex hat

  • Jennifer Buchholz
Von Jennifer Buchholz

Aktualisiert am 02.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Keuscheit: Auf Sex zu verzichten, ist gar nicht so leicht, wie man anfangs glaubt.
Keuscheit: Auf Sex zu verzichten, ist gar nicht so leicht, wie man anfangs glaubt. (Quelle: diephosi/getty-images-bilder)
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Häufiger, besser, länger – manchmal klingen Gespräche über den Orgasmus, als ginge es um Leistungssport oder ein neues Auto. Obwohl das fiesen Druck erzeugt, möchte aber offenbar niemand darauf verzichten. Oder? Ein Erfahrungsbericht.

Eins vorweg: Dieses Mal wird es sehr persönlich. Denn ich habe eine Wette verloren. Der Einsatz: Sex. Genauer gesagt, der Verzicht auf Sex für den, der verliert. Und das einen ganzen Monat.

Ein Monat mag an sich nicht lang sein. Schließlich kommt das in einer Single-Phase durchaus vor – und auch Pärchen können Phasen haben, in denen im Bett Flaute herrscht. Gründe dafür gibt es viele. Muss man aber aktiv und wissentlich auf Sex – inklusive Petting, Masturbation und Co. – verzichten, bekommt das eine ganz andere Bedeutung.

Geteiltes Leid = halbes Leid?

"Das schaffst du nicht" und "Wie soll ich das bloß durchstehen?" waren meine ersten Gedanken, als ich zum sexfreien Monat verdonnert wurde. Zum Glück musste ich mich nicht allein meinem Schicksal hingeben. Denn wir waren insgesamt vier – von fünf –, die mit ihrer Antwort bei einer Wette falschgelegen hatten. Und die nun durch einen fiesen Monat ohne Höhepunkte mussten.

Ich spreche hier bewusst von "Höhepunkten" statt von Orgasmen. Was wir anfangs nämlich noch nicht wussten: Sex-Verzicht wirkt sich auch auf die Laune und die Lebenseinstellung aus. Von "Geteiltes Leid ist halbes Leid" konnte darum leider nicht mehr die Rede sein.

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"Sind Sie krank?"

Die erste Woche ohne Sex und jegliche andere Form von Intimität verlief ruhig. Ich lachte viel und scherzte mit meinen Mitstreitern darüber, wie viel mehr Zeit man jetzt auf einmal zur Verfügung hatte – für Hobbys, Freunde, Kultur und Sport. Ansonsten fühlte ich keine Veränderung – eine Woche ohne ist ja auch so gut wie nichts.

In der zweiten Woche war mein zwischenmenschlicher Umgang schon rauer. Ich war weniger kommunikativ, meine Kommunikation wurden karger und die Stimmung kühler. Ich war leichter reizbar und fühlte mich durch alles schnell genervt. Vor allem die Kommentare meiner Nachbarn, ob es mir gut gehe und welche Laus mir denn über die Leber gelaufen sei, lösten ein wütendes inneres Aufstampfen in mir aus. Mein Lächeln entglitt mir zunehmend – was durch die FFP2-Maske glücklicherweise gut verdeckt wurde. Ich war unhöflich, reizbar, zickig.

Und meinen Mitstreitern erging es nicht anders. Vor allem ab der dritten Woche. Wir meckerten uns nur noch an und reagierten dünnhäutig auf die anderen. Unsere Treffen und jegliche soziale Kontakte wurden zur Tortur – wie ein unbeliebter Pflicht-Besuch bei den Verwandten, bei denen man minütlich auf die Uhr schaut, um endlich sagen zu können: "Oh, so spät ist es schon. Ich muss los."

Saftige Zimtschnecken und BDSM-Masken

Als sei diese hormonelle Stimmungsschwankung nicht schon anstrengend genug, gingen auch meine Gedanken langsam mit mir durch: Plötzlich konnte ich an nichts anderes mehr denken als an Sex. Meine Fantasie spielte mir Streiche. So verlas ich mich – "Jetzt bitte einmal tief Lust holen" anstatt "Luft holen", "Das sexuelle Angebot gilt nur morgen" anstatt "spezielle" oder "Reichst du mir mal den Busenöffner?".

Oder ich verband alles rund um Schlaf, Bett und Spaß mit Sex. Wie schlüpfrig dadurch für mich auf einmal Möbelwerbung – sind "saftige Zimtschnecken" ein Synonym für Vulven? – oder Aussagen von Politkern – "Eine Maske tragen"? BDSM lässt grüßen – wurden! Auch war es wie beim Fasten oder einer Diät: Darf man etwas nicht, so möchte man es umso mehr – wie beispielsweise das Stück Schokolade als Nachtisch oder das Glas Wein am Abend.

Der Termin war wie Folter

Die absolute Folter erfuhr ich am Ende der dritten Woche: bei einem Termin beim Physiotherapeuten. Ich ging davon aus, dass mir das bisschen Klopfen und Ziehen an meinen Gliedmaßen durch einen Profi nach 21 Tagen ohne Zärtlichkeiten oder Intimität nicht schaden, sondern sogar guttun würde. Weit gefehlt.

Jegliche Berührung, war sie noch so harsch, löste eine Gänsehaut aus. Den darauffolgenden unangenehmen Kommentar "Sie sind aber sehr empfindlich heute, Frau Buchholz" versuchte ich durch ein verkrampftes Lachen und "Nein, mir ist nur sehr kalt" zu korrigieren.

Die Explosion in der vierten Woche

Dann endlich: Die lang ersehnte finale Woche. Und die begann mit einer Explosion. Denn als ich aufwachte, fühlte ich mich glücklich, gelöst und frei. Keine "freudschen Verleser", keine Sex-Gedankenspirale mehr. Keine Grübelfalten und herunterhängenden Mundwinkel. Es war, als sei eine Last von mir gefallen. Wie kam das?

Dass es weder Zufall noch die regelmäßigen hormonell bedingten Stimmungsschwankungen waren, konnte ich spätestens nach dem Treffen mit meinen vier Mitstreitern ausschließen. Auch sie fühlten sich auf einmal gelöst und befreit. So umarmten wir uns zur Begrüßung wieder herzlich, waren locker drauf und machten Witze, ohne dass der andere sie in den falschen Hals bekam. Es war plötzlich wieder wie immer.

Wer hat geschummelt?

Hatte einer von uns heimlich doch Sex gehabt? Angeblich nein – und da vertraue ich den Aussagen meiner Freunde. Vielmehr waren wir offenbar alle nach einigen Wochen Qual zu einer wichtigen Erkenntnis gelangt: Sex ist nicht alles.

Er ist natürlich einfach eine tolle Erfindung und kann vieles bewirken. Aber es gibt eben trotzdem mehr Möglichkeiten, bestimmte urmenschliche Bedürfnisse zu erfüllen: Berührungen, liebevolle Worte und viel Nähe zum Beispiel. All das weiß man auf einmal wesentlich mehr zu schätzen und zu genießen. Das lehrt unter anderem auch Tantra.

Das klingt nach einem Happy End mit Erkenntnis? Nun ja. Jeder, der schon einmal eine Diät gemacht oder gefastet hat, weiß: Kaum darf man es wieder, gibt man sich seinen Gelüsten vollkommen hin. Sei es das Stück Sahnetorte, die Zigarette, der Wein, oder eben das Liebesspiel. Und das ist auch gut so. Das Leben ist da, um es zu genießen. Durch kleine Phasen des Verzichts kann man sich das immer wieder gut in Erinnerung rufen. Allerdings bin ich bei dem Sex-Verzicht auf den Jo-Jo-Effekt sehr gespannt.

Jennifer Buchholz, Redakteurin bei t-online.de, schreibt in ihrer Kolumne "Lust, Laster, Liebe" ĂĽber Liebe, Partnerschaft und Sex.

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