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Das haben die Gärten von Marrakesch zu bieten

Grün in der roten Stadt  

Das haben die Gärten von Marrakesch zu bieten

17.08.2018, 10:39 Uhr | Daniela David, dpa

Das haben die Gärten von Marrakesch zu bieten. Jardin Secret in Marrakesch: Der Garten ist eine Oase der Ruhe und Entschleunigung. (Quelle: dpa/tmn/Daniela David)

Jardin Secret in Marrakesch: Der Garten ist eine Oase der Ruhe und Entschleunigung. (Quelle: Daniela David/dpa/tmn)

Üppig sprießt die Vegetation im Schatten des Hohen Atlas: In Marrakesch lassen sich wunderschöne Gärten besichtigen. Neben dem berühmten Jardin Majorelle von Yves Saint Laurent und traditionell islamischen Gärten gibt es neue große Pflanzenkunst zu sehen.

Der außergewöhnlichste Garten in Marrakesch liegt fernab vom Trubel: Anima, erschaffen vom österreichischen Künstler André Heller. Obwohl erst 2016 eröffnet, wirkt der Garten nicht neu, sondern vollkommen eingewachsen. "Dafür haben wir in aufwendigster Logistik hohe Palmen und Kakteen durch das Land transportiert", sagt Heller, der schon in vielen Ländern Gärten gestaltet hat. Anima ist sein botanisches Lebenswerk.

Zwischen exotischen Pflanzen und Kunstwerken

Exotische Pflanzen umwachsen Kunstwerke. Da ist der meterhohe Kopf aus Mosaiksteinen, der Nebel sprüht. Eine Skulptur des Pop-Art-Künstlers Keith Haring mit einem riesigen Kaktus als Nachbarn. Oder das Boot "Hoffnung", das wie eine Arche Noah durch das Gras zu gleiten scheint. "Ich erzählte da Geschichten", erklärt Illusionskünstler Heller, der in Marokko lebt.

Auf verschlungenen Wegen tasten sich die Besucher durch poetische Gartenräume, von einer Pflanzen-Kunst-Installation zur nächsten dschungelartigen Fantasie, die Augen, Ohren und Nase einnimmt. Hellers märchenhafter Weltgarten am Fuße des Hohen Atlas wird weiter wachsen, ein Labyrinth ist geplant. "In Herzform", sagt der Künstler – und entschwindet in sein verzaubertes Reich.

Doch Marrakesch hat noch mehr faszinierende Oasen zu bieten. Ein Garten, den wohl kaum ein Besucher der marokkanischen Königsstadt verpasst, ist der Jardin Majorelle. Bekannt ist er für das leuchtende Kobaltblau seiner Gebäude und Wasserbecken – ein schöner Kontrast zum Grün der Kakteen und Palmen. Jacques Majorelle, ein französischer Maler und Pflanzensammler, hat den Garten in den 1920er Jahren angelegt. 1980 kaufte Yves Saint Laurent die Anlage und ergänzte den Kaktusgarten mit imposanten Stachelgewächsen aus Amerika. Der Garten diente dem Modeschöpfer als inspirierendes Refugium.

Die Wege führen zu blühenden Bougainvilleen, durch ein dichtes Bambuswäldchen, vorbei an gewaltigen Agaven bis hin zum idyllischen Seerosenteich. "Kommen Sie möglichst früh", rät einer der Gärtner. "Dann können Sie den Zauber unserer Oase noch genießen."

Wasserversorgung der Gärten ist raffiniert

Die Gärten von Marrakesch wären nicht möglich ohne eine raffinierte Wasserversorgung. Unterirdische Rohre leiten das Wasser aus dem nahen Atlasgebirge in die Stadt, eine 1.000 Jahre alte Technik. Im Jardin Secret am Rande der Medina überlebte dieses hydraulische System.

Hat man gerade noch die engen und lauten Souks durchquert, für die Marrakesch bekannt ist, steht man plötzlich inmitten von Ruhe und Schönheit. Der 2016 eröffnete geheime Garten geht auf ein altes Riad zurück, ein marokkanisches Haus mit einem geschützten Hofgarten.

Im Exotischen Garten des Jardin Secret wachsen Pflanzen aus fünf Kontinenten, die gut zum Klima Marokkos passen. Die Bäume im Islamischen Garten wurden wegen ihrer Symbolkraft im Islam ausgewählt: Feigen, Oliven, Dattelpalmen, Granatäpfel. Der englische Gartenarchitekt Tom Stuart-Smith kombinierte sie mit langblühenden Wiesenblumen. So gelang es ihm, die strenge Symmetrie der islamischen Gartentradition mit moderner Präriepflanzung aufzulockern.

Marrakesch ist voller Riads. Viele der historischen Ensembles sind inzwischen in Hotels umgewandelt worden. Hinter ihren Eingangsportalen tun sich wahre Gartenparadiese auf, die manchmal auch für externe Besucher zugänglich sind.

Im La-Mamounia-Garten flanieren und Minztee trinken

Mächtige Mauern mit Zinnen umschließen einen der weitläufigsten Gärten der Stadt. Im 18. Jahrhundert ließ Sultan Mohamed Ben Abdellah den acht Hektar großen Arsat-Garten mit Nutzpflanzen inklusive Palast für seinen Sohn Mamoun anlegen, ebenfalls symmetrisch. Der Palast wurde 1923 in das erste Hotel Marrakeschs umgewandelt.

Auch Gäste, die nicht in der legendären Unterkunft übernachten, können im La-Mamounia-Garten flanieren und unter turmhohen Palmen marokkanischen Minztee trinken. "Die Blätter der Minze habe ich gerade in unserem Kräutergarten gepflückt", sagt einer der Köche, der in Richtung Gemüsegarten unterwegs ist. Jahrhundertealte Olivenbäume säumen die Alleen des Gartens. Aus ihren Früchten wird Olivenöl gepresst. Rosen ranken sich an den knorrigen Stämmen hoch. Der Duft von 700 Orangenbäumen liegt in der Luft. Durch die Büsche klingt der Ruf des Muezzins der nahen Koutoubia-Moschee.

Nicht weit entfernt liegt der Garten Arsat Moulay Abdeslam, der 2005 als Cyber Park wiedereröffnet wurde. Auch dieser Garten war ein Geschenk des gartenverliebten Sultans an einen seiner Söhne. Akkurat getrimmte Hecken zitieren französische Gartenkunst. Bänder aus Gräsern dienen als Beetbegrenzungen. Touchscreen-Säulen mit Internetzugang sollen Moderne und Zukunft symbolisieren.

Obwohl Marrakeschs Hauptattraktion – der lebendige Marktplatz der Gaukler (Djemaa el Fna) – nicht weit ist, herrscht Ruhe im Cyber Park. Auch viele Einheimische kommen hierher, der Besucher kann das marokkanische Alltagsleben beobachten. Im Schatten alter Bäume halten junge Pärchen Händchen. Gärten sind eine vortreffliche Kulisse für die Liebenden – das gilt auch in Marrakesch.

Reisezeit: Die meisten Gärten in Marrakesch haben ganzjährig geöffnet. Die ideale Reisezeit ist der Frühling.

Anreise und Formalitäten: Aus verschiedenen deutschen Städten gibt es Direktflüge nach Marrakesch. Für die Einreise benötigen deutsche Urlauber einen Reisepass, ein Personalausweis reicht nicht.

Gärten: Der Jardin Majorelle liegt am nördlichen Rande der Neustadt. Der Jardin Secret ist in der Medina am westlichen Rand der Souks zu finden. Der Anima-Garten befindet sich etwa 30 Kilometer südlich des Stadtzentrums beim Ort Ourika. Ein kostenloser Shuttle startet an der Koutoubia-Moschee. Der Arsat Moulay Abdeslam und der Garten vom Hotel "La Mamounia" können vom Platz Djemaa el Fna zu Fuß erreicht werden.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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