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Anschläge auf Deutsche Bahn: "Derart professionelle Sabotage ist eine neue Dimension"


"Derart professionelle Sabotage ist eine neue Dimension"

Von Yannick von Eisenhart Rothe

Aktualisiert am 13.10.2022Lesedauer: 3 Min.
Interview
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Der Gesprächspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

Dieses sensible Video der Deutschen Bahn sorgt für Aufregung – nun ist es verschwunden. (Quelle: t-online)
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Die Sabotage am Samstag hat die Verwundbarkeit der Deutschen Bahn gezeigt. Eine Expertin erklärt im Interview, warum der Schutz vor Anschlägen schwer ist.

Mutwillig durchtrennte Kabel haben am Samstag den Bahnverkehr in Norddeutschland zum Stillstand gebracht. Ermittler gehen von Sabotage aus. Wie gefährdet ist das deutsche Bahnnetz?

Birgit Milius ist Professorin für Bahnbetrieb und Infrastruktur an der Technischen Universität Berlin. Im Interview erklärt sie, warum das System Bahn schwer zu schützen ist und für wie groß sie die Gefahr hält.

t-online: Mit zwei durchtrennten Kabeln konnte am Samstag der Bahnverkehr in Norddeutschland lahmgelegt werden. Als Laie fragt man sich: Ist es wirklich so einfach?

Birgit Milius: Nein, es ist definitiv nicht einfach. Wenn man einfach losgeht und zwei Kabel durchschneidet, funktioniert vielleicht eine Weiche mal nicht. In diesem Fall mussten die Täter genau wissen, welches Kabel welche Information überträgt, wo es lang führt und wo man da gut rankommt. Man brauchte dafür also Zugang zu nicht-öffentlichen Informationen und enormes Fachwissen. Ich wüsste nicht, welches Kabel exakt wo langläuft. Und ich könnte das auch nicht herausfinden.

Sind ihnen vergleichbare Fälle bekannt?

Nein. Derart professionelle Sabotage ist eine neue Dimension. In den vergangenen Jahren waren Metalldiebstähle entlang der Strecken ein großes Thema. Es gab auch schon Anschläge, dann aber eher durch gelegte Brände. Ein so gezieltes Stilllegen des Bahnverkehrs gab es bisher nicht.

Birgit Milius
Birgit Milius ist Professorin für Bahnbetrieb und Infrastruktur. (Quelle: privat)

Wie sind solche Kabel in der Regel gesichert?

Da gibt es unterschiedliche Varianten. Man kann die Kabel in der Erde, in Leerrohren oder in Betontrögen verlegen, die oben abgedeckt sind. Die Kabel verlaufen aber entlang des gesamten Streckennetzes. Pro Jahr werden in Deutschland mehrere tausend Kilometer Kabel neu verlegt. Auch wichtige Verbindungen können da nicht gesondert gesichert oder gar bewacht werden. Ein System auf einer derart großen Fläche ist viel angreifbarer als etwa ein einzelnes Gebäude.


Quotation Mark

Ein System auf einer derart großen Fläche ist viel angreifbarer als etwa ein einzelnes Gebäude.


Birgit Milius


Gibt es also gar keinen Schutz gegen solche gezielte Attacken?

In der IT-Sicherheit gibt es den Spruch: Angreifer mit unendlichen Ressourcen und unendlichem Wissen kann man nicht aufhalten. Sicherlich muss jetzt genau analysiert werden, wie man sich besser schützen kann. Bisher beruht der Schutz in solchen Systemen vor allem auf Redundanz. Das heißt, dass ich immer ein Back-up habe, auf das ich umschalten kann, wenn ein System ausfällt, wie etwa ein Kommunikationssystem. Etwa bei Unfällen oder Defekten.

Wenn aber gezielt auch das Back-up ausgeschaltet wird, greift dieser Ansatz nicht mehr. Eine Möglichkeit der Verbesserung sind die Kabel selber. Neue Kabel sind etwa so ausgelegt, dass selbst ein Bagger sie nicht kaputt bekommt. Insgesamt denke ich aber auch, dass man die Gefahr dieses Anschlags nicht überbewerten sollte.

Was meinen Sie damit?

Es sieht jetzt alles ganz schlimm aus, nach dem Motto, mit nur zwei gekappten Kabeln wurde der Verkehr lahmgelegt. Mir kommt aber in der Berichterstattung zu kurz, dass nach derzeitigen Erkenntnissen und meinem Wissen für Fahrgäste und Personal nie Gefahr bestand.

Der Verkehr wurde eingestellt, was sicher sehr ärgerlich ist für viele Menschen. Aber er war auch nicht tagelang lahmgelegt, sondern funktionierte bald wieder. Es ist mitnichten so, dass sich die Bahn bisher keine Gedanken gemacht hat.

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Verwendete Quellen
  • Telefonisches Interview mit Birgit Milius
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