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Corona-Ausbruch in Frankfurt am Main: So lief es im Gottesdienst ab

Corona-Ausbruch in Frankfurt  

Gottesdienstbesucher sangen und trugen keine Masken

25.05.2020, 19:55 Uhr | dpa, dru

Corona-Ausbruch in Frankfurt am Main: So lief es im Gottesdienst ab. Gebäude einer Baptisten-Gemeinde in Frankfurt (Main): Nach einem Gottesdienst in der ersten Maihälfte haben sich mehr als 100 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. (Quelle: imago images/epd)

Gebäude einer Baptisten-Gemeinde in Frankfurt (Main): Nach einem Gottesdienst in der ersten Maihälfte haben sich mehr als 100 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. (Quelle: epd/imago images)

Der Corona-Ausbruch nach einem Gottesdienst in einer Freikirche in Frankfurt am Main hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Nun räumt die Kirche Versäumnisse beim Infektionsschutz ein.

Nach Bekanntwerden von mehr als 100 Covid-19-Infektionen nach einem Gottesdienst in einer Freikirche in Frankfurt am Main gibt es Hinweise auf Versäumnisse beim Infektionsschutz. In einem am Montag auf der Webseite der Gemeinde veröffentlichten Schreiben räumt die Gemeinde ein: "Im Nachhinein betrachtet wäre es für uns angebracht, beim Gottesdienst Mund-Nasen-Schutz-Bedeckungen zu tragen und auf den gemeinsamen Gesang zu verzichten."

Die baptistische Gemeinde hatte nach dem Bekanntwerden des Ausbruchs zunächst betont, alle Schutzregeln seien eingehalten worden. Der notwendige Abstand sei gewahrt, Desinfektionsmittel bereitgehalten worden. Der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne), auch zuständig für den Gesundheitsschutz, kündigte Aufklärung an. "Danach kann erst bewertet werden, ob und wie gegebenenfalls konkret in dem Einzelfall Konsequenzen zu ziehen sind", sagte er. Der besagte Gottesdienst fand bereits am 10. Mai statt. Wie viele Besucher daran teilnahmen, war bis Montag nicht bekannt.

In der Stellungnahme der Gemeinde hieß es weiter, die Zahl der Ansteckungen in den Familien der Mitglieder könne weiter steigen, da es in der Gemeinde viele Familien mit fünf und mehr Kindern gebe. Die Betroffenen seien in häuslicher Quarantäne. "Nach Bekanntwerden der Infektion wurden die Gottesdienste sogleich in das Online-Format überführt", hieß es weiter.

Gläubige trugen Erreger in die Landkreise

Auf die Möglichkeit einer weiteren Ausbreitung des Virus nach dem Gottesdienst hatte am Wochenende auch der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, René Gottschalk, aufmerksam gemacht. Er sagte, die meisten Infizierten hätten sich nicht bei sondern nach dem Gottesdienst zu Hause angesteckt. "Die weitaus meisten sind nicht sonderlich krank. Nach unserem Kenntnisstand ist auch nur eine Person in einem Krankenhaus." Die Einzelfälle würden nachverfolgt. "Wir haben das gut im Griff."

Nach Angaben des Main-Kinzig-Kreises vom Samstag seien allein in Hanau 16 Corona-Infektionen auf den Besuch des Gottesdienstes zurückzuführen gewesen, schrieb die "Frankfurter Rundschau" (FR). Deshalb hätten der Landkreis und die Stadt ein für Sonntag geplantes Fastengebet von Muslimen im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion abgesagt. Die Veranstaltung wäre mit Blick auf die Geschehnisse in Frankfurt unverantwortlich.

Ein nach dem Gottesdienst infiziertes Kind stammte den Angaben zufolge aus Rosbach im Wetteraukreis. Laut FR besuchte es die Notbetreuung in einem Kindergarten in Karben. Dort sei von allen Kindern und von den Erzieherinnen ein Abstrich genommen worden, wird der Landkreis zitiert. Alle Tests seien negativ ausgefallen. "Niemand hat sich bei dem Kind aus Rosbach angesteckt."

Kirche fordert zur Einhaltung der Schutzmaßnahmen auf

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat nach Angaben ihres Sprechers Volker Rahn vor Christi Himmelfahrt und damit vor Bekanntwerden der Infektionen bei den Baptisten noch einmal alle Gemeinden zur Einhaltung der Schutzmaßnahmen aufgefordert. So dürfe in den Gottesdiensten nicht gesungen werden, es gebe Mundschutzpflicht und es müssten Listen der Besucher mit Namen und Anschrift angefertigt werden. Es gelte ein mehrere Punkte umfassendes Schutzkonzept und alle Gemeinden seien noch einmal eindringlich auf die Umsetzung hingewiesen worden.

Gerade auch mit Blick auf Pfingsten würden viele Gemeinden weiter bei den digitalen Angeboten oder Online-Gottesdiensten bleiben, sagte Rahn. Zudem gebe es "grüne" Gottesdienste im Freien. "Die boomen tatsächlich." Auch hier gebe es Sicherheitsmaßnahmen. "Wir werden nach den Vorfällen in Frankfurt nicht noch weiter verschärfen."

Sorge im Bistum Limburg

In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sollen Gottesdienste an Pfingsten wie geplant stattfinden: "Der Vorfall in Frankfurt hat keinerlei Auswirkungen auf das Hygienekonzept, das in der EKKW für Gottesdienste festgelegt worden ist und akkurat umgesetzt wird", erklärte Prälat Bernd Böttner.

Das Bistum Limburg hat den Corona-Ausbruch nach eigenen Angaben mit Besorgnis wahrgenommen. Man wisse jedoch nicht, inwiefern Abstands- und Hygienevorschriften in der Baptisten-Gemeinde eingehalten worden seien, sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle am Montag auf Anfrage. Handlungsbedarf bestehe im Bistum Limburg deswegen nicht. "Wir sehen aktuell keinen Anlass dazu, unsere Regelungen grundsätzlich zu überarbeiten oder infrage zu stellen."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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