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Putins Propaganda-TV hetzt gegen schwulen Berliner


Putins Propaganda-TV hetzt gegen schwulen Berliner

Von Yannick von Eisenhart Rothe

Aktualisiert am 14.08.2022Lesedauer: 3 Min.
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Frank Peter Wilde mit einem Schal in den ukrainischen Nationalfarben im Aufzug:
Frank Peter Wilde mit einem Schal in den ukrainischen Nationalfarben im Aufzug. (Quelle: Frank Peter Wilde)
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Mit täglichen Selfies setzt ein Berliner Künstler sich für die Ukraine ein. Dort ist er ein Star, im Putin-treuen russischen Fernsehen wird er zum Feindbild.

Im ersten Moment versteht Frank Peter Wilde gar nicht, was er da sieht. Dann ist er schockiert. Sein eigenes Gesicht flackert über sein Telefon: ältere und neuere Bilder, auf Ukraine-Demos oder auf dem CSD. Dazu ein Moderator, der auf Russisch spricht: Der staatliche russische Propagandasender Rossija 1 berichtet über den Berliner Stylisten Wilde.

Die kurzen Ausschnitte, die t-online vorliegen, wurden von einer Bekannten vom Fernseher abgefilmt und per WhatsApp an Wilde weitergeleitet. Aber wie ist der Berliner ins Visier der russischen Propagandisten geraten?

In kürzester Zeit zum Star in der Ukraine geworden

Die Geschichte beginnt auf Wildes Instagram-Account. Seit Jahren postet Wilde, der in Berlin auch als queerer Aktivist bekannt ist, beinahe täglich Fotos, die ihn in seinem Aufzug zeigen. In verschiedenen Outfits, mal mit Regenbogenflagge, mal mit Freunden, mal leicht bekleidet oder ganz nackt. Es ist sein Hobby, das zunächst nur wenig Aufmerksamkeit erregt.

Kurz bevor Russland im Februar die Ukraine angreift, beschließt Wilde, seine Solidarität mit der Ukraine in seinen Aufzugselfies zum Ausdruck zu bringen. Seitdem dominiert das ukrainische Blaugelb seinen Account. Täglich kommt ein neues Bild hinzu. "Ich bin ein sehr politischer Mensch und finde es absolut wichtig, dass die Ukraine verteidigt wird", sagt er.

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"Nach ein paar Wochen hat mich eine ukrainische Journalistin angerufen und gefragt, ob sie über mich berichten dürfe", sagt Wilde. Er habe sofort zugesagt und sich erst wenig dabei gedacht. "Erst als der Beitrag raus war, habe ich mitbekommen, was das für ein großes Ding war. Die war von 'The Village', dem Kunstmagazin der Ukraine." Von da an wächst Wildes Popularität in der Ukraine schnell. Es folgen Fernsehbeiträge und weitere Artikel. Mittlerweile folgen ihm auf Instagram mehr als 100.000 Menschen, viele davon aus der Ukraine.

Russischer Beitrag: "Seht her, das ist das dekadente Westeuropa"

Das Feedback aus der Ukraine auf seine Bilder sei "überwältigend", sagt Wilde. Ihn habe das überrascht. Seine Bilder seien schließlich "in the face gay", also offensichtlich schwul. "Dass das in den modernen Großstädten gut ankommt, okay. Aber mir haben sogar Soldaten aus dem Süden des Landes geschrieben, dass sie mögen, was ich tue. So richtige Hardcore-Heteros."

Die große Aufmerksamkeit in der Ukraine hat man offenbar auch in Russland mitbekommen. Für den Beitrag habe der russische Sender auch alte Fotos von seinem Facebook-Account geklaut, sagt Wilde. "Die sind teilweise supersuperschwul." Er hat eine Vermutung, was das russische TV mit dem Beitrag zeigen will: "Seht her, das ist dieses dekadente Westeuropa, das unsere reine russische Seele korrumpieren will. Solche degenerierten Schwuchteln, so in die Richtung."

Russischer Moderator: "Lächerliche Darbietungen"

In dem Beitrag stellt der russische Moderator Wilde vor und sagt, dass er mit "freizügigen Fotos" die Ukraine unterstütze. Mit solchen Freunden bräuchten die Ukrainer keine Feinde mehr. Andererseits seien solche "lächerlichen Darbietungen" genau das Niveau der Unterstützung, mit dem man rechnen könne.

Beitrag über Wilde im russischen Fernsehen: Moderator echauffiert sich über "freizügige Fotos".
Beitrag über Wilde im russischen Fernsehen: Moderator echauffiert sich über "freizügige Fotos". (Quelle: privat)

Die hetzerischen und homophoben Kommentare oder Direktnachrichten auf seinem Profil hätten seit dem russischen Fernsehbeitrag deutlich zugenommen, sagt Wilde. "Viele davon kommen von Accounts, die null Follower und kein Profilbild haben."

Vorschlag an Sarah Connor: "Ich dachte, die sagt, der Alte ist verrückt geworden"

Klein beigeben will der Berliner aber auf keinen Fall. Schon längst ist aus seinem politischen Aktivismus auch eine enge persönliche Verbundenheit geworden. Er hat ukrainische Freunde kennengelernt, am Hauptbahnhof ankommende Geflüchtete unterstützt. Und seinen Aktivismus auch auf sein Berufsleben ausgebaut.

Denn Wilde ist unter anderem seit Längerem der Stylist von Sarah Connor. Als der Krieg begann, sei er gerade mitten in den Vorbereitungen für Connors Tour gewesen. "Das sollte alles super glitzernd und pompös werden." Als er dann die Bilder aus der Ukraine und die fliehenden Menschen gesehen habe, habe er gedacht: "Wir können das nicht so machen."

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Sarah Connor mit "No War"-T-Shirt (Archivbild): "Ich dachte, die sagt, der Alte ist verrückt geworden." (Quelle: IMAGO/Daniel Lakomski)

Er habe Connor eine Nachricht geschickt und ihr vorgeschlagen, stattdessen ein schlichtes Shirt mit "No War" darauf zu tragen. "Ich dachte, die sagt, der Alte ist verrückt geworden. Aber sie wollte das auch unbedingt machen." Das Shirt habe sie dann auf der gesamten Tour getragen.

Wilde macht also weiter mit seinem Aktivismus. "Ich habe keine Angst", sagt er. Ein paar Sicherheitsmaßnahmen würde er aber trotzdem treffen. So habe er vor einiger Zeit ein ukrainisches Fernsehteam in seiner privaten Wohnung empfangen und dort drehen lassen. "Das würde ich nicht mehr tun, treffe Medien nur noch außerhalb", sagt er. Insgesamt will er aber betonen, wie sicher er sich fühlt. "Ich mache das hier bequem aus dem sicheren Deutschland heraus. Was machen Leute ganz woanders durch?"

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Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Frank Peter Wilde
  • Instagram.com: Account von @frankpeterwilde
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  • Annika Leister
Von Annika Leister, Anna Bytom
RusslandSarah Connor

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