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Düsseldorf: Mehrwertsteuer für Gastronomie – Experte fürchtet Aus für Lokale


"In einigen Restaurants wird keine Lampe mehr brennen"


Aktualisiert am 17.11.2023Lesedauer: 3 Min.
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Die Bolkerstraße in der Düsseldorfer Altstadt (Archivbild): Hier befindet sich ein Restaurant neben dem anderen. (Quelle: Michael Gstettenbauer/imago images)

Die Mehrwertsteuer auf Speisen wird wieder auf 19 Prozent angehoben. Darunter leiden werden die ohnehin kriselnde Gastrobranche und die Gäste. Doch gibt es auch Chancen?

Nun also doch: Die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wird im neuen Jahr wieder von 7 auf 19 Prozent angehoben. Darauf soll sich am Donnerstagabend die Ampelkoalition geeinigt haben, obwohl es zunächst noch nach einer Verlängerung der 7-Prozent-Regelung ausgesehen hatte. Unter der 19-Prozent-Rückkehr werden laut dem Düsseldorfer Gastroberater Markus Eirund sowohl die Branche als auch die Gäste leiden: Die Betriebe bangen einerseits um ihre Existenz, die Gäste andererseits müssen mit höheren Preisen rechnen.

Höhere Mieten, höhere Energie- und Lebensmittelkosten, fehlendes Personal und jetzt die Rückkehr der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent: Die Gastrobranche kämpft ums Überleben. Um zu bestehen, hält Eirund in den Restaurants eine Erhöhung der Preise nicht um 12 Prozent (Differenz von 7 und 19 Prozent), sondern sogar von bis zu 20 Prozent für realistisch. Für den Gastroberater ist wichtig, dass verstanden wird, dass die Betriebe die Gäste nicht übers Ohr hauen wollen. "Man muss verstehen, dass auf einer Speisekarte immer der Endpreis steht. Die Abgabe an den Staat ist also schon eingepreist. Woanders bekommt man vielleicht für eine Dienstleistung eine Rechnung von 1000 Euro plus 19 Prozent Mehrwertsteuer, dann sind die zusätzlichen 190 Euro leichter nachzuvollziehen", sagt Eirund.

Große Zurückhaltung auf dem Markt

Eirund berät nicht nur in der Gastronomie, sondern ist auch als Vermittler von Lokalen tätig. Dass die Branche schon länger in der Krise steckt, wird an seinen Auftragsbüchern deutlich. "Die Bücher sind seit zwei Monaten so voll wie nie zuvor. Ich bekomme jeden Tag zehn bis 15 Anrufe von Leuten, die überlegen, ihren Betrieb abzugeben. Sie fragen dann, ob man zurzeit überhaupt vernünftig verkaufen kann oder ob es überhaupt noch Käufer gibt", berichtet Eirund. Meist hat er dann keine guten Nachrichten: "Wenn es um die Übernahme von Restaurants geht, ist eine große Zurückhaltung auf dem Markt", sagt er.

Deswegen war in der Gastronomie die Hoffnung auch groß, dass es 2024 bei den 7 Prozent auf Speisen bleibt. Diese Regel war während der Corona-Pandemie zur Entlastung der Branche eingeführt worden und wurde wegen der Energiekrise mehrmals verlängert, zuletzt bis Ende dieses Jahres. In den vergangenen Monate hatten nicht nur Gastroverbände vehement dafür geworben, die Steuersenkung nicht auslaufen zu lassen, weil sonst eine Welle an Insolvenzen befürchtet wird. Auch Politiker hatten sich dafür ausgesprochen.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) sagte etwa, dass die Gastronomie auf den ermäßigten Steuersatz angewiesen und die Lage ernst sei: "Die Betriebe könnten ein Mehr von 12 Prozent Steuern nicht selbst abfedern, sondern müssten es an die Gäste weitergeben. Einige Restaurants sind von Schließungen bedroht. Das kann niemand wollen! Auf dieses Thema angesprochen, gab es von Kanzler Scholz nicht einmal eine Antwort", so Keller.

Überangebot in den vergangenen Jahren

Weil das Essen zum Mitnehmen oder bei der Lieferung weiterhin mit 7 Prozent besteuert wird, kann sich Gastroberater Eirund gut vorstellen, dass sich so mancher Gastronom nun lieber nach einem Ladenlokal mit Küche und einem kleinen Gastraum zu einer bezahlbaren Miete umschaut, um mehr auf den Lieferdienst zu setzen. Ein solcher Fall sei ihm auch schon bekannt. In der Corona-Pandemie habe dieses Geschäftsmodell auch für Umsatz gesorgt. Der Verkauf von Getränken fiele zwar dann weg, aber dafür werde das Servicepersonal eingespart.

Wenn Eirund weiter in die Zukunft schaut, "dann werden viele Betriebe von der Bildfläche verschwinden". Sonderlich schlimm findet er es aber nicht, denn in den vergangenen zehn bis 20 Jahren sei viel zu viel Gastronomie und ein Überangebot entstanden. Die Rückkehr zum alten Steuersatz biete sogar Chancen für die guten Betriebe. Er sagt: "Das Tagesgeschäft wird in vielen Bereichen schwieriger, weil es hier schon lange um den Preis geht. Das Abendgeschäft wird sich in vielen Stadtteilen in die eigenen vier Wände verlagern. Es muss davon ausgegangen werden, dass wir demnächst durch Straßen laufen, wo in einigen Restaurants keine Lampe mehr brennt. Marktbereinigung nennt man das. Aber weniger ist manchmal mehr."

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Markus Eirund
  • dehoga-nordrhein.de: Mehrwertsteuer Stimmen aus Nordrhein
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