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Nach Sylt im Privatjet: So verschwenderisch leben die Superreichen


"Man lebt eben nur einmal"
Nach Sylt im Privatjet: So abgehoben leben die Superreichen

Von t-online, kg

Aktualisiert am 17.07.2023Lesedauer: 4 Min.
Ein Privatjet steht auf einem Rollfeld: Klimaschutz-Aktivisten der Initiative "Letzte Generation" haben ihn mit oranger Farbe besprüht.Vergrößern des BildesEin Privatjet steht auf einem Rollfeld: Klimaschutzaktivisten der Initiative "Letzte Generation" haben ihn mit oranger Farbe besprüht. (Quelle: Julius Schreiner/TNN/dpa/dpa)
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Die Superreichen belasten das Klima besonders stark. Eine Dokumentation zeigt: Die Vermögenden interessieren sich dafür eigentlich gar nicht.

Es ist ein paar Tage vor Pfingsten. Am Airport auf Sylt ist ordentlich was los. An diesem Tag starten und landen besonders viele Flieger auf der Insel. Die Strecke Hamburg–Sylt zählt zu den am häufigsten frequentierten Privatjet-Routen innerhalb Deutschlands, so eine aktuelle Dokumentation des NDR-Sendeformats "STRG_F".

Dabei lässt sich die Insel problemlos mit der Bahn erreichen. Doch die sei "Unter aller Sau", wie ein Mann aus Ganderkesee westlich von Bremen dem Reporter berichtet. Das seien alte Wagen. Er sei einmal damit gefahren und nie wieder. Er kommt zum Entspannen nach Sylt mit dem Privatjet. Was er denn tun würde, um das Klima zu schonen, wird der Mann gefragt. Er lacht, und antwortet: "Wir sollten weniger anspruchsvoll sein, nicht jedes Wochenende irgendwo hinfahren, nicht pausenlos in den Urlaub fliegen, sondern zu Hause bleiben und mit dem Fahrrad fahren." Er selbst schone so das Klima, er sei mit dem Rad zum Flugplatz gefahren, um dann mit dem Privatjet 295 Kilometer nach Sylt zu fliegen.

Der "STRG_F"-Redaktion rechnet vor: Wer mit dem Zug nach Sylt fährt, verbraucht in etwa 17 kg CO2. Ein Reisender, der den Privatjet nutzt, kommt dagegen auf 1.200 kg CO2, zeigen Daten des Umweltbundesamtes.

Mit dem Privatjet nach Sylt "hat nur Vorteile"

Viktoria aus Kassel ist auf die Insel gekommen, um mit der Familie Kaffee zu trinken und mit dem Bruder zu feiern. Der Privatjet gehört ihrem Vater. Sie weiß, dass der Flug aus Klimasicht eine ganz schlechte Idee ist. Allerdings würde sie mit dem Auto auch über 10 Stunden brauchen, schon allein wegen des Staus auf der Strecke. Ihr Vater grätscht ins Interview: Der Vorteil beim Fliegen sei die Zeitersparnis.

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Nachteile gebe es keine. Klima als Argument lasse er nicht gelten, da gebe es ganz andere Möglichkeiten. Auf den Hinweis, dass Menschen, die mehr besitzen, auch mehr CO2 verbrauchen, antwortet er: "Glaube ich nicht." Und seine Tochter ergänzt: "Die, die kein Geld haben, können ja trotzdem fliegen, mit einem normalen Flugzeug, oder so." Sie mache sich schon Gedanken zum Klima, aber "man lebe eben nur einmal".

Pfingsten ist Sylt regelmäßig der Hotspot für die Reichen. Einer davon ist Theo Stratmann, 18 Jahre alt, der sein Vermögen selber mit Immobilien und E-Commerce verdient hat, so sagt er zumindest. Das Startkapital bekam er von seiner Familie. Auch er feiert das lange Wochenende auf der Nordseeinsel. "Sylt ist eben auch Sylt, da muss man eben mit ein bisschen Präsenz kommen", erklärt Stratmann, warum er mit dem Privatjet auf die Insel reist. "Wenn man mit der Deutschen Bahn kommt, ist das lächerlich." Übers Klima würde er sich schon Gedanken machen, aber Einsparen würde er nichts. Es sei ihm "scheißegal", gibt er zu.

Reiche verursachen mehr CO2

Laut Daten, die "STRG_F" ausgewertet hat, verursachen die reichsten 10 Prozent der Deutschen 257 Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr. Insgesamt emittiert Deutschland rund 750 Millionen Tonnen CO2. Jeder Durchschnittsdeutsche pustet rund 11 Tonnen CO2 pro Jahr in die Luft, berichtet der "MDR". Ein Millionär stoße rund 100 Tonnen CO2 aus und ein Superreicher komme auf 2000 Tonnen CO2.

Ob mit größerem Vermögen und somit auch größerem CO2-Fußabdruck auch mehr Verantwortung einhergehe, verneint Stratmann. Ein reicher Mensch leiste auch mehr. Vermögende Menschen würden schließlich Arbeitsplätze schaffen. Stratmann will mehr: Mehr Geld, mehr Häuser, größere Jets. Seinen Konsum einschränken? Auf keinen Fall. Außerdem gebe es ja auch Leute, die nicht in den Urlaub fliegen, die würden dann ja Treibhausgase einsparen, die er nutzen könne, sagt er. Würden hingegen Kurzstreckenflüge in Deutschland verboten, würde er sich daran halten. Das würde schließlich für alle gelten. Er sehe es pragmatisch, meint Stratmann: Den Klimawandel könne man eh nicht aufhalten. "Dann kann man auch noch mal auf die Kacke hauen, statt sich auf die Straße zu kleben."

Auch der Durchschnittsdeutsche tut sich schwer

Der Wissenschaftler Noel Cass hat in einer Studie untersucht, wie reiche Menschen ihren CO2-Verbrauch erklären. "Die Menschen haben über ihren Lebensstil gesprochen, als wäre es völlig normal und als würde es jeder tun. Das hat uns sehr interessiert, weil es zeigt, wie Menschen ihren Lebensstil rechtfertigen", so Cass im Sender Deutschlandfunk. Für seine Studie führte er mit 30 Probanden intensive Interviews.

Die meisten flogen häufig, fuhren viel Auto, Superreiche waren es nicht. Den Forschern fiel auf, dass sie ihr Verhalten auch damit rechtfertigten, dass sie ja tun würden, was sie könnten. "Die Befragten hatten teilweise drei oder vier Gefrierschränke oder Kühlschränke, aber die seien ja alle effizient, also sei das gut", sagt Soziologe Cass im Deutschlandfunk. "Die Menschen ignorierten einfach die stark klimaschädlichen Aktivitäten wie ständiges Autofahren und in einem Fall mehr als 70 Mal im Jahr fliegen."

Aber auch der Durchschnittsdeutsche tut sich schwer mit dem CO2-Sparen. Nur 31 Prozent der Deutschen sind laut "ARD"-Deutschlandtrend bereit, für das Klima ihren Lebensstil zu ändern.

Verwendete Quellen
  • Youtube-Channel von STRG_F: Privatjets, Yachten, Kaviar: Wie beeinflussen Superreiche das Klima?
  • mdr.de: Wie können wir den CO2-Ausstoß von Superreichen senken?
  • deutschlandfunk.de: Wie Reiche ihre schlechte Klimabilanz rechtfertigen
  • umweltbundesamt.de: Vergleich der durchschnittlichen Emissionen verschiedener Verkehrsmittel
  • sciencedirect.com: How are high-carbon lifestyles justified? Exploring the discursive strategies of excess energy consumers in the United Kingdom
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