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"Der Staat allein kann das nicht schaffen"

Von t-online, nhr

18.10.2018Lesedauer: 2 Min.
FĂŒr die BĂŒrgerstiftung Rheinviertel, die Pfarrer Wolfgang Picken vor 15 Jahren ins Leben gerufen hat, engagieren sich Menschen aller Altersklassen. Sie sind verschieden – gemeinsam haben sie, dass sie zusammen etwas bewegen.
FĂŒr die BĂŒrgerstiftung Rheinviertel, die Pfarrer Wolfgang Picken vor 15 Jahren ins Leben gerufen hat, engagieren sich Menschen aller Altersklassen. Sie sind verschieden – gemeinsam haben sie, dass sie zusammen etwas bewegen. (Quelle: Stephan Reifenberg)
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„Es stimmt etwas nicht“, das GefĂŒhl hĂ€tten viele. Sagt Wolfgang Picken. Der Bonner Pfarrer sieht im Engagement der Zivilgesellschaft eine geeignete Antwort auf die Probleme in Deutschland.

Chemnitz und Köthen stehen derzeit sinnbildlich fĂŒr die Spaltung der Gesellschaft. Es geht lĂ€ngst nicht mehr nur um die FlĂŒchtlingskrise. Es geht um das GefĂŒhl der Benachteiligung, um ExistenzĂ€ngste, um das Empfinden, mit seinen Problemen allein gelassen zu werden. BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier sagte bei seinem Amtsantritt im FrĂŒhjahr 2017, es gebe Haarrisse in der Gesellschaft. Zuletzt korrigierte er in einer Ansprache: „Aus den Haarrissen sind GrĂ€ben geworden“.

Die Herausforderungen sind enorm. Menschen aus fernen LĂ€ndern mit Ängsten, WĂŒnschen und oft auch Traumata mĂŒssen in eine Kultur, in ein System integriert werden, das ihnen zum einen fremd ist und das zum anderen selbst mit diversen Problemen zu kĂ€mpfen hat. Es fehlt an FachkrĂ€ften, die Bevölkerung wird immer Ă€lter, die Einkommensschere geht weiter auseinander, Ängste wachsen – und damit Unzufriedenheit.

Eine große Koalition zwischen Staat und Bevölkerung

Probleme, die auf politischer Ebene höchste Relevanz haben mĂŒssen. „Aber der Staat allein kann nicht ĂŒberall einspringen“, sagt Wolfgang Picken, Pfarrer in Bad Godesberg. Seine These: „Es braucht ein neues Wir.“ Ein was? „Eine Zivilgesellschaft, die Probleme solidarisch angeht.“ Und zwar nicht immer gleich im Großen, sondern vor allem im Kleinen. „Vor der TĂŒr, in der Region.“ Er nennt das eine große Koalition. Spricht dabei nicht von der von Querelen geplagten Bundesregierung, sondern von einer Vereinigung vom Staat und seinen BĂŒrgern, die Verantwortung fĂŒreinander ĂŒbernehmen: In der Kinderbetreuung, bei der Pflege, im gesamten Miteinander.

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Wolfgang Picken ist katholischer Priester und Pfarrer von Bad Godesberg, einem Stadtteil von Bonn. Sein Engagement fĂŒr eine starke Zivilgesellschaft wird bundesweit anerkannt. Auch abseits christlicher Institutionen wird er geschĂ€tzt, denn fĂŒr ihn "zĂ€hlt der Mensch, egal, was er glaubt oder woher er kommt".
Wolfgang Picken ist katholischer Priester und Pfarrer von Bad Godesberg, einem Stadtteil von Bonn. Sein Engagement fĂŒr eine starke Zivilgesellschaft wird bundesweit anerkannt. Auch abseits christlicher Institutionen wird er geschĂ€tzt, denn fĂŒr ihn "zĂ€hlt der Mensch, egal, was er glaubt oder woher er kommt". (Quelle: Aleksander Perkovic)

Picken spricht dabei nicht nur aus einer geistlichen Perspektive. Neben Theologie studierte er auch Politikwissenschaften, hat als Politologe und Journalist gearbeitet. Er kennt die Probleme der Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln. „Ich stand vor der Entscheidung, ob ich in die Politik gehe und Probleme von oben behandle oder, ob ich zu den Menschen gehe und gemeinsam vor Ort an Lösungen arbeite.“

Ohne SolidaritÀt bleiben viele auf der Strecke

Er schlug letzteren Weg ein und fĂŒhrte im Bonner Stadtteil Bad Godesberg vor, was möglich ist. Er grĂŒndete eine BĂŒrgerstiftung, die Gelder und Ressourcen fĂŒr wichtige Aufgaben wie etwa Kinderbetreuung oder die Begleitung von Sterbenden generiert. „Aber Geld ist nur die eine Seite, Talente und Begabungen die andere. Jeder kann einen Beitrag leisten.“ 15 Jahre ist Picken nun in Bad Godesberg tĂ€tig. In dieser Zeit hat er so viele Menschen mobilisiert fĂŒreinander einzustehen, dass seine Arbeit immer wieder als bundesweites Vorbild gehandelt wird.

„Viele Menschen bleiben bei fehlender SolidaritĂ€t auf der Strecke – vor allem die schwĂ€chsten: Kinder, Arme, Kranke.“ Es brauche ein Umdenken. Den Menschen mĂŒsse wieder bewusster werden, dass jeder von einer starken Gemeinschaft profitiert. Viele wĂŒrden sich schon engagieren, noch mehr wĂ€ren es, glaubt Picken, wĂŒrde ihr Engagement besser gefördert. „Kurze und schnelle Entscheidungen auf administrativer Ebene“, fordert er deshalb von den Kommunen, LĂ€ndern und vom Bund.

Seine Erfahrungen und Gedanken zum Zustand der Gesellschaft und dazu, wie Probleme gemeinsam gelöst werden können, hat Wolfgang Picken in einem Buch ausfĂŒhrlich zusammengefasst: „Wir – Die Zivilgesellschaft von morgen“.

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