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IS pulverisiert legendäres Christen-Kloster von Mossul

ap, Martha Mendoza, Maya Alleruzzo und Bram Janssen

Aktualisiert am 22.01.2016Lesedauer: 3 Min.
Satellitenaufnahmen vom Sankt-Elias-Kloster in Mossul vor und nach der Zerstörung durch den IS. (Gehen Sie für den Vorher-/Nachher-Effekt mit dem Mauszeiger auf die grüne Fläche in der Mitte des Bildes und bewegen Sie dann die Leiste mit gedrückter linker Maustaste nach links oder rechts.)
Satellitenaufnahmen vom Sankt-Elias-Kloster in Mossul vor und nach der Zerstörung durch den IS. (Gehen Sie für den Vorher-/Nachher-Effekt mit dem Mauszeiger auf die grüne Fläche in der Mitte des Bildes und bewegen Sie dann die Leiste mit gedrückter linker Maustaste nach links oder rechts.) (Quelle: ap-bilder)
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Schon mehrere jahrtausendealter Kulturgüter im Irak und in Syrien fielen dem sogenannten Islamischen Staat (IS) zum Opfer. Nun hat die Terrormiliz auch die Gemäuer des uralten Sankt-Elias-Klosters im Nordirak zerstört. Die Terroristen hinterließen "ein Feld aus grau-weißem Staub".

(Um die Satellitenaufnahmen vor und nach der Zerstörung durch den IS zu vergleichen, gehen Sie mit dem Mauszeiger auf die grüne Fläche in der Mitte des Bildes oben und bewegen Sie dann die Leiste mit gedrückter linker Maustaste nach links oder rechts.)


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Mehr als 1400 Jahre lang stand das Kloster auf einem Hügel über Mossul. Tragödien erschütterten es im Laufe seiner Gesichte immer wieder - sei es, als 1743 ein persischer General 150 Mönche hinrichten ließ, weil sie nicht zum Islam konvertieren wollten, oder als US-Soldaten die uralten Wandmalereien verunstalteten. Doch zumindest die Ruine blieb bestehen - bis sie die Terrormiliz Islamischer Staat nun dem Erdboden gleichmachte.

Satellitenaufnahmen zeigen am einstigen Standort des auch als Dair Mar Elia bekannten Klosters nur noch ein Trümmerfeld. Damit bestätigten sich Befürchtungen von Archäologen und Kirchenvertretern, dass das Kloster ein ähnliches Schicksal ereilen könnte wie etliche andere Gebetsorte und Tempel im Gebiet der Extremisten im Irak und Syrien. Der extremistische IS begründet die Zerstörung damit, dass dort Götzen angebetet würden.

Zum Armee-Stützpunkt umfunktioniert

Generationen von Mönchen hatten in dem zwischen 582 und 590 errichteten Sankt-Elias-Kloster Kerzen in die Gebäudenischen gestellt und in der Kapelle oder am Altar gebetet und Messen abgehalten. Nach der Zerstörung einiger Gebäudeteile durch die Perser wandelte es sich zu einem Pilgerort. Dabei blieb es auch, als der Irak das Kloster in einen Ausbildungsstützpunkt der Armee eingliederte.

Das Foto zeigt eine christliche Zeremonie in dem Kloster aus den 1920er Jahren.
Das Foto zeigt eine christliche Zeremonie in dem Kloster aus den 1920er Jahren. (Quelle: ap-bilder)

Die Soldaten gingen allerdings nicht gerade pfleglich mit der Gebetsstätte um. Sie luden ihren Müll in den alten Zisternen ab, und als nach der US-Invasion 2003 amerikanische Soldaten einrückten, kritzelten sie Sprüche wie "Chad war hier" und "Ich liebe Debbie" über die uralten Wandgemälde. Bei einem Gefecht stürzte ein Panzerturm in eine der Mauern.

Ein US-Militärpriester, der die historische Bedeutung des Klosters erkannte, begann schließlich mit der Restaurierung. Ein Projekt, das auch seine Nachfolger an dem Stützpunkt über Jahre fortsetzten.

Seit Beginn des Jahrhunderts wurde das Kloster vor allem als Militärstützpunkt genutzt. Die Aufnahme von 2008 zeigt einen US-amerikanischen Soldaten in den historischen Gemäuern.
Seit Beginn des Jahrhunderts wurde das Kloster vor allem als Militärstützpunkt genutzt. Die Aufnahme von 2008 zeigt einen US-amerikanischen Soldaten in den historischen Gemäuern. (Quelle: Maya Alleruzzo/ap-bilder)

"Sie haben es komplett zerstört"

Bevor der IS im Jahr 2014 die Kontrolle über die Millionenstadt Mossul und deren Umgebung übernahm, stand dort noch ein 2500 Quadratmeter großer Komplex aus Stein und Mörtel. Das Dach des festungsartigen Gebäudes fehlte großteils, aber die 26 Räume inklusive Kapelle und Altarraum waren noch erhalten.

Vermutlich zwischen August und September 2014 sei das Gebäude dann richtiggehend pulverisiert worden, sagt Stephen Wood von Allsource Analysis, der die mit einer hochauflösenden Kamera aufgenommenen Satellitenfotos untersuchte und mit Archivbildern verglich. "Bulldozer, schweres Gerät, Vorschlaghammer und möglicherweise auch Sprengstoff haben die Steinmauern in ein Feld aus grau-weißem Staub verwandelt. Sie haben es komplett zerstört."

Priester fürchtet Auslöschung der christlichen Geschichte

Die Nachrichtenagentur AP zeigte die Vorher- und Nachher-Bilder auch dem aus Mossul stammenden katholischen Priester Thabit Habib. "Ich kann nicht beschreiben, wie traurig ich bin. Unsere christliche Geschichte in Mossul wird auf barbarische Weise dem Erdboden gleichgemacht", sagt er in der nordirakischen Stadt Erbil, die unter Kontrolle der Kurden steht. "Was wir sehen ist ein Versuch, uns aus dem Irak zu vertreiben, unsere Existenz in diesem Land auszumerzen und zu beenden."

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Auch Suzanne Bott kommen die Tränen, als sie die Bilder sieht. Als Kulturberaterin des Außenministeriums im Irak hatte sie mehr als zwei Jahre der Restaurierung des Sankt-Elias-Klosters gewidmet. "Das kann nicht sein. Es ist völlig dem Erdboden gleichgemacht", sagt sie. "Was wir hier verlieren, ist eine sehr konkrete Erinnerung an die Wurzeln einer Religion."

Die Außenseite des Klosters: Bis die Terrormiliz IS die nordirakische Stadt Mossul einnahm, hatten hier immer wieder Restaurationsarbeiten stattgefunden.
Die Außenseite des Klosters: Bis die Terrormiliz IS die nordirakische Stadt Mossul einnahm, hatten hier immer wieder Restaurationsarbeiten stattgefunden. (Quelle: Col. Juanita Chang/U.S. Army/ap-bilder)

IS zerstörte etwa 100 Kulturstätten

Im Zuge seiner Eroberungen in Syrien und im Irak hat der IS neben dem Kloster auch rund 100 andere Kulturstätten zerstört oder beschädigt, unter anderem den 2000 Jahre alten Baaltempel im syrischen Palmyra und die Anlagen in Ninive oder Hatra im heutigen Irak. Kirchen, Gräber, Schreine, Museen, Büchereien und sogar Moscheen wurden geplündert und Kunstwerke vernichtet oder auf dem Schwarzmarkt verkauft.

Für die chaldäisch-katholische Kirche im Irak war der Vormarsch des IS ein weiterer schwerer Schlag. Bereits in den Jahren nach der US-Invasion waren Christen zum Ziel brutaler Verfolgung geworden. Nach Kirchenangaben schrumpfte die Zahl der irakischen Christen von 1,3 Millionen damals auf 300.000 heute.

Der chaldäisch-katholische Priester Yousif Boji lebt mittlerweile in den USA. Er erinnert sich noch daran, dass er vor 60 Jahren im Sankt-Elias-Kloster eine Messe besuchte, als er noch im Priesterseminar war. Er beklagt einen unwiederbringlichen Verlust. Dennoch will er die Hoffnung nicht aufgeben. "Diese Verfolgungen sind unserer Kirche schon mehr als einmal widerfahren. Aber wir glauben an die Macht der Wahrheit, an die Macht Gottes", sagt er.

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