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So stoppen Airlines ihre Lebensmittelverschwendung

SRT/Tinga Horny

Aktualisiert am 14.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Snacks: Die Hygieneregeln der AnkunftslÀnder schreiben in aller Regel die Vernichtung der essbaren Reste vor.
Snacks: Die Hygieneregeln der AnkunftslÀnder schreiben in aller Regel die Vernichtung der essbaren Reste vor. (Quelle: SRT-Archivbild)
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Eine Airline verkauft auf dem letzten Flug des Tages Snacks fĂŒr die HĂ€lfte des Preises. Auch andere Fluglinien testen derzeit Ideen, um weniger Lebensmittel zu vergeuden.

Es beginnt schon mit der Frage "HĂŒhnchen oder Pasta?". Je genauer eine Fluggesellschaft den Geschmack ihrer Passagiere einschĂ€tzt, desto weniger Mahlzeiten wird sie am Ende des Fluges entsorgen mĂŒssen. Denn die Hygieneregeln der AnkunftslĂ€nder schreiben in aller Regel die Vernichtung der essbaren Reste vor. Selbst wenn sie noch original verpackt sind. Das gilt insbesondere fĂŒr frisches Obst und Milchprodukte – vom KĂ€se ĂŒber Joghurt bis zur Butter.


Die grĂ¶ĂŸten Flug-Mythen

Flugzeugtoiletten: Die Toiletten werden wĂ€hrend des Fluges entleert? Falsch. Alle Substanzen, die in der Toilette hinuntergespĂŒlt werden, speichert ein Tank, der dann nach der Ankunft am Flughafen entleert wird. Das Waschwasser aus den Handwaschbecken wird allerdings fein zerstĂ€ubt in die AtmosphĂ€re entlassen.
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 In Wirklichkeit geht das aber gar nicht. Viele KabinentĂŒren mĂŒssen erst nach innen geöffnet werden, bevor sie sich nach außen öffnen lassen. Und das ist durch den Luftdruckunterschied zwischen innen und außen wĂ€hrend des Fluges einfach nicht möglich.
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Auf diese Weise landen jĂ€hrlich Millionen Tonnen von Lebensmitteln im MĂŒll. Der internationale Luftfahrtverband Iata schĂ€tzt, dass 2018 circa 6,1 Millionen Tonnen Bordabfall produziert wurden. Davon dĂŒrfte fast ein Viertel aus noch genießbaren Nahrungsmitteln und GetrĂ€nken bestanden haben. Das ist eine Verschwendung der Ressourcen auf hohem Niveau, die zugleich jede Fluglinie bares Geld kostet.

Eurowings lÀutet die Happy Hour ein

Aus diesem Grund lĂ€utet Lufthansas Ferienflieger Eurowings zurzeit auf dem letzten Flug des Tages stets die Happy Hour ein und verkauft frische Esswaren wie Sandwiches oder Snacks fĂŒr die HĂ€lfte des angegebenen Preises. Die Airline verfolgt als Teil der Lufthansa Group das Ziel, bis 2030 die CO2-Emissionen im Vergleich zu 2019 auf 50 Prozent zu reduzieren und im Jahr 2050 an Bord und am Boden CO2-neutral zu werden. Daher achtet Eurowings zugleich auch verstĂ€rkt auf die regionale Herkunft des Catering-Angebots.

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Dabei befindet sich der Ferienflieger in bester Gesellschaft. Schließlich war die Schwester-Airline Swiss, die die gleichen LH-Unternehmensziele verfolgt, bereits im August und September mit einem Ă€hnlichen Catering-Konzept unterwegs. DafĂŒr kooperierte sie mit der Ökofirma Too Good To Go. Jeweils auf den letzten TagesflĂŒgen ab Genf gab es sogenannte ÜberraschungstĂŒten mit ĂŒbrig gebliebenen Snacks zu echten SchnĂ€ppchenpreisen, nur ein Drittel des Originalpreises.

Der Schweizer Presse zufolge sind laut Swiss-Manager Romain Vetter die ersten Ergebnisse der Testphase vielversprechend: "Die Initiative wurde von unseren FluggĂ€sten mit Begeisterung aufgenommen. Wir warten auf die abschließende Testauswertung, um zu entscheiden, ob wir das Projekt auf weitere Strecken ausdehnen."

40 Prozent weniger EssensabfÀlle

Was dabei nicht nur Eurowings und Swiss im Kampf gegen den LebensmittelmĂŒll hilft, ist der Einsatz von KI-gestĂŒtzter Technologie. Die ermöglicht, die potenzielle MenĂŒwahl der FluggĂ€ste immer prĂ€ziser einzuschĂ€tzen. Auf diese Weise hat es die Fluglinie Emirates aus Dubai geschafft, Menge und Auswahl der Gerichte so genau zu bestimmen, dass sich die EssensabfĂ€lle um bis zu 40 Prozent reduzierten, ohne die Angebotsvielfalt fĂŒr die GĂ€ste einzuschrĂ€nken.

Qatar Airways hat sich fĂŒr eine Ă€hnliche Vorgehensweise sogar eine App maßschneidern lassen. Nach jedem Flug trĂ€gt die Crew darin die nicht verzehrten MenĂŒs ein. So wird die Treffgenauigkeit der KundenprĂ€ferenzen stĂ€ndig optimiert. Zudem beschließt die Airline aus Doha grundsĂ€tzlich erst 50 Minuten vor Abflug, wie viele Mahlzeiten mit an Bord gehen. Diese Last-Minute-Beladung garantiert grĂ¶ĂŸtmögliche FlexibilitĂ€t.

EssenswĂŒnsche schon vor dem Flug angeben

Der Verschwendung von Nahrung rĂŒckt auch Japan Airlines (JAL) zu Leibe. Die Idee ist dabei so einfach, dass der Laie sich fragt, warum nicht schon jeder in Zeiten von Internet das so praktiziert: Auf lĂ€ngeren FlĂŒgen und speziell auf NachtflĂŒgen – so das Konzept, das seit Ende 2020 auf ausgesuchten Strecken ausprobiert wird – können die Passagiere vor dem Flug bereits online wĂ€hlen, ob sie eine Mahlzeit auslassen möchten.

Appellierend an das Gewissen ihrer Passagiere nennt JAL diese Option ehrgeizig "ethical choice". Wer diese Art von Nicht-Service in Anspruch nehmen will, muss dies lediglich 25 Stunden vor dem Abflug ĂŒber die Website der japanischen Airline melden. Es gibt in diesem Fall nur Gewinner, weil die Crew weniger Arbeit hat und der Passagier ungestört durchschlafen darf. Doch gleich dreimal freut sich die JAL: Sie spart sich Geld, Gewicht und Entsorgung der ĂŒbrig gebliebenen Mahlzeiten.

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  • Sophie Loelke
  • Nicolas Lindken
Von S. Loelke, N. Lindken, M. Koschak
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