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Bremen/Niedersachsen: Kampf gegen Graffiti-Attacken teuer und beinahe aussichtslos

Bremen besonders betroffen  

Kampf gegen Graffiti-Attacken teuer und beinahe aussichtslos

03.11.2021, 12:13 Uhr | dpa

Bremen/Niedersachsen: Kampf gegen Graffiti-Attacken teuer und beinahe aussichtslos. Ein Mann putzt einen Zug (Archivbild): In einer Werkstatt der Nordwestbahn wird daran gearbeitet, Graffiti von den Waggons zu entfernen. (Quelle: dpa/Sina Schuldt)

Ein Mann putzt einen Zug (Archivbild): In einer Werkstatt der Nordwestbahn wird daran gearbeitet, Graffiti von den Waggons zu entfernen. (Quelle: Sina Schuldt/dpa)

Für die einen ist es Kunst, für die anderen ein teures Ärgernis: In Bremen und Niedersachsen versucht man mit vereinten Kräften, gegen Graffitis auf den Zügen im Nahverkehr vorzugehen. Der Kampf ist fast hoffnungslos.

Graffiti-Attacken auf Züge des öffentlichen Nahverkehrs finden in Niedersachsen und Bremen fast täglich statt. Wie die Nordwestbahn, die Deutsche Bahn (DB) und die Bundespolizei Hannover auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilten, ist der Trend zwar rückläufig, aber die Zahl der Attacken liegt immer noch auf einem sehr hohen Niveau. "Man wird dem kaum Herr werden können", sagt Steffen Högemann, Pressesprecher der Nordwestbahn.

In diesem Jahr sei an den Zügen des Unternehmens, die in weiten Teilen Niedersachsens und Bremens verkehren, zusammengerechnet eine Fläche von 4.000 Quadratmetern besprayt worden. Bis zum Ende des Jahres rechne man mit einen Anstieg auf 5.000 Quadratmeter. Das entspricht in etwa der Fläche von 19 Tennisspielfeldern. Besonders betroffen sei das Regio-S-Bahn-Netz im Umkreis von Bremen. Die Entfernung der Graffitis kostet das Unternehmen in diesem Jahr schätzungsweise 125.000 Euro.

Bremen: Graffitis am besten sofort entfernen

Bei der Deutschen Bahn belief sich der Schaden im Jahr 2020 deutschlandweit auf 38 Millionen Euro . "Geld, das die DB lieber zum Nutzen ihrer Kund:innen einsetzen würde", so eine Sprecherin. Regionale Zahlen liegen nicht vor. Um die Züge vor den Sprühaktionen zu schützen, setzt die DB verstärkt Sicherheitstechnik und Personal zur Überwachung der Zugabstellanlagen ein. Beide Unternehmen arbeiten außerdem mit Schutzfolien auf den Zügen. 

Was laut Högemann jedoch präventiv am meisten hilft, ist die schnelle Entfernung der Graffitis. Wenn die Farbe schnell entfernt werde, sei das Graffiti nur kurz für alle zu sehen. Damit biete man den Sprayern keine Plattform und mache sich somit unattraktiv, denn "in unseren Augen sind die Sprayer keine Künstler, sondern Straftäter", so Högemann.

Hohe Strafen für gefasste Sprayer – Auch Lebensgefahr droht

Trotz der Präventivmaßnahmen ist die Nordwestbahn täglich damit beschäftigt, ihrer Züge von illegal aufgemalter Farbe zu befreien. Für die Reinigung der Züge beschäftigt das Verkehrsunternehmen zwei Festangestellte, die die Graffitis mithilfe spezieller Pasten entfernen. Pro Fahrzeug dauert das ungefähr einen Tag. Dies ist laut Högemann ein "starker Eingriff" in den Betriebsablauf, da die Fahrzeuge zur Zeit der Reinigung nicht nutzbar seien. Zu Zugausfällen sei es deswegen aber noch nie gekommen.

Werden die Sprayer von der Polizei gefasst, können sehr hohe Strafen auf sie zukommen, wie Detlef Lenger, Pressesprecher der Bundespolizei in Hannover warnt. "Damit verbauen sich manche ihre ganze Zukunft." Denn: Selbst wenn ein Täter noch minderjährig und finanziell nicht in der Lage ist, für den Schaden aufzukommen, kann dieser noch bis zu 30 Jahre nach der Tat geltend gemacht werden.

Außerdem begäben sich die Sprayer durch riskante Aktionen oft in Lebensgefahr. Durch das illegale Betreten der Bahnanlagen oder die Berührung von Oberleitungen käme es zu teils tödlichen Unfällen, so Lenger. Durch Kurse an Schulen versucht die Bundespolizei über die Risiken und Gefahren aufzuklären. Dabei sind selbst aus Sicht von Lenger viele Graffitis handwerklich gut gemacht und toll anzuschauen. "Aber wenn der Eigentümer das nicht will, ist das eine Straftat."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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