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Nach Baupfusch in Berlin-Köpenick – Mieter stehen vor dem Nichts


Mieter empört: "Mein ganzes Leben wird hier plattgemacht"

Von Kriss Rudolph

Aktualisiert am 05.02.2021Lesedauer: 3 Min.
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Eine Hauswand wird mit einem Holzgerüst abgestützt: Nach einem Wassereinbruch in einer Baugrube bildeten sich Risse in der Hauswand.
Eine Hauswand wird mit einem Holzgerüst abgestützt: Nach einem Wassereinbruch in einer Baugrube bildeten sich Risse in der Hauswand. (Quelle: picture alliance/dpa-Zentralbild/Kira Hofmann/dpa-bilder)
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Nachdem sich eine Baugrube in Berlin-Köpenick mit Wasser gefüllt hatte, mussten Hunderte Personen ihre Wohnungen verlassen. t-online hat mit Mietern gesprochen, die nun vor dem Nichts stehen.

Am Sonntag war in der Pohlestraße 9 in Berlin-Köpenick eine Baugrube mit Wasser vollgelaufen. Die Nachbarhäuser links und rechts drohten wegzubrechen. Insgesamt 360 Mieter mussten ihre Wohnungen verlassen.

Auch am Mittwoch war die Pohlestraße zwischen Dorotheenstraße und Müggelheimer Straße weiter gesperrt. Überall standen Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks, auch die Polizei war vor Ort. 300 Leute sind rund um die Uhr im Einsatz, 100 pro Schicht, sagt Torsten Kurz, der Einsatzleiter.

Bewohner kehren langsam zurück

In das Haus mit der Nummer 12 kehrten die Mieter zurück. Manuela Stöhr und ihr Mann haben drei Nächte im Pentahotel verbracht, einen guten Kilometer entfernt. Am Sonntagabend kam sie spät von der Arbeit und musste direkt wieder raus aus der Wohnung. "Mein Mann hatte Nachtschicht, der ist dann schnell gekommen, und es ging ab ins Hotel", erzählt sie.

Eine Bewohnerin eines kehrt nach der Evakuierung von 18 Häusern wieder in ihre Wohnung zurück: Andere Anwohner bangen derweil um ihre Existenz.
Eine Bewohnerin kehrt nach der Evakuierung von 18 Häusern wieder in ihre Wohnung zurück: Andere Anwohner bangen derweil um ihre Existenz. (Quelle: picture alliance/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene/dpa-bilder)
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Auch in die Nummer 14, gegenüber der Baugrube, kehrten am Mittwoch Bewohner zurück. Die Arbeit der Hilfskräfte ist super, das sagen hier alle. Die Versorgung mit Informationen dagegen ist dürftig, die holt man sich im Internet.

Im Bezirksamt geht man von Baupfusch aus. Das vermutet auch ein Rentner, der häufig in der Gegend unterwegs ist, etwa wenn er etwas im Copyshop an der Ecke erledigen muss, so wie am Mittwoch. "Es wunderte mich, dass die Baustelle lange nicht bewehrt war und es am Haus, das jetzt einsturzgefährdet ist, keine Sicherung gab", sagt der Bauingenieur im Ruhestand, der anonym bleiben möchte. "Das war absehbar!"

Nachbarn der Baugrube wohnungslos

Nico Jopp ist jetzt wohnungslos. Am Sonntag war er der Erste, der aus dem Haus in der Nummer 11 geholt wurde. Jetzt wohnt er erstmal bei Freunden in Friedrichshagen. Sie sind gekommen, um Sachen wie die Post aus der Wohnung zu holen. "Man macht uns aber keine Hoffnung, dass wir reindürfen", sagt er.

Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) stehen an einer Baugrube neben Wohnhäusern in der Pohlestraße in Köpenick: Erste Bewohner können in ihre Wohnungen zurückkehren.
Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) stehen an einer Baugrube neben Wohnhäusern in der Pohlestraße in Köpenick: Erste Bewohner können in ihre Wohnungen zurückkehren. (Quelle: Paul Zinken/dpa-bilder)

Sein Nachbar Oliver Gellrich aus dem Erdgeschoss war es, der die Polizei alarmierte. In seiner Wohnung, die er erst kürzlich bezogen hat, zeigten sich Risse in der Wand. "Der Maler meinte: Das sieht nicht aus wie normaler Haarriss im Altbau, eher wie ein Spannungsriss. Auch Fenster und Türen ließen sich plötzlich nicht mehr schließen."

Bilder aus der Kindheit – nicht zu retten?

Gerlich ist wiedergekommen, um seine Festplatte zu retten, aber man lässt ihn nicht mal in die Nähe seiner Wohnung in der Nummer 11. "Mein ganzes Leben ist da drauf gespeichert, alle Bilder seit meiner Kindheit." Ein emotionaler Wert, der sich für ihn schwer beziffern lässt.

Seit Sonntag steht eines seiner Fenster rund um die Uhr offen: Eine Spange ist dort zur Stabilisierung angebracht. Aus dem Fernsehen hat er erfahren, dass man in seiner Wohnung arbeitet und Löcher in die Wand bohrt. "Aber kein Arsch schafft es, meine Festplatte da rauszuholen!", schimpft Gellrich.

Er sei jetzt erstmal bei einer Freundin untergekommen. Das Haus, in dem er bis Sonntag gewohnt hat, hat er abgeschrieben. "Das Ding ist durch." Seine Hausverwaltung, die Degewo, hat ihm schon ein neues Heim besorgt. In zwei, drei Wochen kann er einziehen. Aber was bringt ihm die Wohnung ohne Möbel?

Ein Einsatzleiter riet ihm, sich emotional darauf einzustellen, dass er sich von seinem Hausrat verabschieden kann, nicht nur von der Festplatte. "Wenn der Statiker vom Bauamt sagt, das Haus kann nicht mehr betreten werden, dann wird es plattgemacht mit allem, was drinsteht. Mit meinem ganzen Leben."

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche vor Ort
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