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Exil-Iraner aus Bremen zu Protesten: "Der Islam ist ein Männergeschäft"


Exil-Iraner zu Protesten: "Der Islam ist ein Männergeschäft"

Von Steffen Koller

23.09.2022Lesedauer: 2 Min.
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Protest des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI) vor der iranischen Botschaft am Dienstag in Berlin.
Protestierende vor der iranischen Botschaft am Dienstag in Berlin. (Quelle: Paul Zinken/dpa)
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Weil sie ihr Kopftuch nicht "richtig" getragen habe, wurde Mahsa Amini festgenommen. Kurz darauf starb sie. Was macht das mit Exil-Iranern in Deutschland?

Mahsa Amini ist tot. Nachdem die "Sittenpolizei" im Iran die Frau vergangene Woche festgenommen hatte, weil sie ihr Kopftuch nicht ordnungsgemäß getragen habe, starb die junge Frau im Krankenhaus. Das Schicksal der 22-Jährigen sorgt seit Tagen für heftige Unruhen in weiten Teilen des Landes – auch in Deutschland sind Exil-Iraner beunruhigt.

Djafar Khosravi flüchtete 1983 aus dem Iran nach Deutschland. Zunächst nach Berlin, später nach Braunschweig, heute lebt der 71-Jährige in Bremen. Im Gespräch mit t-online blickt Khosravi auf die aktuellen Entwicklungen in seiner einstigen Heimat.

"Wir beobachten die Lage täglich", sagt Khosravi. Als Mitglied des Rates für iranische Flüchtlinge habe er regelmäßig Kontakt zu Menschen, die sich Sorgen machten, Angehörige nicht erreichten und Angst hätten. Drei seiner Schwestern lebten noch im Iran, Telefonate oder Whatsapp-Nachrichten kämen seit Tagen nicht durch, weil das Regime offenbar großflächig das Internet abgestellt habe.

"Frauen im Iran sind massiv unter Druck"

Wie sich die Lage im Iran entwickeln könnte, sei für Djafar Khosravi schwer vorhersehbar. Unter anderem liege das an den Parallelwelten, insbesondere im Sicherheitsapparat. So gebe es neben "regulärer Polizei und Armee" auch die "Sittenpolizei", die nach "ihren eigenen Regeln spiele" und deren Vorgehen kaum gesetzlich geregelt sei.

1983 flüchtete Djafar Khosravi aus dem Iran nach Deutschland.
1983 flüchtete Djafar Khosravi aus dem Iran nach Deutschland. (Quelle: Screenshot/Bremer Rat für Integration)

Auf der anderen Seite sieht der 71-Jährige auch Versäumnisse des Westens – und der Männer im Iran. Während einer Protestwelle im Jahr 2019 rund 1.500 Menschen ums Leben kamen, "hat die Weltöffentlichkeit die Augen verschlossen, auch Deutschland", sagt Khosravi zu t-online. Für ihn sei die Bundesregierung einst der "erste Partner" des Regimes gewesen.

Doch Khosravi sieht vor allem die Männer im Iran in der Pflicht, sich gegen das, was aktuell passiere, zur Wehr zu setzen. "Leider haben viele Männer bis jetzt geschwiegen." Frauen würden unter zahlreichen Repressalien leiden, müssten Verbote akzeptieren, die für Männer nicht gelten würden. "Der Islam ist ein Männergeschäft. Frauen haben keine Rechte. Frauen im Iran sind massiv unter Druck."

Frauen müssen sich hinter einem Kopftuch "verstecken"

Frauen müssten sich hinter einem Kopftuch "verstecken", dürften das Haus nur mit Erlaubnis verlassen. Auch wenn Frauen studiert hätten und gut ausgebildet seien, würden sie kaum adäquate Jobs bekommen. Allein für die Weigerung ein Kopftuch zu tragen, dürften Frauen bis zu 15 Jahre ins Gefängnis gesteckt werden.

Die Teilnahme an den Protestaktionen sei "lebensgefährlich", sagt Khosravi. Doch er sieht auch Hoffnung, sollten die Demonstrationen fortgeführt werden: "Die islamische Republik ist am Ende." Das brutale Niederschalgen der Proteste sei für ihn "nur ein verzweifelter Versuch", diesen Umstand zu kaschieren.

Was mit politischen Gegner oder Menschen passiere, die sich gegen die herrschende Elite auflehnten, musste Khosravi nach eigener Aussage am eigenen Leib erfahren. Anfang der 1980er Jahre sei er in einer "politischen Gruppe" aktiv gewesen und wurde verfolgt. Ihm gelang die Flucht, drei seiner Mitstreiter nicht – "die wurden hingerichtet".

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Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Djafar Khosravi
  • Eigene Recherchen
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