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Wie sieht die Zukunft der "Generation Corona" aus?

dpa, Von Jörg Ratzsch

Aktualisiert am 26.02.2021Lesedauer: 4 Min.
Kind sitzt alleine vor dem Computer: Durch die Corona-Pandemie ist normales Lernen in Schulen seit Monaten nicht möglich.
Kind sitzt alleine vor dem Computer: Durch die Corona-Pandemie ist normales Lernen in Schulen seit Monaten nicht möglich. (Quelle: Fotostand/imago-images-bilder)
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Die Corona-Pandemie zwingt die ganze Welt zum Verzicht. Doch welche Auswirkungen hat die Krise auf Schulpflichtige? Experten machen sich Sorgen – haben aber auch Hoffnung.

Vielleicht muss man mit einer Streichliste anfangen: keine Tanzschule, kein Fußballtraining, keine Party zum 18., kein Praktikum, keine Klassenfahrt, kein Auslandssemester, keine Konzerte, keine Clubs, kein Fasching in der Kita, kein Laternenumzug, keine Freunde treffen – alleine im Sandkasten und alleine zu Hause mit den Schulaufgaben.


Coronavirus-Fotoshow: Das sind die wichtigsten Symptome

Husten: Ein trockener Husten ist ein besonders hĂ€ufiges Symptom fĂŒr das Coronavirus. Der Husten kann zusĂ€tzlich zu Atemnot fĂŒhren.
Fieber: Eine erhöhte Temperatur ist ebenfalls ein hĂ€ufiges Symptom fĂŒr Covid-19. Viele Patienten haben zudem Gliederschmerzen oder fĂŒhlen sich schwach.
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Die Liste ließe sich fortschreiben. Wer sich erinnert, wie prĂ€gend die Erfahrungen waren, die Kinder und Jugendliche jetzt nicht machen können, weiß, wie es ihnen in der Corona-Pandemie geht.

Nun sind Grundschulen und Kitas wieder ein StĂŒck offen, aber der Betrieb steht auf wackeligen FĂŒĂŸen, die Älteren sind weiter zu Hause und von NormalitĂ€t ist das Land noch weit entfernt. Was macht das langfristig mit den jungen Menschen – rund jeder FĂŒnfte in Deutschland ist unter 20 Jahre alt – und wie groß werden die Folgen fĂŒr diese Generation sein? Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik machen sich Sorgen, aber nicht nur.

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Berufsvorbereitung leidet massiv

Mit Prognosen ist es wie immer schwierig: Bei der Bundesvereinigung der ArbeitgeberverbĂ€nde heißt es auf Nachfrage, es sei nur schwer vorherzusagen, wie sich die Situation an den Schulen langfristig auf die Kompetenzen von SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern auswirken wĂŒrden. "Richtig ist aber, dass aktuell besonders die berufliche Orientierung leidet." Der Vorstandschef der Bundesagentur fĂŒr Arbeit, Detlef Scheele, bestĂ€tigt das: kaum Betriebspraktika, keine Berufsberatung an Schulen, keine Ausbildungsmessen.

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Bernd Fitzenberger, Direktor des NĂŒrnberger Instituts fĂŒr Arbeitmarkt- und Berufsforschung befĂŒrchtet, viele Jugendliche könnten auf der Strecke bleiben und ihre Karrierechancen nachhaltig geschĂ€digt werden – mit gesellschaftlichen Folgen wie hĂ€ufiger Arbeitslosigkeit als Langzeiteffekt. Ein verlorenes Schuljahr bedeutet nach Rechnung des OECD-Bildungsdirektors und Pisa-Verantwortlichen Andreas Schleicher ungefĂ€hr sieben bis zehn Prozent verlorenes Lebenseinkommen.

Die Hochschulen sind ebenfalls vorsichtig mit Prognosen: Es gebe noch keine Daten und Erkenntnisse dazu, "aber es ist zu vermuten, dass die Lernergebnisse der angehenden Abiturientinnen und Abiturienten von der Pandemie-Situation negativ beeinflusst werden", sagt Peter-AndrĂ© Alt, PrĂ€sident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Das sei weder zu verharmlosen noch zu dramatisieren. Die Hochschulen hĂ€tten aber Erfahrung damit, durch BrĂŒckenkurse gewisse Defizite auszugleichen.

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Studie: Seelischer Druck steigt

Und dann ist da noch die Psychologie und das Zeitempfinden von Kindern und Jugendlichen. Wer sich erinnert, wie lange sich als Kind ein paar Wochen Sommerferien anfĂŒhlten, kann sich vorstellen, was nun ein Jahr Corona-Ausnahmezustand fĂŒr junge Menschen bedeutet. "Das spielt eine sehr große Rolle", sagt Alexandra Langmeyer, Wissenschaftlerin am Deutschen Jugendinstitut in MĂŒnchen. FĂŒr einen VierjĂ€hrigen bedeute ein Jahr Corona ein Viertel seines Lebens.

Studien zufolge ist der seelische Druck bei jungen Menschen gestiegen. Experten fĂŒr Kinder- und Jugendpsychiatrie sehen eine Zunahme bei Ängsten, Essstörungen oder auch Depressionen. Eine Umfrage der UniversitĂ€ten Hildesheim und Frankfurt zeigte zuletzt, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene ZukunftsĂ€ngste haben. "Sicherlich wird diese Zeit nicht fĂŒr alle Kinder gleichermaßen langfristig negative Auswirkungen haben", sagt Langmeyer. Es komme sehr auf die Familie an, wie gut diese mit der Corona-Situation zurechtkomme.

Benachteiligte Kinder fallen noch weiter zurĂŒck

Wie andere Experten sieht die Kinder- und Jugendforscherin die Gefahr negativer Langzeitfolgen verstĂ€rkt fĂŒr Kinder aus Ă€rmeren Familien. Man beobachte mit Sorge, dass viele wĂ€hrend der Schulschließungen nicht "erreicht" werden konnten, heißt es bei den Arbeitgebern, die sich fĂŒr gezielte Förderangebote auch in den Ferien aussprechen.

Kai Maaz, GeschĂ€ftsfĂŒhrender Direktor des Leibniz-Instituts fĂŒr Bildungsforschung und Bildungsinformation, verweist auf internationale Studien, die nach Schulschließungen besonders große LernrĂŒckstĂ€nde bei ohnehin schon leistungsschwachen SchĂŒlern und bei Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien gezeigt hĂ€tten. Er vermutet, dass auf der anderen Seite manche SchĂŒler sogar von der Eins-zu-eins-Betreuung zu Hause profitieren und rechnet damit, dass die Krise die Leistungsunterschiede in den Klassen verstĂ€rkt.

Der Bildungsforscher schlĂ€gt Maßnahmen vor, um gegenzusteuern und RĂŒckstĂ€nde aufzuholen, etwa die Einbeziehung außerschulischer BildungstrĂ€ger oder "zeitlich ĂŒberschaubare" Lern- und Unterrichtsmöglichkeiten in den Ferien. "Wenn wir jetzt nicht investieren und alles daransetzen, die entstanden LernrĂŒckstĂ€nde wieder aufzufangen, werden die Folgekosten in der Zukunft erheblich grĂ¶ĂŸer ausfallen."

"Generation Corona" als QualitÀtssiegel?

Doch wie bei den meisten Krisen gibt es vielleicht auch hier positive Seiten: "Ich glaube, dass "Generation Corona" eher ein QualitĂ€tssiegel als ein negativer Stempel ist", sagt Dario Schramm, GeneralsekretĂ€r der BundesschĂŒlerkonferenz, der selbst kurz vor dem Abi steht. Alle boxten sich seit nunmehr einem Jahr durch diese herausfordernde Zeit. "Meine MitschĂŒler haben so viele Dinge in Windeseile lernen mĂŒssen, fĂŒr die andere normalerweise lĂ€nger brauchen. Sie haben einen Turbo-Reifeprozess durchlaufen."

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An den Hochschulen wird nicht ausgeschlossen, dass die jetzigen Absolventen besondere StĂ€rken mitbringen: FĂŒr die meisten Abiturienten, werde die aktuelle Situation bei aller Belastung im RĂŒckblick auch eine wichtige Erfahrung sein, die bei der weiteren BewĂ€ltigung gerade des Selbststudiums zweifellos helfen könne, sagt HRK-PrĂ€sident Alt.

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Bildungsforscher Kai Maaz zeigt sich grundsĂ€tzlich optimistisch: "Ich glaube, dass die entstandenen RĂŒckstĂ€nde und Probleme wieder aufgeholt werden können - auch wenn es eine große Herausforderung ist. Alles andere wĂ€re eine Kapitulation mit nicht tragbaren Folgen fĂŒr die einzelnen Menschen und fĂŒr das System." Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sieht ebenfalls keinen Grund fĂŒr Pessimismus: "Ich finde nicht, dass wir von einer "verlorenen Generation" sprechen sollten." Wer das tue, habe schon aufgegeben. "Aus schwierigen Zeiten kann man auch gestĂ€rkt hervorgehen."

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