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Hakenkreuz auf Hintern von "Indianer": Karl-May-Museum in Radebeul vor Rätsel


Pikante Stelle
Hakenkreuz auf Figur im Karl-May-Museum entdeckt


Aktualisiert am 28.08.2023Lesedauer: 3 Min.
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Seit 1933 steht die Komantschen-Figur im Karl-May-Museum: 90 Jahre lang blieb das verbotene Symbol auf dem Hinterteil des lebensgroßen Kriegers unbemerkt – bis der Komantsche für eine Restaurierung entkleidet werden musste.Vergrößern des Bildes
Seit 1933 steht die Komantschen-Figur im Karl-May-Museum: 90 Jahre lang blieb das verbotene Symbol auf dem Hinterteil des lebensgroßen Kriegers unbemerkt – bis der Komantsche für eine Restaurierung entkleidet werden musste. (Quelle: Karl May Museum)

Nach 90 Jahren restauriert das Museum seine historischen Figuren. Bei einer wurde ein Donnervogel auf dem Geschlecht gefunden – und ein Hakenkreuz auf dem Hinterteil.

Bei der Restaurierung einer 90 Jahre alten Komantschen-Figur im Karl-May-Museum in Radebeul ist ein Hakenkreuz auf ihrer linken Pobacke entdeckt worden. Auf der rechten Pobacke ist ein Davidstern in derselben roten Farbe zu sehen. Wie die Symbole dahin gekommen sind, darüber können selbst die Museumsfachleute derzeit nur spekulieren. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet.

"Die Jahrzehnte haben an der Vollgips-Figur genagt und Risse und Brüche hinterlassen", sagt Museumsdirektor Robin Leipold im Gespräch mit t-online – deshalb musste der Komantsche entkleidet werden: Der Zufallsfund lässt Leipold ratlos zurück, zwar sei die "Indianerbegeisterung im Nationalsozialismus" bekannt gewesen – Krieger, die sich für ihr Volk aufopferten, wurden Teil der NS-Ideologie. Allerdings geht der Museumsdirektor davon aus, dass sich nicht mehr rekonstruieren lässt, wie das Hakenkreuz auf die Figur kam – dafür seien zu viele Museumsdokumente aus der NS-Zeit verloren gegangen.

Verfängliches vernichtet

"Das einzige, was wir wissen ist, dass der Komantschen-Krieger 1933 von dem Bildhauer Vittorio Güttner gebaut wurde", sagt Leipold. Dazu gebe es einige Briefwechsel zwischen Karl Mays zweiter Ehefrau Klara und Güttner – hauptsächlich aber Rechnungen. Alles, was darüber hinaus geht, musste sich der Museumsdirektor zusammenreimen: "Vittorio Güttner war Mitglied in einem Cowboy-Klub in München, in dem auch der Maler Emil "Elk" Ebers tätig war."

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Ob Eber – der vor allem durch NS-Propagandabilder bekannt wurde – das Hakenkreuz hinterließ; darüber lasse sich heute nur noch spekulieren. Der Davidstern daneben mache alles nur noch rätselhafter.

An der mangelnden Quellenlage sei 2019 bereits die Zusammenarbeit mit dem Dresdner Hannah-Arendt-Institut zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Museums gescheitert – und nie über Vorgespräche hinausgegangen: "Im Prinzip haben wir keine historischen Dokumente in unserem Archiv, die erforscht werden könnten", so Leipold, der alte Gästebücher als Beispiel nennt: "Zwischen 1933 und 45 finden sich nur unverfängliche Einträge – allerdings wurden stellenweise Seiten herausgerissen."

Leipold vermutet, dass verfängliches Material vor dem Einmarsch der Roten Armee in Radebeul vernichtet wurde: "Während der NS-Zeit gab es im Museum etwa eine eigene Vitrine für eine Swastika-Sammlung. Diese Objekte sind heute alle verschwunden."

Donnervogel auf Geschlechtsteil

Der Komantschen-Krieger ist die sechste Figur, die das Karl-May-Museum restaurieren ließ, und bereits zum zweiten Mal offenbart die Entkleidung der lebensgroßen Figuren Zeichnungen im Intimbereich. "Bei der Restaurierung des Sioux-Häuptlings haben wir festgestellt, dass ein Donnervogel auf dem detailliert aufgearbeiteten primären Geschlechtsteil verewigt wurde." Leipold hielt das Fabelwesen der indigenen Mythologie für einen Scherz der Künstler.

Ob die Restaurierung weitere Stücke, ähnliche Zeichen zum Vorschein bringt, wird sich erst nach und nach zeigen, da die teure Restaurierung aus Spendengeldern bezahlt werde. Zur Überarbeitung der Figuren gehöre nämlich auch, die Originalkleidung (zur besseren Haltbarkeit) liegend aufzubewahren und den Figuren etwas Neues anzuziehen – aus Materialien, die ebenfalls zum historischen Kontext und zum Original passen. "Statt moderner Fäden verwenden wir etwa Tiersehnen und Perlen aus dem 19. Jahrhundert", sagt Robin Leipold.

Doch trotz der aufwendigen Restaurierung: Das Hakenkreuz auf dem Krieger wird bleiben. Leipold: "Als Zeitzeugnis der Vergangenheit, wenn auch einer dunklen."

Verwendete Quellen
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