Sie sind hier: Home > Politik > Corona-Krise >

Nach "Bild"-Kritik an Kinder-Studie: Drosten erklärt im Podcast worum es geht

Nach Kritik an Studie  

Drosten erklärt Streit um "Bild"-Artikel

26.05.2020, 20:24 Uhr | pdi, dpa

Nach "Bild"-Kritik an Kinder-Studie: Drosten erklärt im Podcast worum es geht. Virologe Christian Drosten hat in seinem Podcast zu der "Bild"-Kritik an seiner Studie Stellung genommen. (Quelle: imago images)

Virologe Christian Drosten hat in seinem Podcast zu der "Bild"-Kritik an seiner Studie Stellung genommen. (Quelle: imago images)

Nach dem großen Wirbel um die Kritik der Boulevardzeitung an der Studie von Christian Drosten erzählt der Virologe nun in seinem Podcast, warum er sich mit der Boulevardzeitung angelegt hat. 

Christian Drosten, Leiter der Virologie der Charité Berlin, hat in seinem aktuellen NDR-Podcast zu dem Streit um seine Corona-Studie mit der "Bild"-Zeitung Stellung genommen und erklärt, warum der Vorwurf des Boulevardblattes, er habe eine "grob falsche" Studie zur Infektiösität von Kindern erstellt, seiner Meinung nach völlig haltlos ist.

"Das kann man sich natürlich jetzt irgendwo entweder aus Twitter oder auch diesen Preprints zusammenbauen, was man da daraus zitieren will. Nur damit hat man ja nicht verstanden, was diese Wissenschaftler da überhaupt an unserer Studie kritisieren", meinte Drosten am Dienstag. "Alle vier Wissenschaftler haben sich sehr deutlich jetzt inzwischen von dieser gesamten Berichterstattung distanziert, weil das einfach inhaltlich so gar nicht das ist, was die gesagt haben."



Die Studie der Charité Berlin sei eine Vorab-Veröffentlichung der eigentlichen Studie gewesen. Der sogenannte Preprint ist dazu da, um von anderen Spezialisten studiert, diskutiert und eben auch kritisiert zu werden. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen werde dann die eigentliche Studie verbessert beziehungsweise korrigiert, so Drosten.

"Auswertung der ganz großen Zahlen"

Nachdem die Boulevardzeitung "Bild" dem weltweit renommierten Forscher in einem Artikel vom Montag fragwürdige Methoden und unsaubere Arbeit vorgeworfen hat, kontert Drosten mit dem Vorwurf der tendenziösen Kampagnenberichterstattung – dafür erhält er in den sozialen Medien viel Zuspruch.

Und selbst die vier Wissenschaftler, die "Bild" als Kronzeugen ihrer Kritik aufführt, stellen sich öffentlich hinter den Virologen, der bundesweit für seine fundierten, differenzierten Einschätzungen in der Corona-Krise bekannt geworden ist. Nun stehen die journalistischen Methoden des Blattes im Zentrum der öffentlichen Kritik. 

Nach diesem öffentlichen Streit erklärte Drosten im Podcast nun noch einmal das Verfahren seiner Studie, die zu dem Schluss kam, dass Kinder genauso ansteckend sein könnten wie Erwachsene. "Wir haben Viruslagen ausgewertet – so, wie sie im Prinzip aus dem Labor kommen", sagte der Berliner Virologe. "Das ist eine Auswertung von ganz großen Zahlen, bei denen man jetzt nur sagen kann: was sich da an Spitzfindigkeiten dahinter verbirgt, das wissen wir nicht.“

Drosten: Explosive Übertragungsereignisse sind Treiber der Epidemie

Drosten meint im Podcast außerdem, dass auch ohne Impfung, aber mit gezielten Maßnahmen, große Erfolge in der Corona-Pandemie erreicht werden könnten. Es gelte, sich insbesondere auf massenhafte Übertragungsereignisse und die Virenübertragung über sogenannte Aerosole, also feinste Schwebeteilchen in der Luft, zu konzentrieren, schilderte der Charité-Wissenschaftler.

Inzwischen gebe es die Erkenntnis, dass ganz wenige Leute ganz viele andere Menschen infizierten, während die meisten Infizierten niemanden oder nur wenige Menschen ansteckten, sagte der Experte. "Wir haben explosive Übertragungsereignisse, die diese ganze Epidemie eigentlich treiben." Als Beispiele nannte er auch aktuelle Fälle wie die Infektionen, die nach einem Baptisten-Gottesdienst in Frankfurt und nach einer Veranstaltung in geschlossener Gesellschaft in einem Lokal in Niedersachsen bekannt wurden.

Bereits beim Sars-Ausbruch 2002/2003 habe man solche Vorkommnisse als "Superspreading-Events" bezeichnet, sagte Drosten. Neue Studien besagten, dass so ein Phänomen auch die Sars-CoV-2-Epidemie treibe.

Angesichts der Schnelligkeit der Infektion sei es beim Entdecken eines Erstfalls von einem "Superspreading-Ereignis" zum Beispiel geboten, sofort das ganze Cluster unter Quarantäne zu stellen, um weitere Ansteckungen zu vermeiden, so seine Schlussfolgerung aus einer Studie. Für Diagnostik sei dann keine Zeit. Über solche Maßnahmen könne man "das Gesamtschicksal der Epidemie" unter Kontrolle bringen, so Drosten.

Verwendete Quellen:

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

baurtchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal