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Ihre Methoden sind ausgereizt

Eine Kolumne von Gerhard Spörl

Aktualisiert am 01.03.2021Lesedauer: 3 Min.
Angela Merkel und Markus Söder nach einem Corona-Gipfel im vergangenen April: Die Bund-LÀnder-Runde muss sich neue Methoden einfallen lassen.
Angela Merkel und Markus Söder nach einem Corona-Gipfel im vergangenen April: Die Bund-LÀnder-Runde muss sich neue Methoden einfallen lassen. (Quelle: IPON/imago-images-bilder)
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Dass sie nicht mehr auf unsere Geduld bauen können, wissen Kanzlerin und die MinisterprĂ€sidenten. Sie mĂŒssen endlich das Impfen beschleunigen und Schnelltests ausgeben, damit die Grundstimmung nicht kippt.

Ziemlich genau vor einem Jahr sagte Markus Söder, die Pandemie sei ein Charaktertest fĂŒr die Gesellschaft. Stimmt. Ebenso wahr ist aber, dass die Pandemie ein Charaktertest ist fĂŒr die Riege der MinisterprĂ€sidenten und der Kanzlerin.

Wie es aussieht, gehen wir in eine Woche, in der Entscheidungen von einiger Tragweite getroffen werden. Die Gesellschaft, also Sie und ich und alle anderen, hat in ihrer Mehrheit die Faxen dicke. Lange genug hat sie Charakter bewiesen, womit Langmut und Geduld und sogar Nachsicht gemeint sind. Wenn am Mittwoch zum x-ten Male die Kanzlerin mit den LĂ€nderchefs per Video konferiert, dann wissen sie, dass sie sich nicht lĂ€nger mit Appellen an die Vernunft begnĂŒgen können. Was sie uns vorschlagen, wird Konsequenzen haben.

Geduld ist ein endliches Gut

Von den Entscheidungen hĂ€ngt die Grundstimmung fĂŒr dieses Jahr ab. Mitte MĂ€rz wĂ€hlen Rheinland-Pfalz und Baden-WĂŒrttemberg. Hier ist Malu Dreyer beliebt, dort Winfried Kretschmann. Beide sind wohltemperierte GemĂŒter, die ihren Eigensinn in der Pandemie gebĂ€ndigt haben und auf Wiederwahl hoffen dĂŒrfen. Schlechte Laune fĂ€rbt ab, gute Laune auch. Ich wette, dass die Mittwochsrunde viel Zeit aufs AbwĂ€gen verschwendet, welche politischen Auswirkungen ihre BeschlĂŒsse haben könnten.

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Uns allen steht eine Pandemie-Bundestagswahl am 26. September bevor. Einen neuen Kanzler bekommen wir, wohl auch eine neue Koalition, aber ihr Spielraum hĂ€ngt vom Geschick der alten Regierung ab, auf die neue Lage schlau zu reagieren, so dass sie die kleine Wiedergeburt der Parteien der Mitte nicht abwĂŒrgt.

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Mit einigem Recht lĂ€sst sich behaupten, dass die Gesellschaft den Charaktertest ganz gut bestanden hat. Wir haben immer wieder VerstĂ€ndnis fĂŒr EinschrĂ€nkungen und noch mehr EinschrĂ€nkungen aufgebracht. Aber das Land ist erschöpft, wie der "Spiegel" in seiner Titelgeschichte richtig schreibt. Geduld ist ein endliches Gut. Geduld lĂ€sst sich nicht im Zwei-Wochen-Rhythmus strapazieren. Das ist der Stand der Dinge.

Wird aus der MĂŒdigkeit jetzt Missmut?

Wie es sich fĂŒgt, liegen die Bestandteile fĂŒr eine Doppelstrategie bereit: Ja, die Mutanten treiben die Zahl der Infizierten wieder höher und noch immer sterben beklagenswert viele Menschen am Virus. Aber nun liegt genĂŒgend Impfstoff bereit. In KĂŒrze erhĂ€lt das Produkt von Johnson & Johnson die europĂ€ische Zulassung und Astrazeneca ist, wie sich zeigt, besser als sein Ruf. Zudem gibt es eine App mit dem schönen Namen Luca, die mehr kann als die Corona-App, sodass unsere Kontakte schlagartig nachverfolgt werden können, wenn uns das Virus erwischen sollte. Zudem stehen bald Schnelltests bereit, kostenlos sogar, wie es heißt.

Ja, wir mĂŒssen vorsichtig bleiben, ist ja gut, sind wir. Aber niedergelassene Ärzte sollten ins Impfen einbezogen werden. Dann geht eben, wer will, zu ihnen. Daraus entsteht vielleicht ein Durcheinander, wenn der Staat nicht mehr Mails oder Briefe verschickt, aber dann ist das eben so. Bis dahin sollten doch wohl die systemrelevanten Berufe nach Plan dran gekommen sein. Und wer geimpft ist, sollte wieder weitgehend tun dĂŒrfen, was er tun will. Die bloße Aussicht auf grĂ¶ĂŸere Freiheit kann die Impferei sogar beschleunigen.

Die Regierungen in Bund und LĂ€ndern haben uns einigermaßen gut durch die Pandemie gelotst. Ihre Methoden sind jedoch ausgereizt. Nun steht die zweite Phase des Charaktertests bevor. Bringt die Runde am Mittwoch eine durchdachte Doppelstrategie zustande, wird das mĂŒde Land aufgemuntert. Kriegt sie diese Kurve nicht ĂŒberzeugend hin, wird aus der MĂŒdigkeit Missmut. Mindestens.

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