• Home
  • Nachhaltigkeit
  • Konsum
  • T├Ąuscht Aldi seine Kunden? Schwere Vorw├╝rfe von Verbrauchersch├╝tzern


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f├╝r einen TextTour live: Wer gl├Ąnzt auf der Etappe?Symbolbild f├╝r einen TextRegierung r├Ąt zu NotstromaggregatenSymbolbild f├╝r einen TextMassenschl├Ągerei auf "Karls Erdbeerhof"Symbolbild f├╝r einen TextElon Musk trifft Papst FranziskusSymbolbild f├╝r einen TextJoey Kramer trauert um seine EhefrauSymbolbild f├╝r einen TextEishockey-Torwart in Russland verhaftetSymbolbild f├╝r einen TextKilometerlange Schlange an FlughafenSymbolbild f├╝r einen TextSchweinepest erreicht NiedersachsenSymbolbild f├╝r einen TextIgelrettung fordert vier VerletzteSymbolbild f├╝r einen TextSchauspieler Joe Turkel ist totSymbolbild f├╝r einen TextEinlass-Chaos bei Festival: "Entt├Ąuschend"Symbolbild f├╝r einen Watson TeaserPocher stichelt fies nach Promi-TrennungSymbolbild f├╝r einen TextErdbeersaison auf dem Hof - jetzt spielen

Verbrauchersch├╝tzer werfen Aldi Kundent├Ąuschung vor

  • Theresa Crysmann
Von Theresa Crysmann

Aktualisiert am 24.06.2022Lesedauer: 4 Min.
Bei Aldi gibt es l├Ąngst nicht mehr nur Vollmilch und fettreduzierte Milch: F├╝r umweltbewusste Kundschaft bietet der Konzern auch Pflanzendrinks und "klimaneutrale" Milch an. Doch letztere h├Ąlt wohl nicht, was sie verspricht.
Bei Aldi gibt es l├Ąngst nicht mehr nur Vollmilch und fettreduzierte Milch: F├╝r umweltbewusste Kundschaft bietet der Konzern auch Pflanzendrinks und "klimaneutrale" Milch an. Doch letztere h├Ąlt wohl nicht, was sie verspricht. (Quelle: Karl-Josef Hildenbrand dpa/lby)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Deutschlands Lieblingsdiscounter will nicht nur billig sein; Milch von Aldi soll sogar das Klima retten. Eine neue Analyse enth├╝llt die Kluft zwischen Marketingschwur und Realit├Ąt.

Der Preis ist gut f├╝rs Portemonnaie, die Kennzeichnung f├╝rs Gewissen. Aldis Landmilch ist mit 1,09 Euro nicht nur preiswert, sondern angeblich auch "klimaneutral". Alle CO2-Emissionen, die im Stall, auf der Wiese, bei Transport und Verarbeitung der Milch entstehen, macht der Discounter wett, hei├čt es. Einer ├ťberpr├╝fung h├Ąlt das gr├╝ne Eigenlabel des Produkts aber anscheinend nicht stand.

Eine Analyse der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch zeigt: Die Molkerei Gropper, die f├╝r Aldi die Milch der Marke "Fair & Gut" verarbeitet, hat keinen ├ťberblick, wie hoch der Treibhausgasaussto├č ihrer Zulieferbetriebe ist. Auch bei Aldi d├╝rften diese Zahlen zur Rohmilch also fehlen.

Eine Milchkuh frisst im Stall: Dass Kuhmilch generell einen hohen CO2-Fu├čabdruck hat, ist bekannt. Wie viele Treibhausgase mit Aldis Landmilch zusammenh├Ąngen, aber anscheinend nicht.
Eine Milchkuh frisst im Stall: Dass Kuhmilch generell einen hohen CO2-Fu├čabdruck hat, ist bekannt. Wie viele Treibhausgase mit Aldis Landmilch zusammenh├Ąngen, aber anscheinend nicht. (Quelle: picture alliance)

Kreative Buchf├╝hrung f├╝rs gr├╝ne Image

├ändern soll sich das erst ab Oktober ÔÇô zwei Jahre, nachdem der Discounter begonnen hat, "klimaneutral" auf seine Landmilch zu drucken, wohl ohne deren tats├Ąchliche CO2-Bilanz zu kennen. Und vor allem: Ohne sich um die effektive Reduzierung der Treibhausgase bei der Produktion zu k├╝mmern, wie Foodwatch kritisiert.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Putin hinter Gittern
Wladimir Putin ist im Westen isoliert.


F├╝r die Verbrauchersch├╝tzer ist die Aldi-Milch daher ein Musterbeispiel f├╝r Greenwashing durch ein Klima-Label: Wie viele andere Hersteller und H├Ąndler rechne der Discounter sich ein Produkt gr├╝n, das alles andere als klimafreundlich sei.

Klimakiller Kuhmilch? Ein Liter Vollmilch belastet die Atmosph├Ąre mit mehr als 1,5 Kilogramm CO2, doppelt so viel wie beispielsweise ein Liter Hafermilch. Das liegt daran, dass beim Anbau der Futtermittel und vor allem beim Verdauungsvorgang der K├╝he gro├če Mengen Treibhausgase entstehen. Insgesamt fallen Dreiviertel aller klimasch├Ądlichen Emissionen aus der Landwirtschaft auf die Tierhaltung zur├╝ck. Das muss nicht hei├čen, dass es keine Kuhmilch mehr geben darf ÔÇô um die deutschen Klimaziele zu erreichen, muss die Bundesrepublik allerdings die Zahl der Nutztiere deutlich reduzieren. So sieht es auch der Koalitionsvertrag vor.

"Moderner Ablasshandel"

"Da berechnet man die Menge der Treibhausgase, die w├Ąhrend der Herstellung eines Produkts anfallen und finanziert in entsprechendem Ma├če Klimaschutzprojekte, die das wieder ausgleichen sollen", erkl├Ąrt Manuel Wiemann von Foodwatch im Gespr├Ąch mit t-online. Die eigenen Lieferketten und Produktionsabl├Ąufe m├╝ssten die Unternehmen nicht ver├Ąndern, sondern k├Ânnten sich freikaufen. "Das ist moderner Ablasshandel", so Wiemann.

Manuel Wiemann k├╝mmert sich als Verbrauchersch├╝tzer bei Foodwatch um irref├╝hrende Werbung. Einmal im Jahr verleiht er den "Goldenen Windbeutel", einen Preis f├╝r besonders dreiste Werbel├╝gen.
Manuel Wiemann k├╝mmert sich als Verbrauchersch├╝tzer bei Foodwatch um irref├╝hrende Werbung. Einmal im Jahr verleiht er den "Goldenen Windbeutel", einen Preis f├╝r besonders dreiste Werbel├╝gen. (Quelle: Foodwatch)

Im Fall der Landmilch flie├čen die Kompensationszahlungen von Aldi unter anderem in ein Aufforstungsprojekt in Uruguay. Statt heimischer B├Ąume und Str├Ąucher wird dort laut Foodwatch eine Eukalyptus-Monokultur herangezogen, die mit Fipronil und Glyphosat gespritzt wird.

Beide Pflanzenschutzmittel sind hochgiftig f├╝r Insekten und werden von vielen Experten als eine Ursache des weltweiten Bienensterbens angesehen. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Glyphosat au├čerdem als "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen ein". Die Nutzung beider Mittel ist in der EU stark beschr├Ąnkt und teils sogar verboten. Das Fazit von Foodwatch: Wer der Umwelt mit dem Kauf der Aldi-Milch etwas Gutes tun wolle, werde dreist get├Ąuscht.

Gro├če Versprechen mit fragw├╝rdiger Basis

Noch fragw├╝rdiger scheint ein weiteres Ausgleichsprojekt, das bei Aldi f├╝r "klimaneutrale" Milch sorgen soll. Eine Foodwatch-Recherche aus dem vergangenen Jahr belegt das bisherige Versagen des Waldschutzprojekts in der peruanischen Region Tambopata: "Seit dem Projektstart hat sich die Abholzungsrate in dem Gebiet verdoppelt, statt zu sinken", sagt Manuel Wiemann.

Nach Berechnungen der Verbrauchersch├╝tzer haben die Betreiber des Projekts zudem zehnmal mehr CO2-Zertifikate ausgegeben als zul├Ąssig gewesen w├Ąre. Die versprochene finanzielle Unterst├╝tzung f├╝r die Bev├Âlkerung vor Ort sei gleichzeitig lange ausgeblieben. "Die haben die ersten zehn Jahre einfach kein Geld gesehen", so Wiemann.

Klimaschutz-Vermittler wehrt sich

Das Vermittlungsunternehmen Climate Partner weist die Vorw├╝rfe von Foodwatch zur├╝ck. "Die Kritik an unseren Klimaschutzprojekten ber├╝cksichtigt nicht, dass diese durch strenge Standards zertifiziert und laufend durch unabh├Ąngige, akkreditierte Auditoren ├╝berpr├╝ft sind", so Pressesprecher Dieter Niewierra.

Dies wollen die Verbrauchersch├╝tzer aber nicht gelten lassen und verweisen auf eine Studie des ├ľko-Instituts im Auftrag der EU-Kommission, die zeigt: Nur 2 Prozent von hunderten zertifizierten Ausgleichsprojekten halten sehr wahrscheinlich ihre Klimaversprechen. "Es ist eine Bankrotterkl├Ąrung an Kompensationsprojekte, dass fast keine Projekte ernsthaften Klimaschutz sicherstellen", betont Manuel Wiemann von foodwatch.

Weshalb die kritisierten CO2-Ausgleichsprojekte in Peru und Uruguay besser sein sollten, erkl├Ąre Climate Partner nicht, sondern berufe sich auf fragw├╝rdige Projektberichte, die l├Ąngst bekannt seien. "Damit setzt Climate Partner die Klimal├╝gen fort. Kein Wunder, denn das Gesch├Ąftsmodell des Unternehmens ist der Ablasshandel mit Kompensationsprojekten f├╝r vermeintliche Klimaneutralit├Ąt", so Wiemann.

Auch andere Einzelh├Ąndler in der Kritik

├ťber die Kontroverse um Klimaschutzprojekte war im vergangenen November bereits die Handelskette Rewe gestolpert. Dort wurden CO2-Zertifikate des peruanischen Waldprojektes genutzt, um ein H├╝hnchenprodukt "klimaneutral" zu rechnen.

Im Nationalpark Tambopata leben so viele verschiedene Pflanzen und Tiere wie sonst an kaum einem anderen Ort auf der Welt. Doch auch hier gef├Ąhrdet illegale Abholzung riesige Regenwaldfl├Ąchen.
Im Nationalpark Tambopata leben so viele verschiedene Pflanzen und Tiere wie sonst an kaum einem anderen Ort auf der Welt. Doch auch hier gef├Ąhrdet illegale Abholzung riesige Regenwaldfl├Ąchen. (Quelle: Olivier Donnars / Le Pictorium/MAXPPP)

W├Ąhrend Rewe die Zusammenarbeit mit den Betreibern auf Druck von Foodwatch hin stoppte, lie├č sich Aldi von dem Fall anscheinend nicht beeindrucken. Auch bei Climate Partner, einem Unternehmen, das neben Aldi-S├╝d zahlreiche namhafte Firmenkunden mit Klimazertifikaten versorgt, wird das Projekt in Peru noch als Paradebeispiel gef├╝hrt.

"Verbraucherinnen und Verbraucher k├Ânnen sich auf Klima-Werbung ├╝berhaupt nicht verlassen", sagt Foodwatch-Referent Wiemann. Die Organisation fordert daher verpflichtende Reduktionsma├čnahmen f├╝r die Treibhausgase aus der Landwirtschaft sowie ein Verbot von Umwelt-Werbel├╝gen.

Gesetze gegen Greenwashing

W├Ąhrend solch ein gesetzlicher Hebel zur CO2-Vermeidung auf den H├Âfen noch auf sich warten l├Ąsst, hat die EU-Kommission k├╝rzlich einen Vorschlag zur Regulierung von gr├╝nen Werbeversprechen vorgelegt. Zwar sind darin Mindeststandards f├╝r Klima-Werbung vorgesehen. Doch die Schlupfl├Âcher sind den Verbrauchersch├╝tzern von Foodwatch zu gro├č.

Es gr├╝nt in der Einganshalle der neuen Firmenzentrale von Aldi-Nord in Essen: Auch bei seinen Produkten ist die Konzernkette um ein nachhaltiges Image bem├╝ht.
Es gr├╝nt in der Einganshalle der neuen Firmenzentrale von Aldi-Nord in Essen: Auch bei seinen Produkten ist die Konzernkette um ein nachhaltiges Image bem├╝ht. (Quelle: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd)

Denn: Der aktuelle Vorschlag aus Br├╝ssel k├Ânnte es weiterhin erm├Âglichen, Produkte mit gro├čem CO2-Fu├čabdruck wie Rindfleisch, Heiz├Âl oder Einweg-Plastikflaschen als "klimapositiv" zu kennzeichnen. Auch andere Beh├Ârden haben die gr├╝ne Werbung der Konzerne allerdings zunehmend auf dem Schirm.

So verklagte die Wettbewerbszentrale Aldi-S├╝d im vergangenen Jahr f├╝r eine hochtrabende Klimaschutz-Behauptung: Die Kette hatte damit geworben, der "erste klimaneutrale Lebensmitteleinzelh├Ąndler" zu sein. Das Verfahren l├Ąuft.

Hinweis: Am 24.06.2022 wurde der Artikel um eine Stellungnahme des Unternehmens Climate Partner sowie eine Replik der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch erg├Ąnzt.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
ALDICO2DiscounterEU-KommissionPeruRewe

t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website