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Wohnungs-Skandal in Hamburg: Einwohner drangsaliert und Haus verrotten lassen


Dreiste Masche: Vermieter lässt Haus seit Jahren verrotten


23.08.2023Lesedauer: 2 Min.
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Mit Zeitungen verklebte Fenster: In Hamburg stehen zahlreiche Wohnungen leer.Vergrößern des Bildes
Mit Zeitungen verklebte Fenster: In der Grindelallee 80 steht ein Altbau seit langer Zeit leer. (Quelle: Nina Hoffmann)

Ein Vermieter soll Einwohner drangsaliert haben: Mitten im Hamburger Studentenviertel steht ein Haus leer – doch eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht zu sein.

Manche Fenster sind provisorisch mit Zeitungspapier beklebt. Weder Pflanzen noch Sitzmöbel stehen auf den Balkonen. Keine Deko auf den Fensterbänken, keine Blicke aus den Fenstern. Das Gebäude an der Grindelallee 80 steht leer. Der Eigentümer soll dem Haus mitten im Grindelviertel selbst das Leben ausgehaucht haben, indem er es verkommen ließ. Jetzt befördern Rechtsstreitigkeiten und ein schwergängiges System den Leerstand. Ein Zwischenstand.

Wohnraum, bestenfalls noch bezahlbarer und in zentraler Lage, ist ein sensibles Thema in Hamburg. Denn er ist rar. Umso schmerzlicher ist der Anblick leerstehender Häuser – so wie in der Grindelallee 80. Zwar stehen in Hamburg verhältnismäßig wenige Gebäude leer, doch die Wohnungsnot in der Hansestadt ist groß. Rund 50.000 Wohnungen fehlen, schätzt der Mieterverein zu Hamburg. Bis der Wohnraum in der Grindelallee 80 zur Verfügung stehen könnte, dürfte es jedoch noch einige Zeit dauern.

Landgericht Hamburg: Zivilrechtsstreit dauert an

Bereits 2019 ließ der Bezirk das Wohnhaus wegen des schlechten Zustands räumen. Die Mieterinnen und Mieter warfen dem Eigentümer laut dem "Hamburger Abendblatt" Schikane vor. Er habe Angaben der Mieter zufolge versucht, alle Menschen aus dem Haus zu ekeln, um es dann verkaufen zu können. Doch aus dem Verkauf wurde nichts.

Vor dem Landgericht Hamburg findet zu dem Grundstück derzeit einen Zivilrechtsstreit statt. Wie das Gericht auf Anfrage mitteilt, geht es dabei um eben diesen – bereits 2018 vereinbarten – Grundstücksverkauf. Die Käuferin fordert die Umschreibung des Eigentums, der beklagte Verkäufer will dagegen zuerst den vereinbarten Kaufpreis erhalten. Doch die Käuferin rechnet Schadenersatzansprüche gegen.

Strittig sei dabei auch, ob entgegen der vertraglichen Vereinbarung noch laufende Mietverhältnisse bestehen. "Die Sache ist noch nicht entscheidungsreif", heißt es vom Landgericht auf Anfrage.

Hat das Bezirksamt Eimsbüttel genug im Fall der Grindelallee 80 gegen den Eigentümer unternommen? Unter anderem die Linke bezweifelt das. Auf einem Plakat an der Hausfassade heißt es "Hier könnten Menschen wohnen ... wenn das Bezirksamt Eimsbüttel beim Besitzer endlich strenger durchgreift". Das Bezirksamt verwies dagegen unter anderem im "Hamburger Abendblatt" auf bereits laufende Verfahren, die gegen den Eigentümer eingeleitet worden seien.

Grindelallee 80: Löst ein Treuhänder das Problem?

Jüngst hat die Bezirksversammlung auf Initiative der Linken beantragt, einen Treuhänder für das Haus einzusetzen. Doch eine schnelle Lösung sieht der Mieterverein darin nicht. Denn sich gegen den Leerstand kurzfristig zu wehren, sei nicht einfach, erläutert der Vereinsvorsitzende Rolf Bosse. Das Bezirksamt könne zwar Bußgelder verhängen und sogar das Gebäude gemäß der sogenannten Treuhänderschaft temporär enteignen, um es selbst instand zu setzen – doch dieser Weg sei "steinig".

Der Eigentümer des Gebäudes könne gegen "jeden Bescheid Widerspruch einlegen und klagen". Und das tut der Eigentümer der Grindelallee 80 seit Beginn der Rechtsstreitigkeiten. Das ziehe das Verfahren weiter in die Länge.

Der Mieterverein fordert deshalb, die Kompetenzen des Bezirksamts mit Blick auf den Wohnraumschutz zu erweitern – und Einspruchsmöglichkeiten von Eigentümern einzuschränken. Doch auch die Umsetzung dieser Forderung dürfte dauern. Bis wieder Leben in die Grindelallee 80 einzieht, wird voraussichtlich also noch einige Zeit verstreichen.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit dem "Mieterverein zu Hamburg"
  • Schriftlicher Austausch mit dem Landgericht Hamburg
  • hinzundkunzt.de: "Kommt bald endlich der Zwangsverwalter?"
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