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USA: Gavin Newsom überzeugt gegen Ron DeSantis – wird er Joe Biden ersetzen?


Wird dieser Mann zur echten Gefahr für Joe Biden?


Aktualisiert am 01.12.2023Lesedauer: 4 Min.
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Gouverneur mit Talent und Ambitionen: Gavin Newsom aus Kalifornien. (Quelle: TINGSHU WANG)

Bei einem ungewöhnlichen Fernsehduell gegen Ron DeSantis aus Florida überzeugte ein Mann, der Joe Biden gefährlich werden könnte. Sein Name ist Gavin Newsom.

Bastian Brauns berichtet aus Washington.

Diese beiden Politiker haben eigentlich viel gemeinsam. Sie sind noch relativ jung, hoch ambitioniert, und als Gouverneure regieren sie die beiden mächtigen US-Bundesstaaten Kalifornien und Florida. Zugleich aber verkörpern Gavin Newsom (56) an der Westküste und Ron DeSantis (45) an der Ostküste den tiefen gesellschaftlichen Graben, der sich durch Amerika zieht. Leidenschaftlich kämpfen der kalifornische Demokrat und der Republikaner aus Florida für Politikansätze, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Worin sie wieder übereinstimmen: Beide wollen ihre Ideen am liebsten auf ganz Amerika übertragen. Floridas Gouverneur Ron DeSantis bewirbt sich offiziell um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Und Gavin Newsom gilt als einer der Top-Favoriten, sollte Joe Biden für die Demokraten doch noch ausfallen. Kritiker halten ihm sogar vor, er würde bereits jetzt einen Schattenwahlkampf führen, um Biden demnächst zu ersetzen. Für beide Männer gilt jedenfalls: Spätestens im Jahr 2028 könnte ihre Zeit gekommen sein und das Rennen um den Sitz im Weißen Haus zwischen ihnen ausgetragen werden.

Ein besonderes Duell

Es war ein ungewöhnlicher Termin, zu dem die beiden sich jetzt getroffen haben. Aber Newsom und DeSantis haben sich am Donnerstagabend bereiterklärt, in Atlanta, im politisch umkämpften Bundesstaat Georgia, ein TV-Duell auszutragen. Übertragen hat es der rechtskonservative Fernsehsender Fox News. In den USA stieß es auf ein extrem hohes Interesse.

Der Grund: Es bot den Amerikanern nicht nur einen Einblick in die Glaskugel für kommende Präsidentschaftswahlen, sondern bildete auch das ab, was sich die meisten schon heute wünschen: echte Alternativen zu Donald Trump (77) und Joe Biden (82). Denn die beiden wahrscheinlichen Kandidaten für 2024 sollten, Umfragen zufolge, am besten gar nicht antreten. Kurz gesagt: Newsom gegen DeSantis, das ist so etwas wie die politische Version von "America's Next Topmodel". Und die Hoffnung vieler Amerikaner ist nach wie vor: Vielleicht treten Biden und Trump am Ende doch nicht an – der eine aus gesundheitlichen Gründen, der andere, weil er im Gefängnis sitzen könnte.

Ein Gewinn war die Debatte von Atlanta aber vor allem für Gavin Newsom. Der Gouverneur regiert zwar den bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA. Aber das Duell mit DeSantis war im Grunde sein erster echter landesweiter Auftritt, bei dem er sich einem großen Publikum bekannt machen konnte. Es ging Newsom dabei weniger darum, Trump- oder DeSantis-Wähler zu überzeugen, sondern darum, seine Bekanntheit zu steigern.


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Offiziell verteidigte er Joe Biden

Und so übernahm Newsom auch sofort die Rolle des großen Biden-Verteidigers. Fast die ganzen 90 Minuten über wirkte er fast wie ein Vizepräsident, der stellvertretend für das Weiße Haus sprach. Pflichtbewusst betonte Newsom: "Ich schätze und respektiere die Arbeit des Präsidenten und der Vizepräsidentin." Doch im Grunde zeigte der Kalifornier die ganze Zeit über, wie ein Wahlkampf aussehen könnte, wenn er und nicht Biden antreten würde. Schlagfertig setzte er Treffer um Treffer gegen Ron DeSantis.

"Am Ende haben wir eines gemeinsam: Keiner von uns wird 2024 der Kandidat für unsere Partei sein", feixte Newsom gegen seinen Konkurrenten, der nach wie vor versucht, das parteiinterne Rennen gegen Donald Trump zu gewinnen. Als DeSantis sich darüber beklagte, dass Joe Biden mental abbauen würde, was eine Gefahr für die Nation sei, holte Newsom erneut aus: "Ich würde Joe Biden auch mit 100 Jahren vorziehen gegenüber auch nur einem Tag mit Ron DeSantis, egal in welchem Alter er ist."

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Einen weiteren Schlag versetzte er Ron DeSantis, als es um das Thema Migration ging. Newsom warf seinem Konkurrenten ein zynisches und unmenschliches Spiel mit den illegalen Einwanderern vor. "Sie belügen die Migranten", sagte er und bezog sich auf umstrittene Aktionen von DeSantis. Der Gouverneur aus Florida hatte Flüchtlingen versprochen, sie an einen sicheren Ort zu bringen, setzte sie aber stattdessen unter anderem auf eine Insel im Atlantik aus und auf einem Parkplatz im kalifornischen Sacramento. Sein vorgebliches Ziel: Die Demokraten auf das Problem aufmerksam machen, das sie nicht lösen würden.

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DeSantis' Spitzen gegen den Demokraten

Unverkennbar ist Gavin Newsom trotz geringer Bekanntheit rhetorisch zwar viel geschickter als Ron DeSantis. Aber auch der Gouverneur aus Florida konnte Punkte erzielen, die beim konservativen Publikum gut angekommen sein dürften. Ironisch spielte er auf die vielfach unhaltbaren Zustände in kalifornischen Großstädten an. "In Kalifornien haben Sie die Freiheit, Ihre Notdurft in der Öffentlichkeit zu verrichten", sagte DeSantis. Und er fügte hinzu: "Sie haben auch die Freiheit, ein Zelt auf dem Sunset Boulevard aufzuschlagen. Sie haben die Freiheit, ein Obdachlosenlager unter einer Autobahn zu errichten und es in Brand zu setzen. Sie haben die Freiheit, unter freiem Himmel mit Drogen zu handeln."

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Newsom konterte dann aber auch DeSantis, der stets mit seinem Freiheits-Bundesstaat Florida wirbt. Demnach habe auch er einst eine Maske getragen während der Covid-19-Pandemie und anfangs auch das Impfen beworben. Erst als DeSantis gemerkt habe, dass er politisch Kapital aus den Impf- und Maskengegnern schlagen könnte, sei dieser umgeschwenkt. DeSantis habe darum Tausende Menschenleben auf dem Gewissen.

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Eine Debatte gegen Joe Biden

Ob es um Migration, Waffengesetze oder um eine Indoktrination von Kindern in Schulen ging – die extremen Unterschiede der beiden Kontrahenten waren erwartbar. Es ist der amerikanische Kulturkampf in reiner Form. Was aber überraschte: wie versiert, faktensicher und angriffslustig der Gouverneur aus Kalifornien gegenüber Ron DeSantis auftrat.

Schon vor Wochen hatte Gavin Newsom dem konservativen Fox-News-Moderator Sean Hannity ein ausführliches Interview gegeben. Da bereitet sich einer auf die ganz große Bühne vor. Der Mann will eindeutig mehr, als nur Talkshow-Gast sein. Nach seinem gestrigen Auftritt wurde das noch deutlicher.

Die Debatte bei den Demokraten, ob Joe Biden wirklich der Richtige ist, dürfte jetzt neuen Aufschwung bekommen. Wenn Bidens Wahlkampfteam klug ist, setzen sie Newsom in den kommenden Monaten aber trotzdem, so oft sie können, für ihre eigenen Zwecke ein. Das gleicht die greisen Momente des Präsidenten vielleicht aus.

Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen und Rechechen
  • Livestream der Debatte auf Fox News
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