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Till Lindemann von Rammstein: So lief der Protest vor Konzert in Düsseldorf


Solo-Konzert von Till Lindemann in Düsseldorf
"Das sind Faschos, warum machen Sie nichts?"


10.11.2023Lesedauer: 3 Min.
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Vor der Halle in Düsseldorf-Oberbilk versammelten sich die Protestanten. (Quelle: Henning Kaiser/dpa)

Am Freitagabend tritt Rammstein-Sänger Till Lindemann vor ausverkauftem Haus auf. Doch gegen die Tour gibt es Widerstand – auch in Düsseldorf.

Es sind etwa 150 Menschen, die sich im Regen über die Siegburger Straße im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk bewegen. Einige von ihnen tragen gelbe Westen, andere haben – meist rote – Fahnen dabei. Sie rufen: "Täter gibt's in jeder Stadt. Bildet Banden, macht sie platt." Nur eine Treppe trennt sie von Hunderten Menschen, die gerade vor der Mitsubishi-Electric-Halle anstehen. Dort, auf der anderen Seite der Stufen, brandet bei Ankunft der Gegendemo höhnischer Jubel auf.

Till Lindemann tritt an diesem Freitagabend in Düsseldorf auf. Noch vor einem halben Jahr hätte ein solches Solo-Konzert des Rammstein-Frontmanns kaum für größere Aufmerksamkeit gesorgt. Doch dann kam der Sommer 2023. Mehrere Frauen erhoben schwere Vorwürfe gegen Lindemann. Entsprechende Ermittlungen gegen den Sänger wegen sexueller Übergriffe wurden mittlerweile eingestellt. Doch die Kritik bleibt. Beim Tourauftakt am Mittwoch in Leipzig demonstrierten rund 600 Menschen gegen das Konzert. Es kam zu Beleidigungen und kleineren Auseinandersetzungen zwischen Fans und Gegendemonstranten. Auch in Düsseldorf hatte ein breites Bündnis zum Protest aufgerufen.

Demowagen und Proteste vor dem Konzert

Als der Demowagen mit dem großen Banner "Fight Back. Sexistische Gewalt stoppen" den Kundgebungsplatz erreicht, hat an der Halle noch nicht einmal der Einlass begonnen. Einige Demoteilnehmer haben sich mit ihren Plakaten gleich am Weg zwischen S-Bahn-Station und Halle aufgestellt. Nur ein Plastikband der Polizei trennt sie von den ankommenden Konzertbesuchern.

Immer wieder bleiben (fast ausschließlich männliche) Fans vor den (vor allem weiblichen) Demoteilnehmerinnen stehen und machen Fotos. Gelegentlich kommt es dabei zu kleineren Wortgefechten.

Neben dem lokalen Demo-Aufruf mehrerer linker und feministischer Gruppierungen aus der Region gab es im Vorfeld auch ein überregionales Protestschreiben der Aktivistinnen und Aktivisten von "Kein Rammstein in Berlin". Diese forderten bereits Ende Oktober eine Absage der gesamten Solo-Tour Lindemanns. Darin setzten sie sich auch bei der Stadt Düsseldorf und Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU), der nordrhein-westfälischen Landesregierung sowie "D.Live" als Hallenbetreiber für eine Konzertabsage ein. "Die Möglichkeit, dass das Rekrutierungs- und Missbrauchssystem fortgeführt wird, besteht", schreibt "Kein Rammstein in Berlin" dazu. "Diese Konzerte sind keine sicheren Orte und müssen daher unterbunden werden."

Medien nicht zugelassen

Bei der Kundgebung wechseln sich Redner und Themen ab. Es geht um Lindemann. Darum, dass das Konzert nicht hätte stattfinden sollen. Es geht aber auch um Kapitalismus und den kurdischen Befreiungskampf. Lindemann ist hier nur ein Symbol für ein größeres gesellschaftliches Problem. Zwischendurch werden Schlachtrufe angestimmt. "Wir sind hier aus purer Feindschaft gegen eure Fangemeinschaft", hallt es in Richtung Schlange. Dann brandet Applaus auf.

Wie viele andere Medien hätte auch t-online gerne über das Konzert selbst berichtet. Darüber, wie die Stimmung in der Halle unter den rund 7500 Zuschauern ist. Doch eine telefonische Anfrage wurde Anfang der Woche abgelehnt. So kurzfristig sei eine Akkreditierung nicht möglich. Eine Reaktion, die offensichtlich Methode hatte. Auch in Leipzig und Stuttgart teilten regionale Medien mit, nicht zugelassen worden zu sein. Die Deutsche Presse-Agentur sagte aus diesem Grund ihre Berichterstattung von den Konzerten ab.

"Ist das eine Palästina-Demo?"

Nicht alle, die an der Demo vorbeilaufen, verstehen, was hier eigentlich los ist. Ein junger Mann fragt seinen Begleiter: "Ist das eine Palästina-Demo?" Die allermeisten Menschen in der Lindemann-Schlange beachten nicht, was in ihrer Sichtweite skandiert wird. Wer doch darauf reagiert und etwas zurückruft, wird sofort niedergepfiffen und beleidigt.

Auch für Lindemann selbst ist auf dieser Tour nicht alles wie zuvor. Die berüchtigte "Row Zero", für die Medienberichten zufolge bewusst junge Frauen rekrutiert worden sein sollen, wird es in Düsseldorf ebenso wenig geben wie eine Aftershow-Party in der Halle. Allerdings wird im Lierenfelder Club "Tor 3" eine offizielle Feier nach dem Konzert stattfinden. Auflegen soll dort Schlagzeuger Joe Letz. Auch er soll Teil des Castingsystems gewesen sein, um das sich im Sommer der Skandal entzündet hatte. Am Tag vor dem Konzert sollte sich zudem der Düsseldorfer Stadtrat auf Antrag der Grünen mit Schutz- und Sicherheitskonzepten für Frauen und "andere vulnerable Gruppen" bei Veranstaltungen auseinandersetzen. Der Antrag wurde allerdings wieder zurückgezogen.

Es sind nicht nur deutlich weniger Demonstranten als zwei Tage zuvor in Leipzig, es kommt auch kaum zu direkten Auseinandersetzungen. Nach Angaben eines Behördensprechers gab es "keine besonderen Vorkommnisse". Erst ganz am Ende der Kundgebung wird es einmal kurz hektisch. Ein Mann mit Bierflasche in der Hand stellt sich provokativ nah an den Rand der Demo und wird von einer vermummten Demonstrantin weggeschoben. "Das sind scheiß Faschos, warum machen Sie nichts", schreit die Frau danach den dazukommenden Polizisten an. Dann ist die Demo vorbei. Lange bevor Till Lindemann überhaupt auf der Bühne steht.

Verwendete Quellen
  • Reporter vor Ort
  • Offener Brief von "Kein Rammstein in Berlin"
  • Anfrage an D.live
  • Ratsportal der Stadt Düsseldorf
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