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Northvolt-Deal: Ist die Batteriefabrik Chance oder Risiko für Dithmarschen?


Neue Gigafactory
Hoffnungsträger oder Risiko? Das steckt hinter dem Northvolt-Deal


23.01.2024Lesedauer: 3 Min.
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Gemeindesitzung zu Bauleitplanung für Northvolt-GeländeVergrößern des Bildes
Ein Straßenschild "Norderwöhrden Dellweg" ist an der Baustelle für das geplante Northvolt-Gelände zu sehen. Nach Lohe-Rickelshof hat am Montag auch die Gemeinde Norderwöhrden (beide Kreis Dithmarschen) den Plänen der Batteriefabrik zugestimmt. (Quelle: Christian Charisius/dpa/dpa)

Im Kreis Dithmarschen soll eine Batteriefabrik entstehen und viele Arbeitsplätze bringen. Eine Chance für die strukturschwache Region. Oder?

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen ist offenbar nicht nur hochzufrieden. Vielmehr scheint es für ihn ein historisch wichtiger Tag zu sein. Mit der am Montag getroffenen Entscheidung sei man der "Vision von einem grünen Industrieland einen epochalen Schritt" nähergekommen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Tatsächlich ist das, was die Gemeindevertreter aus Norderwöhrden am Montag entschieden haben, für den Kreis Dithmarschen enorm. Denn zusammen mit der Gemeinde Lohe-Rickelshof hat die lokale Politik die Weichen für ein gigantisches Projekt gestellt, das den strukturschwachen Landstrich in kürzester Zeit verändern soll.

Eine Chance für die ganze Region

Das Unternehmen Northvolt will schon in diesem Frühjahr mit den Voruntersuchungen für die Baustelle der neuen Batteriefabrik beginnen. Diese soll bis zu 3.000 neue Arbeitsplätze mit sich bringen. Doch das ist nur der Anfang: Die Politik erhofft sich einen generellen Aufschwung der ganzen Region.

"Gastronomie, Kultur, Kitas, Schulen, Bäckereien – all das kommt als Infrastruktur. Das ist eine Anker-Investition, die weite Bereiche der Westküste Schleswig-Holsteins stärken und attraktiver machen wird", jubelt auch der Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck über den Deal.

Doch ist der Neubau dieser Gigafabrik wirklich ein Segen für das Land? Tatsächlich versprechen sich die Entscheidungsträger mehr als nur ein paar Arbeitsplätze. Denn die Region im Westen Schleswig-Holsteins hat es nicht ganz leicht. Abgesehen von Tourismus und Windenergie gibt es wenig Perspektiven.

"Große Teile Dithmarschens werden zusätzlich als abgelegen und strukturschwach klassifiziert", schreibt das Landwirtschaftsministerium in einem Plan von 2005. Heide ist mit rund 22.000 Einwohnern die größte Stadt der Region, bis zur Küste nach Büsum leben die Menschen in kleinen Dörfern.

Wohnungen werden dringend gebraucht

Jetzt sollen neben den Jobs in der Fabrik auch bis zu 7.000 Menschen als Zulieferer Arbeit finden. Wo diese Menschen künftig alle wohnen sollen, ist noch unklar. "Natürlich bringt eine Unternehmensansiedlung dieser Dimension große Herausforderungen für die ganze Region mit sich, vor allem für die Infrastruktur", sagt Heides Bürgermeister Oliver Schmidt-Gutzat (SPD). "Die Chancen, die von diesem Projekt ausgehen, werden aber die Risiken deutlich übertreffen."

Dirk Burmeister, Chef der Entwicklungsagentur Region Heide, vergleicht Heide laut NDR bereits mit dem nordschwedischen Skellefteå, wo sich ein Fabrikbau positiv ausgewirkt habe. 2.000 Menschen würden dort arbeiten, der Altersdurchschnitt liege bei 34 Jahren. Es würde also junge Menschen dorthin ziehen und den Altersdurchschnitt senken, so die Hoffnung. Und Dithmarschens Landrat Stefan Mohrdieck erwartet, dass in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren bis zu 15.000 Menschen zusätzlich in die Region strömen. Er stützt die Annahme auf Schätzungen von Experten.

All diese Menschen brauchen dann jedoch Infrastruktur. Hier befürchten Kritiker, dass der Ausbau nicht schnell genug vorangehen könnte, denn die Fabrik will bereits 2025 ihren Betrieb starten. Und bislang fehlt es an neuen Kitas, neuen Schulen, mehr Ärzten – und vor allem: viel mehr Wohnungen. Da wurden schon im Vorfeld Gespräche mit allen Gemeinden geführt, um mögliche Neubaugebiete zu finden. Und man holte sich auch Rat bei einer Region, die diesen Weg schon gegangenen ist.

"Wir waren in Grünheide und haben uns dort das Tesla-Werk und das Umland angeschaut. Wir haben uns auch mit Bürgermeistern dort unterhalten und wollen aus den Fehlern, die man dort gemacht hat, lernen und die positiven Dinge übernehmen", erzählt Dirk Burmeister von der Entwicklungsagentur Region Heide dem NDR.

Angst um Fachkräfte

Doch nicht alle sehen den Schritt positiv. So bangen Handwerksbetriebe und ortsansässige Unternehmen um ihre Fachkräfte. Der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste, der rund 400 Firmen aus Nordfriesland vertritt, wisse schon heute, wie hart die Firmen um Fachkräfte kämpfen müssen. Kommt die Gigafabrik, fürchten die Unternehmer, dass sie ihre guten Leute dahin verlieren. Und auch keine neuen Azubis finden.

"Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust", beschreibt ein Handwerker das Problem dem NDR. "Es ist ein Risiko, aber es ziehen ja auch Leute hier in die Region, und die bringen auch Ehepartner und Kinder mit, und da ist bestimmt der eine oder andere auch für unsere Betriebe dabei."

Es liegt also eine Mammutaufgabe vor dem Kreis. Doch offenbar traut das schwedische Unternehmen den Menschen vor Ort eine Menge zu. "In Dithmarschen entstand einst der erste Windpark Deutschlands, nun entstehen hier bald die nachhaltigsten Batteriezellen", sagte der Geschäftsführer von Northvolt in Deutschland, Christofer Haux.

Verwendete Quellen
  • Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum IV – Kreise Dithmarschen und Steinburg, 2005
  • abendblatt.de: Das Riesenpotenzial von Schleswig-Holsteins Westküste
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