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Meinung
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Ist Muslimsein jetzt schon eine Gefährdung?

t-online, Lamya Kaddor

Aktualisiert am 01.12.2017Lesedauer: 3 Min.
Viele Deutsche haben ein schwieriges Verhältnis zum Islam entwickelt.
Viele Deutsche haben ein schwieriges Verhältnis zum Islam entwickelt. (Quelle: Wolfgang Kumm/dpa-bilder)
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US-Präsident Donald Trump verbreitet Botschaften von radikalen Islamfeinden. Die Zahl der Muslime in Deutschland wird einer Studie zufolge steigen, und deutsche Bürger befällt Unbehagen. Der Grundfehler dabei: Wir sehen in Muslimen immer nur Muslime.

Der Führer der freien Welt, Donald Trump, verbreitet unter seinen Millionen Anhängern die Tweets einer britischen Islamfeindin, der vor lauter Extremismus das Betreten von Moscheen gerichtlich verboten wurde. „Gut, was soll man von Trump erwarten“, könnte man sagen. Zugleich berichten Medien über eine Studie des Washingtoner Pew Research Centers unter der Überschrift: „Zahl der Muslime in Deutschland wird deutlich steigen“, und fast jeder Leser spürt, obwohl die Schlagzeile nüchtern formuliert ist, vermittelt sie Unbehagen.

15 Jahre anti-islamische Propaganda haben dazu geführt, dass allein der Begriff „Muslim“ zu einer Art Stigma geworden ist. Noch Mitte der 1990er Jahre hätte kein Hahn nach so einer Studie gekräht. Heute werden Ängste, Vorurteile und Abneigungen damit verbunden.

Ein Anstieg der Zahl an Muslimen suggeriert eine angeblich bevorstehenden Untergang des Abendlandes, und jeder mit muslimischem Familienhintergrund droht nun in den Strudel hineingezogen zu werden. Denn wo ist die Grenze? Welcher Muslim stellt hier keine „Gefahr“ dar? Sind nur gewaltbereite Islamisten und Fundamentalisten eine?

Offenbar nicht, denn ein Narrativ der Islamfeinde besagt ja, Muslime stünden heimlich hinter den Extremisten, weil diese den Koran richtig auslegten. Sind also auch Muslime eine Gefahr, die regelmäßig in die Moschee gehen und ein Kopftuch tragen? Bin ich eine Gefahr, die für ein zeitgemäßes Islamverständnis eintritt und 2010 den Liberal-Islamischen Bund (LIB) mitbegründet hat? Ist die Anwältin Seyran Ates eine Gefahr, die in diesem Sommer eine liberale Moschee ins Leben rief?

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Vielleicht auch die Islamkritiker Hamed Abdel-Samad und Necla Kelek, denn sie sind meines Wissens keine Mitglieder in einem Zentralrat der Ex-Muslime. Vielleicht sind selbst beim Zentralrat der Ex-Muslime Personen, die ihre Haltung nur vortäuschen? Bei Muslimen weiß man nie so genau, da sie lügen und betrügen dürfen, wie die islamfeindlichen Aktivisten behaupten. Das Gift des Zweifels, genährt von Trump und Politikern, kennt keine Grenzen.

Wie sollen Muslime damit umgehen? Ignorieren, als sei nichts gewesen und die Saat des Hasses weiter keimen lassen? Einfach weitermachen, so wie sich die Öffentlichkeit längst auf den Streit zwischen Trump und der britischen Regierung konzentriert, die seinen Retweet kritisiert hatte, statt auf die skandalöse Verbreitung islamfeindlicher Botschaften durch den mächtigsten Mann der Welt? Oder sollen die Muslime einfach abhauen, zurück in die „Heimat“?

Das wäre die Antwort des radikalnationalistischen Blocks, der seit Jahren die Kommentarspalten im Netz und die Sozialen Medien aufmischt. Wie weit reicht dieser radikalnationalistische Block in die Gesellschaft? Wie viele, die nicht zu ihm zählen, haben heimlich Sympathien für die Lösung „Raus mit denen!“ - auch wenn sie das nicht öffentlich äußern würden?

Die Zweifel auf beiden Seiten - Muslimen wie Nichtmuslimen - haben ein verheerendes Potenzial für soziale Konflikte. Ihr schleichendes Gift dringt immer tiefer in die Köpfe der Menschen ein. Rechtsradikale und Rechtspopulisten reiben sich bereits genüsslich die Hände, weil mit Pew ein renommiertes Forschungsinstitut ihre lang gehegten „Sorgen“ angeblich bestätigt.

Dabei sind Bevölkerungsprognosen insbesondere auf lange Sicht höchst fehleranfällig. Zudem könnte man darauf verweisen, dass die höhere Geburtenrate muslimischer Zuwanderer bereits in der zweiten Generation sinkt und sich der allgemeinen in Deutschland anpasst. Oder dass schon die gegenwärtige Gesamtzahl der Muslime nur auf Schätzungen beruht, da es in Deutschland gar keine Datenerhebung dazu gibt.

Aber lassen wir das. Sehen wir der Wahrheit ins Auge: Ja, der derzeit geringe Anteil der Muslime an der deutschen Bevölkerung von fünf bis sechs Prozent wird über Jahrzehnte ein Stück weit ansteigen. Na und? Wie kommt man eigentlich dazu, in deutschen Muslimen nur Muslime zu sehen, die den ganzen Tag an die Scharia dächten?

Manche Muslime definieren sich primär über ihren Beruf. Einige verstehen sich zuvorderst als Unternehmer, Künstler, Sportler, Fußballfans etc., andere als Deutsche, Europäer, Kosmopoliten. Es soll sogar Muslime geben, die keinen Wert auf Religion legen, sich jedes Wochenende betrinken und Schweinefleisch essen.

Trotzdem muslimisieren wir sie in der öffentlichen Wahrnehmung. Auch Muslime sind mehr als religiöse Wesen, die meisten sind ganz „normale“ Mitmenschen, die sich in ihrem Verhalten kein Stück von der Mehrheit der Gesellschaft unterscheiden. Und mal ganz ehrlich: Nicht nur ich hätte lieber einen Navid Kermani zum Nachbarn als einen Alexander Gauland, oder?

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